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Alexis Tsipras vor jubelnden Anhängern in Athen.
Alexis Tsipras vor jubelnden Anhängern in Athen.(Foto: REUTERS)

Syriza gewinnt Wahl: "Griechenland lässt den Sparkurs hinter sich"

Mit seiner Botschaft von Hoffnung und Selbstbewusstsein gewinnt das Linksbündnis Syriza die Parlamentswahlen in Griechenland. Die Konservativen sind abgewählt, die traditionsreiche Pasok ist nur noch eine Mini-Partei.

Syriza hat die Parlamentswahl in Griechenland mit deutlichem Vorsprung gewonnen. Die absolute Mehrheit der Parlamentssitze verfehlte das Linksbündnis nur knapp. Dies teilte das griechische Innenministerium am frühen Montagmorgen mit.

Die Partei von Alexis Tsipras kommt demnach auf 36,32 Prozent der Stimmen. "Heute haben die Griechen Geschichte geschrieben, die Hoffnung hat Geschichte geschrieben", sagte Tsipras am späten Abend vor Anhängern. "Griechenland lässt die Austerität, die zur Zerstörung geführt hat, hinter sich."

Gleichzeitig aber signalisierte er seine Bereitschaft, über die Lösung des Problems des griechischen Schuldenberges zu verhandeln. "Ab morgen beginnt die harte Arbeit", sagte Tsipras. Seine Regierung sei bereit, mit den Partnern in der EU über eine "gerechte und praktikable Lösung" zu sprechen.

Den Hochrechnungen zufolge kommt Syriza auf 149 der 300 Sitze im Parlament. Das griechische Wahlrecht schlägt dem Wahlsieger 50 Mandate als Bonus zu.

Samaras hat reines Gewissen

Die bislang regierende konservative Nea Dimokratia unter Ministerpräsident Antonis Samaras erhält laut Hochrechnungen 27,86 Prozent. Sie hätten damit 76 Mandate. Bei einer Pressekonferenz räumte Samaras seine Niederlage ein und erklärte, seine Regierung habe Griechenland auf einen Weg aus der Krise heraus gebracht. Sein Gewissen sei rein.

"Ich übergebe ein Land, das Teil der EU und des Euro ist", sagte Samaras. "Zum Wohle des Landes hoffe ich, dass die nächste Regierung das Erreichte bewahren wird."

Auf Platz drei liegt die faschistische "Goldene Morgenröte" mit 6,3 Prozent. Ihre Parteiführung sitzt wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung in Untersuchungshaft und führte den Wahlkampf aus dem Gefängnis heraus.

Die proeuropäische Partei der politischen Mitte, "To Potami" (Der Fluss), kommt auf 6,03 Prozent. Die Kommunisten (KKE) schafften 5,47 Prozent.

Die bislang mitregierende sozialdemokratische Pasok landet mit großen Verlusten bei 4,69 Prozent. Ersten Analysen zufolge wählten zahlreiche Pasok-Stammwähler nun Syriza. Bereits bei der Wahl von 2012 war die einstige Volkspartei auf 12 Prozent abgestürzt. Ebenfalls den Sprung über die Drei-Prozent-Hürde schafften die rechtspopulistischen "Unabhängigen Griechen", die mit 4,72 Prozent knapp vor Pasok liegen.

Beobachter gehen davon aus, dass als Koalitionspartner für Syriza "To Potami" und die "Unabhängigen Griechen" infrage kommen.

Euro gibt nach

Unmittelbar nach Bekanntgabe der Prognosen gab der Euro im australisch-asiatischen Handel um rund einen halben Cent nach und fiel unter die Marke von 1,12 Dollar.

Bundesbankpräsident Jens Weidmann sagte ein in einer ersten Reaktion, Griechenland sei nach wie vor auf Hilfen seiner Partner angewiesen. "Und das heißt natürlich auch, dass es ein solches Programm nur geben kann, wenn die Verabredungen auch eingehalten werden."

Dagegen werteten die linken Parteien in Europa den Wahlsieg Syrizas als wichtiges Signal. Der Erfolg sei ein "Hoffnungszeichen für einen Neuanfang in Europa", erklärten die Vorsitzenden der deutschen Linkspartei, Katja Kipping und Bernd Riexinger. "Die von der Troika und der Bundesregierung verschriebene Politik des sozialen Kahlschlags wurde abgewählt." Auch die neue spanische Partei Podemos feierte den Wahlausgang als "Beginn der Hoffnung und Ende der Angst".

Finanzminister treffen sich am Montag

Die Wahl wurde weltweit beobachtet - vor allem in den Euro-Hauptstädten. Griechenland braucht dringend eine handlungsfähige Regierung. Das Hilfsprogramm der internationalen Geldgeber läuft Ende Februar aus.

Sollten die Geldgeber und die neue griechische Regierung keinen Kompromiss finden, könnte das Land schon bald zahlungsunfähig sein. Die Europäische Union und der Internationale Währungsfonds (IWF) haben dem Land bisher mit Darlehen in Höhe von rund 240 Milliarden Euro unter die Arme gegriffen.

In der Eurogruppe wird über eine Verlängerung des griechischen Rettungsprogramms über den 28. Februar hinaus nachgedacht. Die Euro-Finanzminister wollen bereits an diesem Montag über den weiteren Weg des Krisenlandes sprechen - auch wenn konkrete Beschlüsse noch nicht geplant sind.

Quelle: n-tv.de

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