Politik
Ronny Edry sind öffentlich geäußerte politische Positionen eigentlich fremd.
Ronny Edry sind öffentlich geäußerte politische Positionen eigentlich fremd.

Appelle nach Teenager-Morden: Friedensaktivist schreibt gegen Netanjahu an

"Bitte gehe, Bibi. Nimm Deine Minister und den Hamas-Chef mit und geht einfach." Der Appell eines israelischen Friedensaktivisten an Premier Netanjahu zeigt die Verzweiflung zweier Völker an der Politik.

Wenn die Menschen die Möglichkeit hätten, sich wirklich kennenzulernen und nicht nur über Medien und Politiker voneinander zu lernen, dann ist Friede möglich. Daran glaubt der Israeli Ronny Edry und stellte deshalb inmitten der hitzigen Diskussionen um den Bau einer iranischen Atombombe vor zwei Jahren mit seiner Ehefrau die schlichte Botschaft "Israel liebt Iran" auf ihrer Facebook-Seite ins Internet.

Die Reaktion war überwältigend. Innerhalb weniger Tage schlossen sich über 30.000 Menschen der Aktion an und schickten einander Liebesbotschaften über die fest verschlossenen Landesgrenzen hinweg. Heute sind immer noch über 120.000 Menschen auf seiner Seite aktiv. Und Ronny Edry selbst ist seither als Friedensaktivist unterwegs, streckt die virtuelle Hand auch seinen neuen palästinensischen Freunden entgegen und plädiert weltweit in den Medien für die Verständigung der verfeindeten Völker.

Die Politik ließ er stets außen vor - bis zur jüngsten Eskalation in der Region nach dem Mord an mittlerweile vier Teenagern und der Prügelattacke auf einen weiteren. 18 Tage lang bangte das Land um Eyal Yifrah, Gilad Shaar und Naftali Fraenkel. Nach dem Fund der Leichen kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen und einen Rachemord an einen jungen Palästinenser, zu dem sich nun ein rechtsextremer Israeli bekannt haben soll. Gleichzeitig kursieren Bilder eines 15-Jährigen, den israelische Grenzpolizisten verprügelt haben soll. Israelische Minister drohen derweil mit dem Einmarsch in Gaza, sollte der fortwährende Beschuss der südlichen israelischen Städte nicht umgehend eingestellt werden.

"Zeit zu gehen!"

Das alles war zuviel für Edry, der nun in einem leidenschaftlichen offenen Brief Premierminister Benjamin Netanjahu zum Rücktritt aufforderte. Er habe zwei Jahre lang versucht, nicht über Politik zu reden, in dutzenden Interviews von CNN bis Al-Jazeera habe er nie schlecht über Netanjahu gesprochen, aber nun könne er nicht mehr, schreibt der Friedensaktivist.

Für Edry ist es klar, dass der israelische Regierungschef den Moment genutzt habe, um gegen die Hamas vorzugehen. "Statt die Suche nach den Mördern der drei Jungen zu forcieren, hast Du Israel überzeugt, Gaza zu attackieren", schreibt er. "Und dann flogen die Raketen auf den Süden unseres Landes und starteten erneut den alten Teufelskreis. Und es gab mehr Ärger, mehr Gewalt, die schließlich in der Ermordung von Muhammad Abu Khdeir gipfelte. In weniger als zwei Wochen haben Du, Deine Minister und die Hamas es geschafft, dass wir uns hassen. Statt das Feuer zu löschen, habt ihr Öl reingekippt und mehr Fleisch verbrannt."

Er werde nicht als große Führungsgestalt in die Geschichte eingehen, prophezeit Edry dem Regierungschef und erinnerte an den jordanischen König Hussein, der 1997 nach Israel reiste, um den Eltern der jugendlichen Opfer eines jordanischen Amokläufers Trost zu spenden. "Dieser König wusste, dass man Mitleid zeigen muss, um den Schmerz und den Ärger zu lindern." Da Netanjahu das nicht wisse, solle er gehen. Und gleich seinen Außenminister Avigdor Lieberman und den Hamas-Chef Ismail Haniyeh mitnehmen. Außerdem sein neues Flugzeug und sein neues Haus im Werte von 600 Millionen Schekel (130 Millionen Euro). "Lass uns einfach hier. Wir werden ein gutes Israel schaffen, eines, auf das wir stolz sein können."

Appell zu leidenschaftlich?

Der offene Brief löste in Israel eine Diskussion aus. Während viele Edry zustimmten, verwiesen andere darauf, dass Netanjahu in der Zwischenzeit wie gefordert den Mord an Muhammad Abu Khdeir öffentlich verdammt hatte. Andere riefen Edry dazu auf, sich wieder auf seine Friedensbotschaften zu konzentrieren.

Edry selber bedauerte seinen Brief nach wenigen Stunden. "Es gehört nicht zum 'Geist' dieser Website, solche Briefe zu schreiben", schrieb er erneut. "Doch was hier in den letzten Wochen passiert, diese Gewalt auf beiden Seiten, ist einfach nur falsch. Das ist alles von den Regierungen auf beiden Seiten gut abgestimmt. Aber ich bitte nicht die Hamas, sich zu ändern, denn ich bin kein Palästinenser. Ich bitte meine Regierung eine Lösung zu finden. Jeder gute General, jeder guter Anführer wird wissen, der ultimative Sieg ist Frieden."

Quelle: n-tv.de

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