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Zum 100. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il Sung führte das Regime Nordkoreas eine neue Langstreckenrakete vor. Ob sie einsatzbereit ist, ist auch ein Jahr danach unbekannt.
Zum 100. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il Sung führte das Regime Nordkoreas eine neue Langstreckenrakete vor. Ob sie einsatzbereit ist, ist auch ein Jahr danach unbekannt.(Foto: REUTERS)

US-Geheimdienst warnt: Hat Nordkorea Atomraketen?

Einem US-Geheimdienstbericht zufolge verfügt Nordkorea mittlerweile über die Fähigkeit, atomare Sprengköpfe auf ein Trägersystem zu montieren. Kim Jong Uns Ankündigung eines nuklearen Angriffs wäre damit keine hohle Drohung mehr. Doch an der Einschätzung des Geheimdienstes gibt es Zweifel - auch im eigenen Land.

Dass Nordkorea die Bombe hat, ist sicher. Fraglich ist, ob das Regime von Kim Jong Un seine atomaren Sprengköpfe auch auf funktionsfähige Trägersysteme montieren kann. In den USA ist darüber eine hitzige Debatte unter Experten entbrannt.

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Die Defense Intelligence Agency (DIA) ist davon überzeugt, dass das Regime "derzeit über Nuklearwaffen verfügt, die von ballistischen Raketen getragen werden können". Das berichtet die "New York Times". Der US-Militärgeheimdienst zweifelt lediglich an der Zuverlässigkeit der Trägersysteme. Zum einen hapert es laut einem geheimen Gutachten des DIA, auf den sich die Zeitung bezieht, womöglich an der Präzision der Raketen. Zum anderen sind die Sprengköpfe demnach vielleicht noch nicht robust genug, um den Fliehkräften des Raketenflugs zu trotzen.

DIA-Einschätzung kein Konsens

Kaum waren diese Passagen in der Welt, schränkte Pentagonsprecher George Little sie allerdings ein und sagte: "Es wäre nicht richtig, anzudeuten, dass Nordkoreas Regime die beschriebenen nuklearen Fähigkeiten voll getestet, entwickelt oder demonstriert hätte." Der Nationale Geheimdienstdirektor, James Robert Clapper, machte überdies deutlich, dass die Einschätzung des DIA nicht Konsens unter den US-Geheimdiensten wäre.

Bisher galt stets, dass Nordkorea die Miniaturisierung ihres Atomwaffenarsenals noch nicht so weit treiben konnte, um die Sprengköpfe tatsächlich auf Raketen zu schrauben. An dieser Einschätzung, die der Nachbar Südkorea bis heute vertritt, gibt es nun zumindest ernsthafte Zweifel. Ein Umstand, der die Spannungen zwischen Pjöngjang, Seoul und Washington weiter erhöhen können.

Drohgebärden auf beiden Seiten

Seit Wochen liefern sich die Länder einen rhetorischen Krieg. Nach dem dritten Atomtest Nordkoreas im Februar verschärfte der Westen zunächst die Sanktionen. Pjöngjang reagierte mit einer Propagandawelle im Internet, gefolgt von einer Reihe martialischer Drohungen, die bis zur Ankündigung eines nuklearen Erstschlags reichten. Zudem ließ Machthaber Kim jünst zwei Startrampen für Mittelstreckenraketen des Typs Musudan mit einer Reichweite von bis zu 4000 Kilometern an der Ostküste postieren. In Reichweite liegen Südkorea, Japan und ein US-Stützpunkt auf der Pazifikinsel Guam. Experten erwarten einen Test am 15. April, dem 101. Geburtstag des Republikgründers Kim Il Sung, dem Großvater von Kim Jong Un.

Die USA auf der anderen Seite schickten Ende März in einem Non-Stop-Flug zum alljährlichen gemeinsamen Frühjahrsmanöver mit Südkorea im Pazifik zwei Tarnkappenbomber vom Typ B-2 "Sprit". Das Signal war eindeutig: Die Vereinigten Staaten demonstrierten, dass sie ohne größere Vorbereitung und vom nordkoreanischen Radar unbemerkt jederzeit Präzisionsschläge auf Nordkorea ausführen können. Zuletzt machte Verteidigungsminister Chuck Hagel deutlich, dass sich Pjöngjang "sehr nahe an einer gefährlichen Linie" bewege.

Die Feindschaft zwischen Pjöngjang und Washington geht bis zu Zeiten des Kalten Kriegs zurück. 1950 standen sich auf der Halbinsel in einem Stellvertreterkrieg, dem Koreakrieg, eine kommunistische von der Volksrepublik China angeführte und eine kapitalistische Allianz unter der Regentschaft der USA gegenüber. Die Auseinandersetzung endete in einem Patt und der Teilung in den repressiven, planwirtschaftlich organisierten Norden und den westlich orientierten Süden, in dem die Vereinigten Staaten weiterhin große wirtschaftliche und militärische Präsenz zeigen. Zwischen beiden koreanischen Staaten herrscht offiziell noch der Kriegszustand.

Quelle: n-tv.de

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