Politik
Haseloff: Zuviel Korrektheit kann verprellen.
Haseloff: Zuviel Korrektheit kann verprellen.(Foto: dpa)
Mittwoch, 04. Mai 2016

CDU sollte mehr CSU sein: Haseloff muckt gegen Merkel auf

Ist die "politische Korrektheit" in Berlin Mitschuld an der Stärke der AfD? Das zumindest meint der CDU-Regierungschef von Sachsen-Anhalt, Haseloff. Er fordert einen Kurswechsel der Bundes-CDU, um den rechten demokratischen Rand zurückzugewinnen.

In der Debatte über den Umgang der CDU mit der AfD wünscht sich Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff ein schärferes konservatives Profil der Christdemokraten. "Wir sind inhaltlich und personell viel zu schmal geworden. Wir müssen wieder breiter werden, um den rechten demokratischen Rand für uns zu reklamieren", sagte er der "Welt". "Die Philosophie, die CDU solle sich ausschließlich auf die Mitte konzentrieren, muss durchdacht werden."

Haseloff grenzt sich damit von CDU-Chefin Angela Merkel ab. Die Kanzlerin setzt in der Auseinandersetzung mit der AfD auf inhaltliche Diskussionen und einen Kurs der politischen Mitte. Es gebe keinerlei neue Strategie, sagte die Kanzlerin am Dienstag.

Haseloff hingegen wandte sich gegen Vorschläge, die Union solle sich den demokratischen konservativen Rand bewusst abschneiden. Dies forderten manche Meinungsforscher, sagte er. "Wir könnten ruhig eine Lücke lassen, heißt es, weil dort nur noch wenige sind. Allerdings war bei bei uns in Sachsen-Anhalt diese Lücke ziemlich groß - ganze 24 Prozent", sagte Haseloff in dem Interview. "Nein, wir müssen, wie schon Franz Josef Strauß sagte und Horst Seehofer zu Recht einfordert, auch das rechte demokratische Spektrum abdecken und Protestwähler zurückgewinnen."

Die CDU sei für europäische und globale Entwicklungen aufgeschlossen, das sei gut, so Haseloff. "Aber wir sollten Kernthemen definieren, die unsere Anliegen sind und bleiben: Familie, Heimat und auch die nationalstaatlichen Aufgaben, die durch eine Bundesregierung zu bewältigen sind." Die vermeintliche politische Korrektheit aus Berlin mache die AfD nur stärker, so der CDU-Politiker.

Wo kann man hier CSU wählen?

In Sachsen-Anhalt hatte die rechtspopulistische AfD bei der Landtagswahl 24 Prozent der Stimmen bekommen. "Wenn wir verhindern wollen, dass die AfD im Herbst in Mecklenburg-Vorpommern stärkste Kraft wird, muss die CDU wieder eine starke, große Volkspartei werden. Und dafür brauchen wir eine Verbreiterung unserer Basis. Die Position von Horst Seehofer darf es nicht nur in der CSU geben." Er sei im Wahlkampf häufig gefragt worden: Wo kann ich CSU wählen? Das seien Leute gewesen, die mit der CDU haderten, aber "Gott sei Dank noch Bedenken hatten, AfD zu wählen".

Haseloff forderte zudem vom Bund, sich stärker an den Kosten der Flüchtlingskrise zu beteiligen. "Wenn wir hier nicht Hilfen bekommen, wird es einen finanzpolitischen Verteilungskampf zwischen der Bevölkerung und den Flüchtlingen geben und das wird damit das nächste Thema für die AfD."

Quelle: n-tv.de

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