Politik
Die Erklärung Gaucks dauerte nur wenige Minuten.
Die Erklärung Gaucks dauerte nur wenige Minuten.(Foto: AP)
Montag, 06. Juni 2016

"Dankbar, dass es mir gut geht": Gauck erklärt Verzicht auf zweite Amtszeit

Er könne nicht garantieren, dass er in einer zweiten Amtszeit noch dieselbe Energie und Vitalität hätte wie jetzt - deshalb tritt Bundespräsident Gauck nicht zu einer zweiten Amtszeit an. Für Deutschland sei der anstehende Wechsel "kein Grund zur Sorge".

Um Punkt 12 Uhr öffnet sich die berühmte Tür zum Großen Saal im Schloss Bellevue. Bundespräsident Joachim Gauck betritt den Raum und geht zum Podium. Am Vormittag hatte das Präsidialamt eine Erklärung des Staatsoberhaupts angekündigt. Es ist klar, dass Gauck jetzt sagen wird, dass er für eine zweite Amtszeit nicht zur Verfügung steht.

Gauck tritt ans Pult und legt gleich los. Er freue sich auf die kommenden Monate, sagt er, denn seine Amtszeit endet ja erst am 17. März 2017. Gauck will offensichtlich keinen Zweifel aufkommen lassen, dass er noch immer in der Lage ist, das Amt auszufüllen. Dann kommt er zur Sache: Er habe sich entschlossen, nicht für eine zweite Amtszeit zu kandidieren.

Hier Gaucks Erklärung im Wortlaut.

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Diese Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen, so Gauck, denn er empfinde es als große Ehre, diesem Land zu dienen. Er betont, wie dankbar er für die Begegnungen sei, die ihm seine Aufgabe ermöglicht habe. "Unser Land hat engagierte Bürger und es hat funktionierende Institutionen", sagt der Bundespräsident. Dann geht er darauf ein, dass viele Beobachter die Sorge geäußert hatten, die Suche nach einem Nachfolger könne angesichts der aktuellen politischen Situation zu verstärkter Unruhe führen.

"Der Wechsel im Amt des Bundespräsidenten ist in diesem Deutschland daher kein Grund zur Sorge. Er ist vielmehr demokratische Normalität - auch in fordernden, auch in schwierigen Zeiten", sagt Gauck. Und er liefert den Grund für seine Entscheidung. Amtsmüde ist er nicht: "Ich bin dankbar, dass es mir gut geht." Aber er sei sich bewusst, dass die Lebensspanne zwischen 77 und 82 Jahren eine andere sei als die, in der er sich jetzt befinde – Gauck ist 76 Jahre alt, am Ende einer zweite Amtszeit wäre er 82. "Ich möchte für eine erneute Zeitspanne von fünf Jahren nicht die Energie und Vitalität voraussetzen, für die ich nicht garantieren kann."

Gauck ist umsichtig genug, diese Entscheidung zu einer "individuellen Frage" zu erklären – denn natürlich bedeutet dieser Amtsverzicht auch, dass es zumindest problematisch wäre, einen ähnlich alten Menschen zum Nachfolger zu wählen. Diese Hürde will er mit seiner Bemerkung vermutlich senken.

Schließlich dankt Gauck allen "von Herzen", die sich für eine zweite Amtszeit ausgesprochen haben und wiederholt, dass er seine Aufgaben bis zum Ende "mit allem Ernst, mit Hingabe und mit Freude" erfüllen werde. "Und ich verspreche, dass ich weiter dazu beitragen werde, dass wir in unserem Land die aktuellen Herausforderungen mit Zuversicht und mit Vertrauen annehmen." Er fügt hinzu: "Wir haben gute Gründe, uns Zukunft zuzutrauen."

Keine vier Minuten sind vergangen. Gauck dreht sich um und geht. Der frühere Pastor in der DDR und ehemalige Chef der Stasi-Unterlagenbehörde war 2012 als Nachfolger des zurückgetretenen Christian Wulff ins höchste Staatsamt gewählt worden. Bereits 2010 war er als Kandidat von Rot-Grün angetreten, damals aber gegen Wulff unterlegen.

Quelle: n-tv.de

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