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Die Hilfslehrer könnten geflüchteten Mädchen und Jungen noch mehr Orientierung geben, heißt es in der Untersuchung.
Die Hilfslehrer könnten geflüchteten Mädchen und Jungen noch mehr Orientierung geben, heißt es in der Untersuchung.(Foto: picture alliance / Frank Leonhar)
Mittwoch, 26. Juli 2017

Studie sieht großes Potenzial: Geflüchtete Pädagogen könnten viel helfen

Hunderttausende Flüchtlingskinder gehen auf deutsche Schulen - eine Herkulesaufgabe für das Bildungssystem. Erwachsene Geflüchtete mit pädagogischen Kenntnissen könnten helfen, dass sich Schüler besser integrieren, sagt eine Studie.

Beim Schulunterricht für Flüchtlingskinder würden Hilfslehrer mit eigener Fluchtgeschichte die Bildungsintegration in Deutschland nach einer neuen Studie erheblich verbessern. Länder und Kommunen könnten ein entsprechendes Programm für pädagogische "Assistenzkräfte" in dreistelliger Millionenhöhe "nicht allein stemmen", betont die Bertelsmann-Stiftung. "Der Bund muss hier tätig werden, nicht nur mit einem einmaligen Programm, sondern mit einer durchgehenden Finanzierung.

Wie die Gütersloher Stiftung unter Berufung auf eine Untersuchung des Beratungsunternehmens Prognos schreibt, wäre ein Verhältnis 1 zu 80 zwischen Assistenzkräften und geflüchteten Schülern sinnvoll. Damit ergäbe sich ein aktueller Stellenbedarf von bundesweit knapp 3500 Vollzeitstellen: 1378 in der Primarstufe, 1255 in der Sekundarstufe I und 835 in der Sekundarstufe II.

Der Studie zufolge würden die einmaligen Kosten der Qualifizierung solcher Hilfslehrer bundesweit etwa 31 Millionen Euro betragen. Die jährlichen Investitionen lägen zwischen 145 Millionen Euro bei freien Trägern und 165 Millionen Euro bei kommunalen Trägern im öffentlichen Dienst. Dieses Geld würde sich aber gleich doppelt lohnen - "für die geflüchteten Schüler im Sinne besserer Bildungsintegration und für die geflüchteten Pädagogen im Sinne erfolgreicher Arbeitsmarktintegration", versichert die Bertelsmann-Stiftung. All dies nutze "dem Staat mittel- und langfristig".

Ressourcen werden bisher nicht genutzt

Nach den Zahlen der Studie wurden 2015/16 für knapp 400.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland Asylanträge gestellt. "Die Länder haben in einem beeindruckenden Kraftakt bisher schätzungsweise 15.000 Stellen für einheimische Lehrkräfte, insbesondere für die Sprachförderung, eingerichtet", lobt die Stiftung.

Die Ressourcen geflüchteter Pädagogen seien aber bisher ungenutzt geblieben - dabei könnten sie "dem sich abzeichnenden Lehrermangel entgegenwirken". Solche Assistenzkräfte "verfügen über zusätzliche Kompetenzen, die für die Integrationsarbeit wichtig sind. Sie sprechen die Herkunftssprachen der geflüchteten Schüler und Eltern und können aufgrund ihrer eigenen Migrations- und Integrationserfahrungen Orientierung geben."

Die Bertelsmann-Stiftung verweist auf erste Initiativen von Universitäten wie das "Refugee Teachers Program" in Potsdam oder die Initiative "Lehrkräfte Plus" an der Universität Bielefeld. Allerdings seien "die sprachlichen und fachlichen Voraussetzungen für ausländische Lehrkräfte im Blick auf eine "vollwertig" anerkannte Lehrtätigkeit in deutschen Schulen hoch", heißt es. Immerhin könnten Geflüchtete - insbesondere mit pädagogischen Vorkenntnissen - "eine wichtige Rolle als Assistenzkräfte spielen".

Quelle: n-tv.de

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