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An der Entführung dreier Teenager entzündet sich in sozialen Netzwerken ein Streit zwischen israelis und Palästinensern.
An der Entführung dreier Teenager entzündet sich in sozialen Netzwerken ein Streit zwischen israelis und Palästinensern.(Foto: Twitter/ShalomforIsrael)

#BringBackOurBoys: Hashtag befeuert Nahostkonflikt

Drei israelische Jugendliche werden entführt und die palästinensische Hamas soll sie in ihrer Gewalt haben. Während Regierungstruppen auf Hochtouren ermitteln, häuft sich Mitgefühl in sozialen Medien. Das stößt palästinensischen Nutzern sauer auf.

Gilad Shaar, Naftali Frenkel und Eyal Yifrach besuchen eine jüdische Religionsschule in der Siedlung Kfar Ezion bei Bethlehem. Seit Donnerstagabend werden die Teenager vermisst. Dann bestätigt die israelische Regierung: Die Jungs wurden entführt. Die Schuldigen stehen für sie bereits fest. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu macht die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas für das Verschwinden der Schüler verantwortlich.

"Wir sind fest entschlossen, die Jungs schnell, sicher und gesund heimzubringen", teilte die Armee mit. Vielleicht, um ihr Vorhaben zu bekräftigen, starten die Streitkräfte deswegen eine Socialmedia-Kampagne unter dem Hashtag #BringBackOurBoys.

 

Die Idee ist nicht neu. Als die islamistische Gruppe Boko Haram Ende April in Nigeria rund 200 Schülerinnen entführte, machten Tausende - angestoßen von Amnesty International - über Netzwerke wie Twitter und Instagram mit dem Hashtag #BringBackOurGirls auf das Verbrechen aufmerksam. Besonders viral wurde die Aktion, nachdem Prominente wie Model Cara Delevingne, Schauspielerin Emma Watson und sogar die amerikanische Firstlady Michelle Obama sich daran beteiligt hatten.

Weil die Entführung der Mädchen mit der der Jungs von den Initiatoren der Internetkampagne in Verbindung gebracht wurde, löste das Hashtag vor allem unter Palästinensern Unmut aus.

"Es widert mich an, dass die Israelis soziale Netzwerke für #BringBackOurBoys benutzen", schreibt der Nutzer Zalameh auf Twitter. Deswegen ruft er alle Palästinenser auf, sich das Hashtag selbst zu eigen zu machen und den Spieß umzudrehen: "Jede Woche entführt Israel Dutzende Palästinenser: an Kontrollpunkten, aus ihrem Zuhause, bei Protesten", heißt es in einem späteren Tweet.

Solidarität wird zum Konfliktherd

Über die Online-Dienste tragen nun etliche Israelis und Palästinenser ihren Konflikt öffentlich aus. Mit "Beweismaterialien" füttern sie das Internet, bezichtigen sich gegenseitig der Lüge. Pro Stunde zählt die Analytic-Website für Twitter hashtags.org rund 2500 Einträge mit dem umstrittenen Hashtag. Die Seite "Bring Back Our Boys" hat bei Facebook mehr als 60.000 Likes gesammelt. Bei Instagram gibt es mittlerweile sogar einen eigenen Account unter dem Namen.

Ob die Solidaritätsbekundungen Gilad, Naftali und Eyal jetzt helfen ist fraglich. Die Regierungstruppen suchen nach eigenen Angaben bereits ohne Unterlass. Nach Informationen der israelischen Tageszeitung "Haaretz" konnte einer der Jungs bei seiner Ergreifung noch den Polizeinotruf wählen. "Wir sind entführt worden", soll er demnach gesagt haben. Seitdem fehlt von den Dreien jedoch jede Spur.

Quelle: n-tv.de

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