Politik
Stündlich muss die Zahl der Toten nach oben korrigiert werden.
Stündlich muss die Zahl der Toten nach oben korrigiert werden.(Foto: REUTERS)

Prorussische Armee bekennt sich: Großoffensive auf Mariupol hat begonnen

Mehr als 30 Tote und fast 100 Verletzte ist die bisherige Bilanz eines Raketenangriffs auf die ukrainische Hafenstadt Mariupol. Zu dem Angriff bekennen sich die prorussischen Separatisten, die damit eine Großoffensive beginnen. Die Regierung in Kiew ruft die UN um Hilfe.

Die prorussischen Aufständischen in der Ostukraine haben ihre angekündigte Großoffensive mit einem Angriff auf die strategisch wichtige Hafenstadt Mariupol begonnen. Das sagte Separatistenführer Alexander Sachartschenko in Donezk der Agentur Interfax. Demnach bekannten sich die Separatisten auch zu dem Raketenangriff auf Mariupol. Dies sei der Beginn der Offensive gewesen. Bei dem Angriff am Morgen waren nach jüngsten Angaben der Behörden mehr als 30 Menschen getötet und fast hundert verletzt worden. Die Raketen waren auf einem Markt inmitten eines Wohnviertels der Stadt eingeschlagen.

Video

Diese Angaben wurden von der OSZE nach einer internen Überprüfung bestätigt. Eine Untersuchung der Krater habe gezeigt, dass die Einschläge von Raketen stammten, die aus Gegenden Mariupols abgefeuert worden seien, die von Separatisten der selbst ernannten "Volksrepublik Donezk" kontrolliert würden, teilte die Organisation am Abend mit.

Zunächst hatten die Separatisten die Anschuldigungen zurückgewiesen. Ihre Kämpfer hätten Mariupol nicht beschossen und schon gar keine Wohnviertel, berichtete die Nachrichtenagentur der selbstproklamierten "Volksrepublik Donezk" unter Berufung auf einen "Militärvertreter" der Separatisten. Er sprach stattdessen von einer "Provokation" ukrainischer Sicherheitskräfte.

Der Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates in Kiew, Alexander Turtschinow, erklärte, der russische Präsident Wladimir Putin sei "persönlich für den Angriff verantwortlich". Regierungschef Arseni Jazenjuk forderte den Westen auf, eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates zur Ukraine-Krise einzuberufen. "Die internationale Gemeinschaft muss den russischen Aggressor stoppen", sagte er.

Angriff auf die letzte Bastion

Mariupol ist die letzte größere Stadt in der Region, die unter ukrainischer Kontrolle steht. Die Hafenstadt am Asowschen Meer mit knapp 500.000 Einwohnern ist strategisch wichtig, weil sie zwischen den von den Rebellen kontrollierten Gebieten in der Ostukraine und der von Russland annektierten Halbinsel Krim liegt. Nach Angaben des ukrainischen Verteidigungsministers Stepan Poltorak brachten die Rebellen rund um die Stadt Raketenwerfer in Stellung, auch die ukrainische Militärpräsenz in der Region sei erhöht worden.

Die Rebellen in der Ostukraine hatten am Freitag eine neue Großoffensive angekündigt. "Wir werden eine Offensive in der gesamten Region starten", zitierten russische Nachrichtenagenturen den "Präsidenten" der Volksrepublik Donezk, Alexander Sachartschenko. Gespräche über eine Waffenruhe werde er vorerst nicht mehr führen.

Die Ukraine, Russland und die prorussischen Rebellen hatten im September in Minsk einen Waffenstillstand vereinbart, der allerdings nie umgesetzt wurde. Zuletzt hatte es wieder besonders heftige Kämpfe gegeben. Am Donnerstag zogen sich die ukrainischen Truppen nach monatelangen Gefechten vom umkämpften Flughafen von Donezk zurück.

In dem seit neun Monaten anhaltenden Konflikt wurden nach Angaben der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) bereits 5000 Menschen getötet. Die Ukraine und der Westen werfen Russland vor, die Aufständischen mit Waffen und Truppen zu unterstützen. Dies wird von Russland stets verneint.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen