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Besuch in Zaatari: Sigmar Gabriel sieht das Fluchtelend tausender Syrer mit eigenen Augen.
Besuch in Zaatari: Sigmar Gabriel sieht das Fluchtelend tausender Syrer mit eigenen Augen.(Foto: dpa)

Minister weint in Zaatari: Gabriel warnt vor syrischem Exodus

Sigmar Gabriel besucht nahe der syrischen Grenze eines der größten Flüchtlingslager der Welt. Das Schicksal der Menschen berührt ihn, er fordert mehr ausländische Hilfe. Der Wirtschaftsminister begründet das auch mit Eigeninteresse.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat deutlich mehr finanzielle Hilfen für Flüchtlinge gefordert, die sich in Lagern in Jordanien, im Libanon und in der Türkei befinden. "Deutschland tut schon eine Menge. Wir wollen mehr tun, aber andere müssen mitmachen", sagte Gabriel bei einem Besuch im jordanischen Flüchtlingslager Zaatari. Dort leben mehr als 80.000 Flüchtlinge aus Syrien, viele seit mehr als einem Jahr.

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Gabriel äußerte sich betroffen über die Lage der Flüchtlinge in dem von ihm besuchten Lager. "Das ist schon eine dramatische Lage." In der Containersiedlung traf der SPD-Minister auch eine sechsköpfige Familie aus der südsyrischen Stadt Daraa. Der Vater hatte bei einem Raketeneinschlag einen Unterschenkel verloren, einer seiner Söhne beide Beine, ein Auge und vier Finger.

Nach dem Treffen sagte Gabriel mit Tränen in den Augen und stockender Stimme: "Manche Familien muss man eigentlich hier herausholen. Es gibt keine Chance für die, hier am Leben zu bleiben." Gemeinsam mit der UN-Flüchtlingshilfe will Gabriel nun klären, ob man die Familie nach Deutschland holen könne. Versprechen könne er nichts: "Let's try. Wir werden versuchen, Hilfe zu organisieren."

Golfstaaten und USA sollen mithelfen

Mit Blick auf die mehr als vier Millionen Flüchtlinge in den unmittelbaren Nachbarstaaten Syriens sagte Gabriel, Europa habe bereits signalisiert, dass es zusätzlich 1,5 Milliarden Euro geben wolle. Nun müsse man mit den Golf-Staaten und den USA mit dem Ziel sprechen, den gleichen Betrag aufzubringen. "Die USA sind nicht unmaßgeblich Mitverursacher der Flüchtlingskrisen hier, beispielsweise im Irak."

Gabriel sprach von der "riesengroßen" Gefahr, nicht zuletzt wegen der nachlassenden Hilfen, dass die Menschen die Lager verlassen. Ein solcher "Exodus" im Nahen Osten beginne bereits. "Deshalb ist es auch in unserem Interesse, zu helfen."

Die Lage im Königreich Jordanien, das nach UN-Angaben über 630.000 Syrier aufgenommen hat, sei dramatisch, stellte der deutsche Minister fest. "Die Nahrungshilfe für über 200.000 Menschen musste eingestellt werden." Krankenhäuser würden geschlossen. "Ich glaube, dass wir insgesamt sofort die Hilfen für die Vereinten Nationen drastisch erhöhen müssen", erklärte sagte Gabriel.Auch das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) forderte die EU zu einer Ausweitung der Hilfen auf.

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(Foto: n-tv.de / stepmap.de)

Quelle: n-tv.de

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