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Die Tatwaffe, mit der FRank S. Henriette Reker schwer verletzte.
Die Tatwaffe, mit der FRank S. Henriette Reker schwer verletzte.(Foto: dpa)

"Die Bier- und Würstchenfraktion": Frank S. galt nicht als gewalttätiger Extremist

Das Messerattentat auf die Politikerin Henriette Reker macht Frank S. schlagartig bekannt. Doch wer ist dieser Mann, von dem der Verfassungschef sagt, er sei eine "Randperson im rechtsextremen Lager"?

Der Attentäter von Köln, der die Politikerin Henriette Reker mit einem Messer attackierte und schwer verletzte, war den Behörden einem Medienbericht zufolge nicht als gewalttätiger Rechtsextremist bekannt. Wie die "Welt" unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtet, verfügten weder die Polizei noch die Verfassungsschutzämter über Informationen zu dem 44-jährigen Frank S.

Das Bundeskriminalamt stuft dem Bericht zufolge derzeit 15 Menschen als rechtsextremistische "Gefährder" ein, denen jederzeit eine politisch-motivierte Straftat zugetraut wird. Weitere 109 Rechtsextremisten gelten demnach als "relevante Personen" der Szene. Frank S. tauche in diesen Listen allerdings nicht auf, schreibt die "Welt".

Nach Einschätzung von Verfassungsschutz-Chef Burkhard Freier war Frank S. nur "eine Randperson" im rechtsextremen Lager, wie er im WDR sagte. In jüngster Zeit sei er aber sporadisch in rechtsgerichteten Online-Foren in Erscheinung getreten.

Als Frank S. die Kölner Sozialdezernentin Reker niederstach, soll er gerufen haben: "Ich tue es für eure Kinder!"
Als Frank S. die Kölner Sozialdezernentin Reker niederstach, soll er gerufen haben: "Ich tue es für eure Kinder!"(Foto: dpa)

Der seit langem arbeitslose Maler und Lackierer, der ledig und kinderlos ist, soll dem Zeitungsbericht zufolge Anfang der 90er Jahre in der Skinhead-Szene in Bonn-Beuel aktiv gewesen sein. Gemeinsam mit Mitgliedern der inzwischen verbotenen Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP), nordrhein-westfälischen Neonazis und Angehörigen der ebenfalls verbotenen Wiking-Jugend soll er im August 1994 an einem rechten Aufmarsch in Luxemburg teilgenommen haben, schreibt die "Welt". Als die Luxemburger Polizei den "Rudolf-Heß-Gedenkmarsch" beendet habe, sei Frank S. festgenommen worden.

Skinhead in Bonn-Beuel

"Er war kein Mitglied der FAP", sagte ein damaliger Bekannter von Frank S. der Zeitung. "Frank S. gehörte zu den Skinheads in Bonn-Beuel." Er sei aber "kein besonders politischer Mensch" und "kein Ideologe" gewesen. In Bonn-Beuel soll er dem Bericht zufolge regelmäßig an Bahn- und Bushaltestellen rumgehangen haben. "Die haben Muskik gehört, rumgepöbelt", beschreibt ihn ein ehemaliger Weggefäjhrte der "Welt". "Das war eher die Bier- und Würstchen-Fraktion."

Wie die "Welt" weiter berichtet, beschreiben ihn die Nachbarn als eher unauffällig. Der 44-Jährige war offenbar kein Mitglied einer rechtsextremen Partei. Im Jahr 2008 soll er allerdings Interesse an der NPD gezeigt haben. Auch fiel er durch gewalttätige Aktionen auf und ist wegen Raubes und Körperverletzung vorbestraft.

Frank S. hatte die parteilose Reker am Samstagmorgen an einem Wahlkampfstand auf einem Kölner Wochenmarkt attackiert und mit Messerstichen schwer am Hals verletzt. Die 58-Jährige musste nach dem Angriff in der Kölner Uniklinik notoperiert werden. Einen Tag nach dem Messerattentat wurde die parteilose Politikerin zur neuen Kölner Oberbürgermeisterin gewählt.

Quelle: n-tv.de

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