Politik
Die Veranstaltung, auf der Steinbrück sich über Berlusconi äußerte, stand unter der Überschrift "Klartext".
Die Veranstaltung, auf der Steinbrück sich über Berlusconi äußerte, stand unter der Überschrift "Klartext".(Foto: dapd)

Berlusconi ist ein Clown: Von einem, der die Wahrheit sagte

Ein Kommentar von Hubertus Volmer

SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück nennt den italienischen Polit-Scharlatan Berlusconi einen "Clown mit einem besonderen Testosteronschub". Ein weiterer Fettnapf von "Pöbel-Peer"? Sicher nicht. Im Unrecht sind jene, die sich nun künstlich aufregen.

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Berlusconi ein "Clown": Ist Steinbrück zu weit gegangen?

Berlusconi als "Clown": Ist Steinbrück zu weit gegangen?

Man kann viel Schlechtes über den italienischen Ex-Premier Silvio Berlusconi sagen. Dass er es als Geschäftsmann nicht so mit Recht und Gesetz hatte. Dass er als Politiker in erster Linie auf seinen eigenen Vorteil bedacht war. Dass er als Freund junger Frauen mit fortschreitendem Alter immer peinlicher wurde. Und dass er zwischen seinen Rollen als Medienmogul, Ministerpräsident und Mann nicht zu trennen wusste. Wer noch seine Sinne beisammen hat, den schaudert es angesichts des Wahlerfolgs des "Cavaliere".

Diese Ansicht ist in der deutschen und europäischen Politik mehr oder weniger Konsens. Nun kommt der Kanzlerkandidat der SPD und sagt folgende Sätze: "Bis zu einem gewissen Grad bin ich entsetzt, dass zwei Clowns gewonnen haben. Ein beruflich tätiger Clown, der auch nicht beleidigt ist, wenn man ihn so nennt, Herr Grillo. Und ein anderer, der definitiv ein Clown mit einem besonderen Testosteronschub ist." Beppe Grillo ist der Gründer der populistischen "5 Sterne"-Bewegung. Mit dem anderen Clown meint Peer Steinbrück natürlich Berlusconi.

Steinbrücks Sätze haben einen mittleren Eklat ausgelöst. Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano, der zufällig in Deutschland weilt, will sich nicht mehr mit Steinbrück treffen - anstatt, was ja auch möglich gewesen wäre, das geplante Gespräch ohne Fototermin stattfinden zu lassen. Noch unangemessener reagiert die Koalition. Der CDU-Außenpolitiker Andreas Schockenhoff fordert, Steinbrück müsse sich nun "in aller Öffentlichkeit" bei den Italienern entschuldigen, FDP-Vizefraktionschef Volker Wissing wirft Steinbrück vor, zu "einem deutschen Peerlusconi" zu werden.

Steinbrück ist gewiss schon in viele Fettnäpfe getreten. Doch ihr Anti-Steinbrück-Reflex hat die schwarz-gelben Wahlkämpfer in die Irre geführt: Steinbrück hat nicht nur recht, er hatte auch das Recht, diese Sätze so zu sagen. Für schwiemelige Formulierungen wie die von FDP-Generalsekretär Patrick Döring - "über Berlusconi hat jeder von uns seine eigene Meinung" - mag es in der hohen Schule der Diplomatie ein "sehr gut" geben. Doch normale Menschen sprechen nicht so. Normale Menschen sind es leid, wenn Politiker so sprechen. Weil sie genau wissen, dass Sätze wie die von Döring nur dazu da sind, sich hinter ihnen zu verstecken.

Normale Menschen genießen es, wenn sie gelegentlich hören, wie die großen Staatenlenker wirklich mit- und übereinander sprechen. In einem solchen Moment nannte Berlusconi Italien übrigens einmal ein "Scheißland". Knapp 30 Prozent der Italiener scheinen ihm das nicht übel genommen zu haben.

Die SPD sucht derzeit verzweifelt nach einem Feld, auf dem sie Merkels Union erfolgreich angreifen kann. Vielleicht - es ist nicht ausgeschlossen - ist Klartext die Methode, mit der Steinbrück das Kunststück doch noch gelingt.

Quelle: n-tv.de

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