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Polizei: Hinweise auf Brandstiftung: Gaffer bejubeln brennendes Flüchtlingsheim

In Bautzen bricht in einer leerstehenden Unterkunft für Flüchtlinge Feuer aus. Johlend versuchen Schaulustige, die Feuerwehrleute von der Arbeit abzuhalten. Und nicht nur das: Die Polizei geht davon aus, dass jemand das Haus in Brand gesteckt hat.

Nach dem Feuer in einer geplanten Flüchtlingsunterkunft in Bautzen gehen die Ermittler mittlerweile von vorsätzlicher Brandstiftung aus. Das teilte die Polizei Görlitz mit. Es seien Spuren von einem Brandbeschleuniger in dem Gebäude entdeckt worden. Weitere Angaben wollten die Ermittler zunächst nicht machen. Einen Tatverdacht gibt es bislang nicht. Derzeit werde in "jede Richtung" ermittelt, betonte der Leipziger Polizeipräsident Bernd Merbitz, der vor Ort in Bautzen war.

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Der Großbrand hatte zuvor für Aufsehen gesorgt, weil Schaulustige den Großbrand mit Spott und Beifallsrufen begleiteteten. Nach Angaben der Polizei gingen einige Personen sogar dazu über, die Löscharbeiten der Feuerwehr zu stören.

Während des Feuers inmitten eines Wohngebiets versammelten sich in der Nacht auf Sonntag schätzungsweise 20 bis 30 Menschen. Teilweise seien die Gaffer angetrunken gewesen und hätten "unverhohlene Freude" über das Feuer gezeigt, berichtete ein Polizeisprecher.

Platzverweise und zwei Festnahmen

Einige Zuschauer hätten den Brand mit "abfälligen Bemerkungen" kommentiert, teilte die Polizei mit. Beamte nahmen die Personalien mehrerer Schaulustiger auf. Drei junge Männer aus Bautzen erhielten Platzverweise, weil sie die Arbeiten der Feuerwehr "massiv" behindert hätten.

Dabei soll es sich um einen 19-Jährigen und zwei 20-Jährige gehandelt haben. Die beiden alkoholisierten 20-Jährigen seien schließlich in Gewahrsam genommen worden, nachdem sie sich den Anordnungen der Polizeibeamten widersetzt hatten.

Als Tatmotiv könne auch ein Fremdenhass nicht ausgeschlossen werden, hieß es. Der Dachstuhl des Gebäudes brannte komplett aus. Verletzt wurde bei dem Brand nach erstem Erkenntnisstand niemand. Das Gebäude befand sich im Umbau und stand leer.

"Das sind Verbrecher"

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich und Innenminister Markus Ulbig (beide CDU) verurteilten das Verhalten der Schaulustigen scharf. Tillich betonte auch mit Blick auf die offenkundig fremdenfeindlichen Ereignisse von Clausnitz, wo ein aufgebrachter Mob längere Zeit einen Bus mit ankommenden Flüchtlingen blockierte, die Vorfälle seien erschreckend und schockierend zugleich. "Das sind keine Menschen, die sowas tun. Das sind Verbrecher", sagte er.

Solche Taten besudelten "das, was die Menschen an Mut in der friedlichen Revolution aufgebracht haben und den Fleiß beim Wiederaufbau Sachsens". Der sächsische Innenminister Markus Ulbig erklärte: "Was mich besonders betroffen macht, ist die Tatsache, dass mehrere betrunkene Bautzener vor Ort pöbelten." Es sei "unerträglich, wie offen und respektlos der Hass auf Ausländer zur Schau getragen wird", fügte er hinzu.

Quelle: n-tv.de

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