Politik
Die Zeitungen des heutigen Tages in Rom.
Die Zeitungen des heutigen Tages in Rom.(Foto: dpa)

Steinbrücks Kritik am "Clown" Berlusconi: Für Italiens Medien ist "das Maß voll"

Kein Fettnapf scheint sicher vor Peer Steinbrück. Der italienische Präsident Napolitano sagt ein Treffen mit dem SPD-Kanzlerkandidaten ab, nachdem dieser die italienischen Wahlsieger Berlusconi und Grillo als "Clowns" bezeichnet hat. Italienische Medien sprechen von einem diplomatischen "Mini-Eklat" und einem "Kampf" Italiens um mehr Respekt.

Verfolgt man die Berichterstattung in den italienischen Medien, könnte man den Eindruck gewinnen, Peer Steinbrück habe die Souveränität Italiens infrage gestellt. Die großen Tageszeitungen des Landes machen aus der flapsigen Wahlsiegeranalyse des SPD-Kanzlerkandidaten eine Grundsatzdiskussion.

"Wir respektieren Deutschland, aber wir fordern auch Respekt für unser Land": So zitiert die führende italienische Tageszeitung La Repubblica den italienischen Staatspräsidenten - und gibt ihm gleichzeitig recht. Das linksliberale Blatt, das seit seiner Befreiung aus dem Medienimperium Berlusconis eigentlich als Speerspitze gegen den Ex-Ministerpräsidenten gilt, bezeichnet Napolitanos Reaktion auf Steinbrücks Fauxpas als "diplomatische Notwendigkeit", um den Eindruck abzuwenden, dass "Italien im Clownskostüm" dastehe. La Repubblica attackiert auch SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles, die Steinbrück mit den Worten verteidigt hatte: "Clown ist das mildeste, was mir zu Berlusconi einfällt." Im Vergleich zu dieser Aussage sei Steinbrücks Scherz schon wieder eine Lappalie, schreibt La Repubblica.

Der Mailänder Corriere della Sera kommentiert Steinbrücks Worte bissig. Der "mögliche Nachfolger Angela Merkels" sei der "deutsche König der Ausrutscher", kontert die ohnehin dem rechten Lager näherstehende Zeitung auf ihrer Titelseite. Auch in Italien bestehe die Sorge vor dem Populismus, gesteht der Corriere ein. Napolitano habe in München entsprechende Kritik an seiner Heimat geäußert. Demgegenüber sei Steinbrücks Aussage jedoch unangemessen. "Zwischen Sorge und Flegelhaftigkeit gibt es doch einen Unterschied, den zu beseitigen niemandem erlaubt ist", weist das Blatt Steinbrück zurecht. Napolitanos Absage an den Kanzlerkandidaten sei deshalb "bestens".

Auch die liberale La Stampa begrüßt Napolitanos Haltung "im Namen der europäischen politischen Korrektheit" und übt harsche Kritik an Steinbrück. "Das Maß ist voll und das Staatsoberhaupt in dieser Situation gezwungen, einen kühnen Slalom zwischen den Anliegen der deutschen Klasse nach der italienischen Pattsituation und der Erhaltung der Souveränität Italiens zu gehen, für die der Präsident der Garant sein muss."

Auf der Internetpräsenz der römischen Tageszeitung Il Messaggero sammeln sich zur Berichterstattung über Steinbrück auch viele kritische Leserstimmen. "Wenn Berlusconi ein Clown ist, was ist dann Martin Schulz?", will etwa ein Kommentator mit Verweis auf den deutschen Präsidenten des Europaparlaments und Parteikollegen Steinbrücks wissen. Schulz' Schlagabtausch mit Berlusconi vor zehn Jahren im Europaparlament ist auch in Italien noch unvergessen. Ein anderer Leser des Messaggero vergleicht Steinbrücks Attacke auf Berlusconi und Grillo mit der Varusschlacht. Deutsche Politiker sollten sich aus historischen Gründen besser in Zurückhaltung üben, meint dieser Leser.

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen