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Belgacom hatte den Angriff bemerkt.
Belgacom hatte den Angriff bemerkt.(Foto: dpa)

IT-System virenverseucht: GCHQ spähte Belgacom aus

Die gezielte Attacke gegen den belgischen Telekom-Konzern Belgacom unternahm nicht die NSA. Aus Unterlagen Snowdens geht nun jedoch hervor, dass der britische Geheimdienst GCHQ das Unternehmensnetzwerk mit Schadsoftware infizierte.

Ein zu Wochenbeginn bekannt gewordener Hackerangriff auf die halbstaatliche belgische Telekommunikationsfirma Belgacom geht offenbar auf den britischen Geheimdienst GCHQ zurück. Das berichtet der "Spiegel" unter Berufung auf Unterlagen des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden. Das als "streng geheim" eingestufte Projekt mit dem Titel "Operation Socialist" diente demnach dazu, eine "bessere Ausspähung von Belgacom" zu ermöglichen und die Infrastruktur des Anbieters besser zu verstehen.

Insbesondere die Tochter Bics, ein Joint-Venture mit der Swisscom und der südafrikanischen MTN, stehe demnach im Focus der Briten. Diese hätten den Unterlagen zufolge eine Spähtechnik der NSA eingesetzt. Der GCHQ habe auf Anfrage nicht zu den Angaben Stellung genommen. Der britische Geheimdienst habe die Zielpersonen offenbar ohne ihr Wissen auf Webseiten umgeleitet, die deren Rechner mit Schadsoftware infiziert hätten. Von diesen Mitarbeitern ausgehend habe sich der GCHQ weiter in das Unternehmensnetzwerk von Belgacom vorgearbeitet. Einer undatierten Präsentation zufolge sei das Ziel der Briten gewesen, die Belgacom-Infrastruktur zum Ausspähen von Smartphone-Nutzern einzusetzen.

Die belgische Regierung hatte Mitte September erklärt, man ermittle wegen eines mutmaßlichen Cyber-Angriffs durch einen ausländischen Geheimdienst. Welcher Staat hinter der Attacke vermutet wurde, sagte die Regierung nicht. Der Angriff auf Belgacom war zu Wochenbeginn bekannt geworden und von belgischen Medien dem US-Geheimdienst NSA zugeschrieben worden. Die belgische Regierung kritisierte den Cyber-Angriff auf das halbstaatliche Unternehmen scharf. Dem "Spiegel" zufolge wurde von dem britischen Geheimdienst GCHQ spätestens seit 2010 auf das Belgacom-System zugegriffen.

Belgacom-Kunden sind demnach auch die EU-Kommission, der Rat der Mitgliedstaaten und das Europaparlament. Auch wenn der Angriff offenbar von dem EU-Mitglied Großbritannien aus gesteuert wurde, setzte der britische Geheimdienst dafür dem "Spiegel" zufolge Spähtechnik ein, die von der NSA entwickelt wurde.

Die belgische Zeitung "Le Soir" zitierte auf ihrer Internetseite eine nicht näher bezeichnete Quelle, die hinter dem Hackerangriff das von den US-Geheimdiensten NSA und CIA gemeinsam betriebene SCS-Überwachungsprogramm (Special Collection Service) vermutete.

Quelle: n-tv.de

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