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Migranten in Deutschland: Frühere Fehler wirken bis heute

Fast jeder fünfte in Deutschland ist eingewandert oder das Kind von Einwanderern. Wie eine neue Studie zeigt, entscheidet nicht die Dauer des Aufenthalts, ob Integration gelingt. Im Gegenteil: Politische Versäumnisse aus 40 Jahren Gastarbeitertum wirken bis heute.

Die Integration von Zuwanderern in Deutschland macht Fortschritte und ihr Bildungsniveau steigt - dennoch haben Migranten einer Studie zufolge weiter mit Stolpersteinen zu kämpfen. Die Folgen verpasster Integrationsangebote in den vergangenen 40 Jahren seien "weiterhin klar zu erkennen", schreiben Wissenschaftler des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung in einer neuen Studie.

In ihrer Studie "Zur Lage der Integration in Deutschland" erinnern die Forscher daran, dass mehr als 15 Millionen Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in Deutschland leben, also mittlerweile jeder Fünfte einen Migrationshintergrund hat - in der Gruppe von Kindern unter fünf Jahren sogar schon jeder Dritte. Zwar habe sich das Bildungsniveau der Zuwanderer zuletzt deutlich verbessert. Dennoch konnten Kinder und Enkel der ersten Einwanderer-Generation trotz Verbesserungen in vielen Bereichen noch nicht zu den Einheimischen aufschließen, wie es in der Studie heißt.

So habe die Gruppe der Migranten aus den südeuropäischen Ländern Italien, Spanien, Griechenland und Portugal immer noch mit der verpassten Integration der Gastarbeiter-Generation zu kämpfen - dies gelte zumindest für die Zugewanderten der älteren Jahrgänge und ihre in Deutschland geborenen Nachkommen. Türkische Migranten zeigen den Forschern zufolge die stärksten Integrationsprobleme - obwohl die Hälfte der Türkischstämmigen bereits in Deutschland geboren wurde.

Viele Schulen nicht auf Migranten eingestellt

Die am besten integrierte Zuwanderer-Gruppe kommt laut der Studie aus den EU-Ländern ohne Südeuropa. Diese Menschen kämen als Hochqualifizierte zur Weiterbildung oder bereits mit einem Jobangebot nach Deutschland und seien als EU-Bürger den Einheimischen weitestgehend rechtlich gleichgestellt, betonten die Wissenschaftler. Auch aus den neuen EU-Ländern Bulgarien und Rumänien kämen größtenteils gut bis hochqualifizierte Migranten nach Deutschland, die sich gut auf dem Arbeitsmarkt integrierten.

Zwar hätten sich die Rahmenbedingen für Zuwanderung und Integration in Deutschland deutlich verbessert, hieß es in der Untersuchung. Es fehle aber noch immer an einer stimmigen Politik, "welche die Vorteile der Zuwanderung in den Vordergrund stellt, ohne die Herausforderungen zu missachten". So benötigten Migranten mit niedriger Qualifikation besondere Aufmerksamkeit, damit sie und vor allem ihre hier geborenen Kinder faire Chancen auf gesellschaftliche Teilhabe erhielten.

Im der Bildung müssten sich Lehrkräfte noch stärker auf eine vielfältige Schülerschaft einstellen. Auch müsse die Öffnung des Arbeitsmarktes für Menschen mit ausländischen Abschlüssen vorangetrieben werden, fordern die Wissenschaftler.

Nach neuen Zahlen des Statistischen Bundesamtes sind im erwerbsfähigen Alter von 15 bis 64 Jahren zwei Drittel der Migranten und drei Viertel der Menschen ohne Migrationshintergrund erwerbstätig. Hinsichtlich der Schulabschlüsse unterscheiden sich die Migranten den Statistikern zufolge deutlich von den Menschen ohne Migrationshintergrund: 15,5 Prozent der Bevölkerung mit Zuwanderungsgeschichte haben keinen Schulabschluss, bei der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund beträgt der Anteil 2,3 Prozent.

Quelle: n-tv.de

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