Politik

"Welthauptstadt Paris": Gemeinsam gegen den Terror

Frankreich und die Welt vereint gegen den Terrorismus: Der Pariser Solidaritätsmarsch für die Opfer von Anschlägen und Morden setzt ein beeindruckendes Zeichen. Spitzenpolitiker aus aller Welt laufen vorneweg - und zeigen mit ihrem Schulterschluss, dass sie beisammen stehen.

Bei einer der größten Kundgebungen der Nachkriegszeit haben weit über eine Million Menschen in Paris zusammen mit Staats- und Regierungschefs dem Terrorismus ihre Solidarität entgegengesetzt. "Heute ist Paris die Hauptstadt der Welt", sagte ein tief bewegter François Hollande, bevor er sich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas einreihte. Hollande und Merkel hakten sich kurz ein.

Viele internationale Medien waren präsent, wie TV-Kameras auf Kränen und Übertragungswagen zeigten. Drei oder, je nach Route, dreieinhalb Kilometer waren es, die an diesem Sonntag unter dem teils bewölkten Pariser Himmel zurückgelegt wurden. Auf den Dächern wachten Scharfschützen über die Sicherheit der prominenten Demonstranten, Polizei und Militär begleiteten die Menge.

Die Spitzenpolitiker aus aller Welt hatten sich unweit der von Menschen übersäten Place de la République versammelt. An der Spitze liefen Angehörige von Terroropfern, wie französische Medien berichteten. "Je suis Charlie, policier, juif" (ich bin Charlie, Polizist, Jude) stand auf dem Schild einer jungen Demonstrantin, die damit gleich an alle Opfer der schlimmen Serie von Attentaten und Geiselnahmen der vergangenen Tage erinnerte.

Eine Welle von islamistischen Terroranschlägen, Morden und Geiselnahmen hatte in der vorigen Woche das Leben von 17 unschuldigen Menschen ausgelöscht. Allein der Überfall auf die Redaktion der Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" forderte am Mittwoch zwölf Todesopfer.

Trauer und Politik

Vor dem Marsch beriet Bundesinnenminister Thomas de Maizière mit EU-Kollegen sowie US-Justizminister Eric Holder über Konsequenzen im Kampf gegen den Terrorismus. Gegen die Welle der Gewalt waren schon am Samstag in ganz Frankreich etwa 700.000 Menschen auf die Straße gegangen.

Frankreichs Staatschef Hollande empfing am Sonntag im Élysée-Palast zunächst die Spitzenvertreter der jüdischen Gemeinde des Landes. Der Präsident der jüdischen Dachorganisation Crif, Roger Cukierman, sagte: "Wir sind in einer Kriegssituation." Einer der Attentäter hatte am Freitag in einem koscheren Geschäft Geiseln genommen und vier Menschen erschossen.

Nach dem dramatischen Ende der Anti-Terror-Einsätze in Frankreich suchten die Ermittler auch am Sonntag noch mögliche Unterstützer der islamistischen Gewalttäter. Nach dem Tod der Attentäter am Freitag galt weiterhin die höchste Alarmstufe. Intensiv gefahndet wurde nach der flüchtigen Lebensgefährtin eines der getöteten Terroristen. Die 26-Jährige soll Frankreich aber schon einige Tage vor dem Anschlag auf das Satireblatt "Charlie Hebdo" verlassen haben.

Die Brüder Chérif Kouachi und Said Kouachi, die in der "Charlie-Hebdo"-Redaktion ein Blutbad mit zwölf Toten angerichtet hatten, riefen dabei "Allah ist groß" und "Wir haben den Propheten gerächt". Sie behaupteten, zur Terror-Organisation Al-Kaida zu gehören. Der jüngere der beiden hatte sich nach Erkenntnissen der Ermittler 2011 im Jemen aufgehalten.

Drohungen gegen Europa

Die Miliz Islamischer Staat (IS) drohte mit einer größeren Terrorkampagne und weiteren Angriffen in Europa und den USA. "Morgen werden es Großbritannien, die USA und andere sein", sagte der IS-Prediger Abu Saad al-Ansari in der nordirakischen Stadt Mossul. Einen Zusammenhang mit IS behauptete Amedy Coulibaly, der dritte der am Freitag getöteten Männer.

De Maizière rief die Bürger zu besonderer Wachsamkeit auf. "Wir haben Radikalisierungsprozesse in Deutschland, bei denen sich Personen äußerlich und innerlich bis hin zu ihren Essgewohnheiten verändern", sagte der Minister der "Bild am Sonntag". "Und da ist Wachsamkeit der Bürger, der Familien, der Nachbarn, der Sportfreunde oder Mitgläubigen in Moscheegemeinden wichtig und richtig." Er gestand "große Sorge vor gut vorbereiteten Tätern wie in Paris, Brüssel, Australien oder Kanada" ein, betonte aber auch, man solle ein Klima des Misstrauens vermeiden.

Quelle: n-tv.de

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