Politik
Dienstag, 29. November 2011

Sogar aus Oberfranken: Guttenberg bekommt Gegenwind

Mit seinem Interview-Buch wollte Karl-Theodor zu Guttenberg sein Comeback vorbereiten. Während er viele frühere Weggefährten heftig attackiert, ist das Buch eine Liebeserklärung an seine Heimat Oberfranken. Doch die Heimat scheint ihn nicht mehr bedingungslos zurückzulieben.

Guttenberg hat es sich offenbar mit seinem Wahlkreis verscherzt.
Guttenberg hat es sich offenbar mit seinem Wahlkreis verscherzt.(Foto: dapd)

Die Chancen von Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg auf ein Comeback in der CSU sinken nach seinen Angriffen auf die eigene Partei rapide. Auch in seinem Heimatverband Oberfranken weht ihm nun der Wind ins Gesicht: "Viele sind wie ich über alle Maßen loyal zu Karl-Theodor gewesen. Doch was er jetzt tut, überschreitet die Grenze des Hinnehmbaren", sagte der Vizechef des CSU-Bezirksverbands, Thomas Silberhorn.

Der Bundestagsabgeordnete ist der erste prominente CSU-Politiker aus Guttenbergs Heimat, der den Freiherrn so deutlich kritisiert. Das ist vor allem von Bedeutung, weil Guttenberg für ein Comeback in Oberfranken wieder für den Bundestag nominiert werden müsste und Silberhorn dabei ein wichtiges Wort mitzureden hätte.

Sehr unglaubwürdig

"Wer weit mehr als tausend Textteile von anderen Autoren abschreibt und unter seinem Namen als Dissertation einreicht, hat nicht nur den Überblick verloren, sondern keine eigenständige Arbeit abgeliefert", sagte Silberhorn. Guttenbergs Erklärung, nicht vorsätzlich getäuscht zu haben, möge man als Schutzbehauptung nachvollziehen können. "Glaubwürdig ist sie deswegen nicht."

Guttenbergs Buch verkauft sich gut.
Guttenbergs Buch verkauft sich gut.(Foto: REUTERS)

Viele, die Guttenberg wohlgesonnen seien, hätten sich mehr erhofft. Politik dürfe sich nicht im schönen Schein erschöpfen. "Gefordert ist Substanz, die in ehrlicher Arbeit und ernsthafter Anstrengung zum Ausdruck kommt", fügte er hinzu. "Karl-Theodor sollte den untauglichen Versuch der Legendenbildung beenden und die Maßstäbe, an denen er andere misst, auch an sich selbst anlegen."

Kein Bedarf

Zuvor hatte bereits die CSU-Landesgruppenchefin im Bundestag, Gerda Hasselfeldt, gesagt, sie glaube, dass auch in der Bevölkerung manche Aussagen aus dem Buch nicht nur positiv aufgenommen würden. "Ich glaube, dass ein Stück Demut jedem Politiker gut tut."

Hasselfeldt sprach angesichts der Abfolge von Guttenberg-Terminen der vergangenen Tage von einer "durchdachten Marketing-Strategie" und fügte hinzu: "Ob sie unter dem Strich wirklich so optimal gelaufen ist oder läuft, ist fraglich". Ausdrücklich wies sie Guttenbergs Kritik an der CSU zurück, der ihren Charakter als Volkspartei in Frage gestellt hatte. Dies könne sie nicht nachvollziehen, sagte Hasselfeldt.

Ob Guttenberg bei einer Rückkehr nach Deutschland eine Zukunft in der CSU hätte, ist auch für Hasselfeldt offen. "Er muss von sich sagen, was er will." Sie höre nicht nur Kritik, sondern auch Positives über den Ex-Verteidigungspolitiker, betonte die Landesgruppenchefin. In den jüngsten Gremiensitzungen habe das Thema Guttenberg allerdings keine Rolle gespielt, "weil keiner Bedarf dazu sah".

Seehofer will nichts lesen

CSU-Chef Horst Seehofer will das Buch nicht lesen, wie er am Rande der Landtagssitzung sagte. Nach seiner Darstellung stimmen manche Schilderungen Guttenbergs nicht mit seinem eigenen Wissen überein. So habe er von einer Rücktrittsabsicht Guttenbergs für das Jahr 2013 nichts gewusst, von der der Freiherr in dem Buch erzählt.

Guttenberg war wegen der Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit im März vom Ministeramt zurückgetreten und zog sich danach auch von allen anderen politischen Ämtern zurück. Ende des Sommers ging er mit seiner Familie in die USA. Sein Buch Guttenberg erklärt "vorläufiges Scheitern" ist gerade erschienen.

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Quelle: n-tv.de

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