Politik
Video

50-jähriger Extremist aus dem Iran: Geiselnehmer von Sydney der Polizei bekannt

Der Geiselnehmer von Sydney heißt Man Haron Monis und ist ein polizeibekannter Extremist aus dem Iran. Der Mann hält in einem Café noch immer mehrere Menschen gefangen - mittlerweile schon rund 14 Stunden lang. Die Polizei verhandelt noch immer mit ihm.

Bei dem Geiselnehmer von Sydney handelt es sich nach Angaben der australischen Polizei um einen selbst ernannten Prediger aus dem Iran. Der 50-Jährige heißt Man Haron Monis und genießt in Australien Asyl. Er stehe wegen sexueller Übergriffe und im Zusammenhang mit dem Tod seiner Frau unter Anklage und sei zurzeit gegen Kaution auf freiem Fuß sei. Der Mann betrieb in Sydney als Heiler eine Art Praxis und empfing dort Kunden. Dort sollen die sexuellen Übergriffe stattgefunden haben.

 

Man Haron Monis ist in der Vergangenheit häufiger öffentlich aufgetreten.
Man Haron Monis ist in der Vergangenheit häufiger öffentlich aufgetreten.(Foto: dpa)

"Eins ist damit klar: Dies ist ein Einzeltäter", sagte Anwalt Manny Conditsis, der den Mann im vergangenen Jahr verteidigte. "Er hat wahrscheinlich das Gefühl, dass er nichts zu verlieren hat", sagte der Anwalt im Fernsehen. Der Mann war im vergangenen Jahr zu gemeinnütziger Arbeit verurteilt worden, nachdem er Hassbriefe an die Angehörigen gefallener australischer Soldaten geschrieben hatte, wie die Zeitung "The Age" berichtete. Er protestierte häufiger öffentlich gegen seine Behandlung in Australien oder gegen die amerikanische Politik. Dabei war er mehrfach von Fernsehsendern gefilmt worden.

 

Die Geiselnahme dauert nun schon rund 14 Stunden an. Fernsehsender zeigten Aufnahmen mit Teleobjektiv von einer Angestellten, die im Café das Licht ausknipste. Wie viele Menschen sich kurz vor Mitternacht Ortszeit noch in der Gewalt des möglicherweise islamistischen Geiselnehmers befinden, ist unklar. Offenbar stellt sich die Polizei auf lange Verhandlungen ein, die auch in der Nacht weitergehen.

Sydney ist der mitteleuropäischen Zeit zehn Stunden voraus. Die Polizei verhandelt nach eigenen Angaben mit dem Mann, der am Morgen um kurz vor zehn Uhr Ortszeit in das Lindt Chocolat Café mitten im Geschäftsviertel von Sydney gestürmt war. Nach Angaben von Polizeichef Andrew Scipione wurde bisher niemand verletzt.

Video

Der Mann hatte Geiseln tagsüber gezwungen, eine schwarze Flagge mit dem muslimischen Glaubensbekenntnis hinter die Fensterscheibe des Cafés zu halten. Er soll unter anderem ein Gespräch mit Premierminister Tony Abbott sowie eine Flagge der Terrormiliz IS gefordert haben. Dem Fernsehsender "Ten" sagte er zudem, dass er vier Bomben deponiert habe - zwei im Café, zwei an anderer Stelle im Geschäftsviertel von Sydney. Die Polizei wollte diese Berichte nicht bestätigen und sprach von Spekulationen. Solange die Verhandlungen andauerten, wolle sie sich nicht zu Details äußern.

Das Gelände um das Café ist abgesperrt. Mehrere Hundert Polizisten sind im Einsatz. Am Hinterausgang des Cafés sind Dutzende Beamte mit kugelsicheren Westen und Schusswaffen im Anschlag positioniert. Mehrere Medien berichteten, sie hätten Anrufe von Geiseln erhalten. Die Polizei appellierte an alle, Kontakte mit dem Geiselnehmer den Polizeipsychologen zu überlassen.

Vermutlich Einzeltäter

Bei dem Drahtzieher der Geiselnahme handelt es sich um einen einzelnen Bewaffneten. Die Polizei hat inzwischen Kontakt zu ihm und kennt offenbar auch seine Identität. Details dazu wollte eine Sprecherin der Polizei nicht nennen.

Scipione, betonte, dass es oberste Priorität der Polizei sei, die Geiseln sicher zu befreien. Er hoffe sehr, dass die Geiselnahme friedfertig ausgehe. Bislang sei offenbar keiner der Gefangenen verletzt.

Die Geiseln werden gezwungen, eine Flagge mit arabischen Schriftzeichen hochzuhalten.
Die Geiseln werden gezwungen, eine Flagge mit arabischen Schriftzeichen hochzuhalten.(Foto: Twitter/JennyPerezTV)

Islamexperte Michael Lüders sieht in der Geiselnahme nicht "die Handschrift einer professionellen Terrororganisation". Dazu sei das Verhalten des Täters zu ungewöhnlich, sagte Lüders bei n-tv. Er vermutet, dass die Geiselnahme nun "Wasser auf die Mühlen" von Premierminister Abbott sei, der bereits bekannt sei für seine harte Linie gegen den Terror. "Man darf davon ausgehen, dass die ohnehin schon scharfen Terrorgesetze weiter verschärft werden", so Lüders.

Zugleich glaubt Lüders, dass ein derartiger Anschlag auch in Australien geschehen kann. "Das was jetzt in Sydney geschieht, kann jederzeit auch in Deutschland geschehen", sagt Lüders bei n-tv.

Fünf Geiseln konnten inzwischen aus dem abgeriegelten Café in Sydney freikommen. Live-Aufnahmen des australischen Fernsehsenders "Channel 7" zeigten, wie drei Männer aus dem Lokal rannten. Wenig später gelang es noch einmal zwei Frauen, aus dem Café zu flüchten. Angeblich sollen weitere Menschen das Café verlassen haben, bestätigt ist das aber nicht.

Der Großmufti Australiens verurteilte die Geiselnahme in einer Stellungnahme als kriminellen Akt. "Solche Aktionen werden im Islam verurteilt", teilte Ibrahim Abu Mohamed mit. Der Vorsitzende der libanesischen Muslime, Samier Dandan, sagte im Rundfunk: "Wenn die muslimische Gemeinde irgendetwas tun kann - wir sind bereit." Gemeinsam beteten ein Imam, ein Rabbi und ein Priester in der Lakamba-Moschee in Australien für die Geiseln.

"Terroranschlag wahrscheinlich"

Abbott berief indes den Nationalen Sicherheitsrat ein. "Dies ist ein sehr besorgniserregender Zwischenfall. Alle Australier können versichert sein, dass Polizei und Sicherheitskräfte gut ausgebildet und ausgestattet sind, um darauf zu reagieren", sagte er.

Australien ist seit September unter erhöhtem Terroralarm. Es gilt Alarmstufe drei der vierstufigen Skala, was bedeutet "Terroranschlag wahrscheinlich". Bei einer Großrazzia vereitelte die Polizei im September nach eigenen Angaben einen Anschlag mit geplanten Enthauptungen auf australischem Boden. Die Sicherheitsvorkehrungen an Flughäfen, am Parlament und bei großen Veranstaltungen waren unlängst verschärft worden.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen