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Vermummt und Kaugummi kauend zerrt der Geheimdienstler an den Nerven des Vorsitzenden Richters.
Vermummt und Kaugummi kauend zerrt der Geheimdienstler an den Nerven des Vorsitzenden Richters.(Foto: dpa)

Brisantes im NSU-Prozess: "Geheimdienst wusste von Waffenkauf"

Wegen eines erneuten Befangenheitsantrags beginnt der NSU-Prozess mit stundenlanger Verspätung. Dann ruft der Richter einen Geheimdienstler als Zeugen auf, der sich zuerst danebenbenimmt, schließlich aber doch wichtige Details zu berichten hat.

Der Verfassungsschutz in Brandenburg wusste nach Aussage eines Beamten schon im Jahr 1998 davon, dass die Neonazi-Szene Waffen für das untergetauchte Trio Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt beschaffen wollte. Der Beamte sagte dies als Zeuge im Münchner NSU-Prozess aus - er war V-Mann-Führer des Informanten "Piatto", der Ende der 90er Jahre die Neonazi-Szene in Chemnitz ausspähte.

Die Vernehmung des Beamten begann holprig. Zunächst verlangte er, seine Aussage von einem Blatt abzulesen. Das lehnte der Vorsitzende Richter Manfred Götzl aber ab - und forderte den vermummten Geheimdienstler auf, seinen Kaugummi aus dem Mund zu nehmen. V-Mann "Piatto" gehörte 1998 zum Führungszirkel der Chemnitzer Neonazi-Gruppe "Blood & Honour". Mitglieder dieser Gruppe versteckten zu dieser Zeit die aus Jena abgetauchten späteren mutmaßlichen NSU-Terroristen.

Der Zeuge sagte, "Piatto" habe ihm erzählt, die Unterstützer wollten Waffen für die drei besorgen und aus Konzerterlösen bezahlen. "Piatto" habe ihm als Quelle für seine Information zwei Anführer der "Blood & Honour"-Gruppe genannt. Rätselhaft blieb, wie der Geheimdienstzeuge sich auf seine Aussage vorbereitet hatte. Er räumte ein, gelegentlich geheime Unterlagen in seinem Behörden-Postfach vorgefunden zu haben. Nebelhaft blieb auch seine Aussage, sein Anwalt habe ihm einen seitenlangen Fragenkatalog gegeben. Nach Ansicht von Verteidigern und Nebenklägern könnten damit Antworten auf eventuelle Fragen des Gerichts im vorhinein einstudiert worden sein.

Die Vernehmung des Zeugen war möglich geworden, nachdem am Vormittag ein weiterer Befangenheitsantrag des mutmaßlichen Terrorhelfers Ralf Wohlleben gegen die Richter im NSU-Prozess abgelehnt worden war.

Hauptangeklagte in dem Verfahren ist Beate Zschäpe. Sie muss sich vor allem für die Serie von neun rassistisch motivierten Morden an Gewerbetreibenden türkischer und griechischer Herkunft verantworten, die Mundlos und Böhnhardt in den Jahren 2000 bis 2006 verübt haben sollen.

Wohlleben hat nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft die Waffe besorgt, die Zschäpes mutmaßliche Komplizen für die Morde verwendet haben sollen. Beide sind tot. Sie sollen sich nach einem gescheiterten Überfall im November 2011 das Leben genommen haben.

Quelle: n-tv.de

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