Politik

Uni: Das sind keine Bagatellverstöße: Guttenberg räumt Fehler ein

Die Doktorarbeit sei ihm "teilweise über den Kopf gewachsen", sagt Ex-Verteidigungsminister Guttenberg über die Plagiatsaffäre. Die Universität Bayreuth spricht im Abschlussbericht von vorsätzlicher Täuschung. Von bloßen Bagatellverstößen könne man nicht mehr sprechen, heißt es. Das "GuttenPlag Wiki" ist derweil für den Grimme Online Award nominiert.

Guttenberg gab im März 2011 sein Ministeramt auf.
Guttenberg gab im März 2011 sein Ministeramt auf.(Foto: dapd)

In der Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit hat Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg eine massive Überforderung eingeräumt. In seiner Stellungnahme zum Abschlussbericht der Universität Bayreuth erklärte der CSU-Politiker, angesichts seiner beruflichen und politischen Arbeitsbelastung sei ihm die Arbeit "teilweise über den Kopf gewachsen".

Wie aus dem mehr als 40-seitigen Bericht der Kommission "Selbstkontrolle in der Wissenschaft" weiter hervorgeht, wollte Guttenberg weder die Erwartungshaltung seiner Familie noch seinen Doktorvater enttäuschen. "Ich wollte mir eine Schwäche nicht eingestehen", wird er zitiert.

Der Vorsitzende der Kommission, Stephan Rixen, erklärte, die Kommission sei kein Guttenberg-Tribunal. Sie wolle aber auch nichts weichspülen und reinwaschen. Feste stehe, dass über alle Teile der Arbeit Plagiate festgestellt worden. "Angesichts der Fülle der Einzelplagiate kann man nicht mehr von bloßen Bagatellverstößen sprechen", heißt es in dem Bericht. Die Hochschule hatte Guttenberg bereits am 23. Februar den Doktortitel aberkannt. Am 1. März legte Guttenberg sein Ministeramt nieder. Auch aus dem Bundestag zog er sich zurück.

Fälschungen ein "werkprägendes Arbeitsmuster"

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Die Universität erhebt schwere Vorwürfe gegen den CSU-Politiker. Guttenberg habe beim Abfassen seiner inzwischen aberkannten Doktorarbeit "die Sorgfaltswidrigkeit zum bewussten Arbeitsstil erhoben", sagte Rixen. Die Kommission spricht von bewusstem Fälschen. Die Fälschungen durchzögen die Arbeit "als werkprägendes Arbeitsmuster". Rixen sagte, die Hochschule habe ihre Aufsichtspflicht grob vernachlässigt.

In dem Bericht heißt es außerdem, dass Guttenberg die Standards guter wissenschaftlicher Praxis grob verletzt und die Prüfungskommission vorsätzlich getäuscht habe. Fremde Texte seien in einem kaum vorstellbaren Ausmaß in allen Einzelheiten ohne Kennzeichnung der Autorenschaft übernommen worden. Dies deute auf ein bewusstes Vorgehen hin. Guttenberg selbst sprach von Fahrlässigkeit und Schlamperei in Folge von Dauerstress. Dies sei durch die Fülle von Einzelplagiaten widerlegt, sagte Rixen.

Hinweise auf einen Ghostwriter bei der Doktorarbeit gab es nach Angaben der Universität nicht. Guttenbergs Doktorvater Peter Häberle habe Guttenberg gewiss vertraut, sagte Rixen. Er habe sich nicht vorstellen können, dass er getäuscht wurde. Die Universität will zudem Konsequenzen aus der Plagiatsaffäre ziehen. Es sollen einheitliche Qualitätsmaßstäbe für Promotionsverfahren erarbeitet werden, sagte Uni-Präsident Rüdiger Bormann. Er kündigte an, dazu externen Sachverstand hinzuzuziehen.

Kritik an Verteidigungsstrategie

Der Präsident des Ethikverbands der Deutschen Wirtschaft, "Eine ganz schlechte Strategie" , kritisiert besonders die Verteidigungsstrategie des ehemaligen Verteidigungsministers. Guttenberg hätte viel eher seine Schummeleien eingestehen sollen, so Posé bei n-tv. "So zu tun, als sei nichts passiert und immer nur das bekanntzugeben, was sowieso schon jeder weiß, das halte ich für eine ganz schlechte Strategie", so Posé."Man muss die Karten auf den Tisch legen, denn dann dauert der Prozess nicht so lange und das Verzeihen beginnt früher." Zugleich schließt er ein Comeback des Politikers nicht völlig aus. Auch ein Politiker, der alkoholisiert einen Menschen totgefahren habe, sei in die Politik zurückgekehrt.

Der Kommissionsvorsitzende Rixen (l) und Uni-Präsident Bormann stellen den Abschlussbericht vor.
Der Kommissionsvorsitzende Rixen (l) und Uni-Präsident Bormann stellen den Abschlussbericht vor.(Foto: dpa)

Der ehemalige bayerische Wissenschaftsminister und CSU-Generalsekretär Thomas Goppel geht dagegen nicht von einer Rückkehr Guttenbergs in die Politik aus. "Das ist im Prinzip vorbei", sagte Goppel im Deutschlandfunk. Er kritisierte zudem den Umgang der Hochschule mit der Situation: "Dass die Universität Bayreuth sich selbst reinwäscht, halte ich nicht für gut." Guttenbergs Doktorvater trage eine Mitverantwortung. "Ein Doktorvater, der summa cum laude vergibt, und die eigenen Textstellen nicht einmal sieht, die da angeblich auch dabei sind, ist jemand, der im Betreuen des Doktoranden nicht genau genug und konkret genug gewesen ist."

"Selbstkontrolle in der Wissenschaft funktioniert"

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sieht im Ausgang der Plagiatsaffäre dagegen einen Beleg, "dass das Prinzip Selbstkontrolle in der Wissenschaft funktioniert". Die Universität Bayreuth habe die Vorwürfe konsequent verfolgt, sagte der DFG-Präsident Matthias Kleiner. "Das Ergebnis bezieht sich auf anerkannte Regeln guter wissenschaftlicher Arbeit." Alles andere wäre auch eine schlechte Botschaft an die vielen jungen Menschen, die redlich an ihrer Promotion arbeiteten, sagte Kleiner.

Der DFG-Präsident sagte, gute Promotionen entstünden dort, wo es "einen regen Austausch zwischen Doktorand und Doktorvater gibt und dabei auch die persönliche Identifikation mit dem Forschungsthema deutlich wird", sagte Kleiner.

"GuttenPlag Wiki" nominiert

Das Internetprojekt "GuttenPlag Wiki" ist unterdessen für den Grimme Online Award nominiert. In dem Wiki hatten mehr als 1000 freiwillige Mitarbeiter in der Doktorarbeit Guttenbergs zahlreiche Plagiate ausfindig und kenntlich gemacht. Diese Leistung habe letztlich zum Rücktritt des Ministers geführt und eine gesellschaftliche Diskussion über Ethik, Moral und Verantwortung entfacht, begründet die Nominierungskommission in Düsseldorf ihre Entscheidung. Mit 2100 Einreichungen ist für den Preis ein neuer Rekord erzielt worden. Insgesamt wurden 25 Web-Angebote nominiert, aus denen nun acht Preisträger ausgewählt werden.

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Quelle: n-tv.de

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