Politik
Voller Elan in die letzte Wahlkampf-Woche: Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir.
Voller Elan in die letzte Wahlkampf-Woche: Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir.(Foto: dpa)
Sonntag, 17. September 2017

"Wo ist die stolze SPD?": Grüne kämpfen in alle Richtungen

Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir schwören die Grünen auf den Wahlkampf-Endspurt ein. Trotz schwacher Umfragewerte kämpft das Spitzenduo weiter um Platz drei - und teilt dafür in alle politischen Richtungen aus.

Genau eine Woche vor der Bundestagswahl läuten die Grünen auf einem Bundesparteitag den Wahlkampf-Endspurt ein. Vor Parteimitgliedern in Berlin gaben die Spitzenkandidaten Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir eine klare Devise heraus: Es geht um nicht weniger als eine "Richtungsentscheidung" und um Regierungsbeteiligung.

Dafür appellierte Göring-Eckardt an die Delegierten, noch einmal alles zu geben. Für sie ist sieben Tage vor der Wahl noch nichts entschieden: "Bei dieser Wahl geht es darum, dass wir umsteuern." Sie warnte vor weiteren vier Jahren des "Aussitzens und Stillstands" unter einer großen Koalition sowie Rückschritten durch ein schwarz-gelbes Bündnis aus Union und FDP. Punkten wollen die Grünen auf den letzten Metern mit ihren klassischen Themen Klimaschutz und sozialer Gerechtigkeit.

Bei der Bundestagswahl kämpfen die Grünen um den Einzug in den Bundestag als drittstärkste Partei. Aktuelle Umfragen sehen dort allerdings die AfD mit Prognosen zwischen 8 und 10 Prozent. Auf die Rechtspopulisten folgt die Linke, dahinter liefern sich FDP und Grüne einen erbitterten Kampf. Schließlich geht es bei diesen Parteien - anders als bei der AfD oder den Linken - um eine Regierungsbeteiligung als Junior-Partner. In diesem Konkurrenzkampf hat die FDP derzeit mit 8 bis 10 Prozent knapp die Nase vorn, die Grünen bewegen sich dahinter zwischen 6 und 9 Prozent. Das reicht nach jetzigem Stand weder für ein schwarz-gelbes Bündnis aus Union und FDP noch für eine Koalition von Union und Grünen. Einzige Regierungsoption für FDP und Grüne ist ein gemeinsames "Jamaika"-Bündnis mit der Union.

"Politikdumping" der SPD

Göring-Eckardt stimmte die Parteibasis schon jetzt auf "verdammt schwierige Gespräche" und Koalitionsverhandlungen nach der Wahl ein. Sie wandte sich in ihrer Rede auch direkt an potenzielle Wechselwähler der SPD und warf SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz vor, sich als Vize in einer großen Koalition anzudienen: "Wo ist eigentlich die stolze SPD?" Die SPD betreibe "Politikdumping". Dies hätten die Wähler und insbesondere die SPD-Wähler nicht verdient, sagte Göring-Eckardt in ihrer mit langem Beifall und stehenden Ovationen bedachten Rede.

Zudem betonte die Spitzenkandidatin, es gehe darum, den Mut zu haben, auch im Bund das Land mitzugestalten. Die Grünen sind derzeit an zehn Landesregierungen beteiligt.

Parteichef und Spitzenkandidat Özdemir hatte zuvor gesagt, der 24. September entscheide "über das Gesicht" Deutschlands: "Es geht darum, unser freiheitliches Land gegen den drohenden Rechtsruck in Deutschland zu verteidigen", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Er nannte es unerträglich, "wie AfD-Leute offen mit der rechtsextremen Szene sympathisieren". Die Grünen stünden klar gegen Rechtspopulismus, Rassismus und jegliche Ausgrenzung: "Bei der Integration haben wir große Aufgaben vor uns: Grundlage dafür sind die freiheitlichen Werte unseres Grundgesetzes."

Quelle: n-tv.de

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