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Präzisionsarbeit in großer Höhe: Bei der Treibstoffübernahme benötigt der Pilot Konzentration und Fingerspitzengefühl.
Präzisionsarbeit in großer Höhe: Bei der Treibstoffübernahme benötigt der Pilot Konzentration und Fingerspitzengefühl.(Foto: picture-alliance / dpa)

Nonstop-Flug nach Korea: US-Luftwaffe schickt "Spirit"

Es ist eine Geste von hoher Symbolkraft: Demonstrativ nimmt die US-Luftwaffe mit zwei strategischen Stealth-Bombern an einem Manöver in Südkorea teil. Das Besondere: Die Maschinen reisen ohne Pause von ihrem Heimatflughafen an. Und: Sie können im Ernstfall auch Nuklearwaffen tragen.

Dieser Waffe hat Nordkorea wenig entgegenzusetzen: B-2-Bomber können dank Luftbetankung binnen Stunden nahezu jeden Punkt der Erde erreichen.
Dieser Waffe hat Nordkorea wenig entgegenzusetzen: B-2-Bomber können dank Luftbetankung binnen Stunden nahezu jeden Punkt der Erde erreichen.(Foto: REUTERS)

Nach der Serie von Angriffsdrohungen durch Nordkorea bemühen sich die Streitkräfte der USA und Südkorea um eine Demonstration ihrer militärischen Stärke.

In einer dramaturgisch fein abgestuften Strategie der symbolischen Gesten entsendet das Pentagon nach und nach immer mehr militärisches Großgerät in die Region. In den Gewässern vor der koreanischen Halbinsel kreuzen bereits Teile der 7. US-Flotte und der US-Flugzeugträger USS "George Washington".

Jüngster Neuzugang der US-Einsatzkräfte in der Region sind zwei Tarnkappenbomber vom Typ B-2 "Spirit". Die hochmodernen Langstrecken-Waffenträger der US-amerikanischen Luftwaffe nahmen an den jährlichen Militärübungen mit Südkorea teil, teilte die US-Armee mit. Dank ihrer charakteristischen Form sind die Nurflügler am Boden und bei Überflügen in geringer Höhe auch für ungeübte Beobachter leicht zu erkennen: Die Maschinen besitzen keinen Rumpf, ihre Silhouette gleicht einem scharfkantigen Bumerang.

Testbomben abgeworfen

Bei ihrem Einsatz legten die beiden Kampfflugzeuge einen Langstreckenflug von über 10.460 Kilometern zurück. Auf den Radarschirmen sind die strategischen B-2-Bomber dank ihrer speziellen Formgebung und Bauweise nahezu unsichtbar. Entwickelt wurden die Bomber bei dem US-Rüstungskonzern Northrop Grumman. In der speziell beschichteten Außenhaut und im Inneren steckt Knowhow und Elektronik von Unternehmen wie Boeing, Hughes Radar Systems und Vought Aircraft Industries. Die Triebwerke liefert General Electric. Die Maschinen können auch als Atomwaffenträger eingesetzt werden. Daneben lassen sich in ihren Bombenschächten auch Präzisionsbomben und spezielle bunkerbrechende Waffen mitführen.

B-2-Bomber beim Abwurf einer Übungsbombe: Der Oberbefehlshaber bestimmt, was im Ernstfall auf der anderen Seite der Erde aus dem Bombenschacht fällt.
B-2-Bomber beim Abwurf einer Übungsbombe: Der Oberbefehlshaber bestimmt, was im Ernstfall auf der anderen Seite der Erde aus dem Bombenschacht fällt.(Foto: REUTERS)

Die Nonstop-Flüge vom Whiteman-Luftwaffenstützpunkt im US-Bundesstaat Missouri nach Südkorea und zurück sollten den Angaben zufolge der Abschreckung dienen. Der Einsatz demonstriere, "die Fähigkeit der USA, schnell und nach Belieben Langstrecken- und Präzisionsschläge auszuführen". Die beiden entsandten Bomber hätten Trainingsmunition auf einem Schießplatz der südkoreanischen Streitkräfte abgeworfen.

Provokantes Militärmanöver

Inmitten erhöhter Spannungen auf der koreanischen Halbinsel hatten die Streitkräfte der USA und Südkoreas Anfang März ihre gemeinsamen Frühlingsmanöver begonnen. An den zweimonatigen Übungen unter dem Namen "Foal Eagle" (Fohlen-Adler) sollen etwa 10.000 US-Soldaten teilnehmen, sagte eine Sprecherin der US-Streitkräfte in Südkorea (USFK).

Über 8000 von ihnen werden demnach aus den USA und anderen Ländern eingeflogen. Die USA haben in Südkorea auch Jahrzehnte nach dem Ende der offenen Kampfhandlungen im Korea-Krieg noch 28.500 Soldaten zur Abschreckung des kommunistischen Nordkoreas stationiert. Nordkorea hat den beiden Ländern wie üblich unterstellt, mit dem Manöver eine Invasion zu proben. Sie müssten mit ihrer Zerstörung rechnen, sollte Nordkorea sich provoziert fühlen, hatte ein Vertreter der Volksarmee im Grenzort Panmunjom gewarnt.

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Südkorea mobilisiert für "Foal Eagle" 200.000 Soldaten. Vom 11. bis 21. März parallel dazu die gemeinsame Kommandoschulung "Key Resolve" statt.

Pjöngjang kappt letzte Leitung

Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel hatten seit dem dritten nordkoreanischen Atomtest im Februar deutlich zugenommen. Nordkorea hatte angesichts der Ausweitung von UN-Sanktionen und der Militärübungen in Südkorea unter anderem den Waffenstillstandsvertrag von 1953 zur Beendigung des Korea-Kriegs aufgekündigt. Auch stieß das Land immer wieder Drohungen mit Militärschlägen gegen die USA und Südkorea aus.

Nordkorea hat zuletzt seine Kriegsrhetorik gegenüber dem Süden und den USA erneut verschärft. Ein Krieg könne jeden Moment ausbrechen, sagte ein Militärsprecher der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA. Daher werde auch die letzte noch bestehende Kommunikationsverbindung zwischen dem Norden und Süden auf der koreanischen Halbinsel gekappt.

Nordkorea hatte bereits zuvor Anrufe über eine Leitung mit den im Grenzgebiet zur Überwachung des Waffenstillstands stationierten US-Truppen nicht mehr beantwortet. Die letzte Verbindung besteht zwischen dem nord- und südkoreanischen Militär. Genutzt wird sie etwa für das Industrieprojekt in der nordkoreanischen Grenzstadt Kaesong. In der Sonderwirtschaftszone arbeiten mehr als 50.000 Nordkoreaner in südkoreanischen Fabriken.

Südkoreaner pendeln in den Norden

Über diese Leitung wurde per Telefon unter anderem die Anzahl der ein- und ausreisenden Südkoreaner durchgegeben. Beobachter vermuten, dass Nordkorea vorerst den Betrieb in dem Industriepark aufrechterhalten wolle. Das Projekt ist eine wichtige Devisenquelle für Nordkorea.

Trotz wachsender Spannungen und der gekappten Telefonleitung lässt Nordkorea unterdessen weiter Pendler aus dem Nachbarland einreisen. Tag für Tag kommen Hunderte Südkoreaner zum Arbeiten in den gemeinsamen Industriepark in der nordkoreanischen Grenzstadt Kaesong. Rund 400 Südkoreaner hätten am Donnerstagvormittag (Ortszeit) ohne größere Probleme die Grenze überschreiten können, sagte eine Sprecherin des Vereinigungsministeriums in Seoul.

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Quelle: n-tv.de

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