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Protestierende Rothemden verbarrikadieren sich, um die Armee am Vormarsch zu hindern.
Protestierende Rothemden verbarrikadieren sich, um die Armee am Vormarsch zu hindern.(Foto: AP)

Armee rückt gegen Demonstranten vor: Gewalt in Thailand eskaliert

Thailändische Sicherheitskräfte gehen gewaltsam gegen demonstrierende Rothemden vor. Sie setzen Tränengas und Wasserwerfer ein, auch Schüsse sollen gefallen sein. Etliche Menschen werden verletzt. Bei heftigen Zusammenstößen in der Nacht stirbt ein Mensch. Das Auswärtige Amt rät dringend von Reisen nach Bangkok ab.

Bewaffnete Sicherheitskräfte sind in Bangkok in Richtung auf eines der seit Wochen von Regierungsgegnern besetzen Areale vorgerückt. Bei den Auseinandersetzungen in der thailändischen Hauptstadt wurden nach Angaben örtlicher Medien Dutzende Menschen verletzt, darunter ein Reporter des französischen TV-Senders France 24 und ein einheimischer Journalist. Auch Schüsse sollen gefallen sein. Am Donnerstag war ein Demonstrant ums Leben gekommen, ein Anführer der Demonstranten wurde in den Kopf geschossen und lebensgefährlich verletzt. Das Auswärtige Amt (AA) rät von Reisen in Thailands Hauptstadt dringend ab.

Die Soldaten gehen inzwischen mit aller Härte vor.
Die Soldaten gehen inzwischen mit aller Härte vor.(Foto: AP)

Die Armee kündigte an, das größte Protestcamp vorerst nicht zu räumen. Die Sicherheitskräfte erwarteten in der Nacht jedoch weitere Gewalt, sagte Armeesprecher Sunsern Kaewkumnerd. Wie Verteidigungsminister Prawit Wongsuwon sagte, sollten die Rothemden durch den Militäreinsatz zur Rückkehr an den Verhandlungstisch bewegt werden.

Armeefahrzeuge zerstört

Die oppositionellen Rothemden steckten zahlreiche Barrikaden in Brand, um ein Vorrücken der Sicherheitskräfte zu verhindern. Sie zündeten auch einen unbesetzten Polizeibus an und zerstörten Armeefahrzeuge und Wasserwerfer. Die Sicherheitskräfte gingen mit Tränengas und Wasserwerfern gegen die Regierungskritiker vor. Polizei und Armee hatten zuvor das seit Monaten besetzte Geschäftsviertel abgeriegelt und Kontrollposten an den Zufahrtstraßen eingerichtet. Die Behörden schalteten den Strom in der Demonstrationszone ab.

Die Armee hatte nach eigenen Angaben den Befehl, das Gebiet zu räumen. Armeesprecher Sunsern sagte zur Begründung, die Regierungsgegner hätten Sicherheitskräfte mit Waffen bedroht. In dem Gebiet hielten sich demnach rund 2000 Demonstranten auf. Alle Soldaten hätten die Anweisung gehabt, nicht auf Unbewaffnete zu schießen. Für Warnschüsse und zur Selbstverteidigung gegen "bewaffnete Terroristen" dürften die Soldaten auch scharfe Munition einsetzen, sagte der Sprecher.

Ein Demonstrant getötet

Die Armee soll das besetzte Gebiet räumen.
Die Armee soll das besetzte Gebiet räumen.(Foto: dpa)

Am Donnerstagabend war die Gewalt eskaliert. Einem Demonstranten sei bei einer Auseinandersetzung mit Soldaten ins Auge geschossen worden, sagten Augenzeugen. Dieser Verletzung sei er kurz darauf erlegen. Mindestens acht Demonstranten wurden verletzt, darunter auch ein prominenter General, der zu den Rothemden übergelaufen war. Generalmajor Khattiya Sawasdipol, genannt Seh Daeng, wurde mitten im Interview mit ausländischen Journalisten in den Kopf geschossen. Nach Krankenhausangaben war er weiter bewusstlos und hatte nur eine geringe Überlebenschance.

Bei den Gewaltausbrüchen war zuvor bereits ein Anführer der Oppositionellen von einer Kugel in den Kopf getroffen und lebensgefährlich verletzt worden. Rettungskräften zufolge stammten die Schüsse höchstwahrscheinlich aus dem Gewehr eines Scharfschützen. Die Sicherheitskräfte wiesen jegliche Verantwortung zurück. Der Vorfall sei für das Militär "völlig unerwartet" gewesen, sagte ein Armeesprecher.

AA rät von Bangkok-Reisen ab

Die Bundesregierung verfolge die aktuelle Entwicklung mit "großer Sorge", sagte AA-Sprecher Andreas Peschke in Berlin. Im Unterschied zu anderen diplomatischen Vertretungen blieb die deutsche Botschaft jedoch weiter geöffnet. Wegen der ungewissen Lage hatte das Außenministerium bereits im vergangenen Monat eine Reisewarnung für Bangkok erlassen. Davon ausgenommen ist lediglich der Flughafen, der auch von europäischen Touristen und Geschäftsleuten stark benutzt wird. "Die Nutzung des Bangkoker Flughafens insbesondere als Transitflughafen für Flüge innerhalb Thailands oder ins Ausland ist derzeit nicht beeinträchtigt", heißt es in den offiziellen Reisehinweisen.

Die thailändische Regierung hatte tagelang vergeblich auf das Ende der Proteste gewartet, nachdem das Oppositionsbündnis einen Kompromissvorschlag des Regierungschefs zur Lösung der Krise im Prinzip angenommen hatte. Die Demonstranten verlangen den Rücktritt der Regierung, die ihrer Ansicht nach keinen Rückhalt in der Regierung hat. Letztlich verweigerten sie aber den Abzug, und verlangten, dass zuerst der stellvertretende Regierungschef für die Gewalt bei einem Einsatz der Sicherheitskräfte am 10. April angeklagt wird. Dabei waren 25 Menschen ums Leben gekommen. Regierungschef Abhisit Vejjajiva zog daraufhin sein Angebot von vorgezogenen Neuwahlen im November zurück und ordnete den neuen Einsatz gegen die Demonstranten an.

Quelle: n-tv.de

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