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Hunderte Menschen demonstrierten vor dem israelischen Konsulat in Istanbul.
Hunderte Menschen demonstrierten vor dem israelischen Konsulat in Istanbul.(Foto: AP)

Ausschreitungen in der Türkei: Heftige Proteste gegen Israel

Die Bodenoffensive Israels im Gazastreifen löst in der Türkei heftige Demonstrationen aus. In Istanbul wird das Generalkonsulat angegriffen. Premier Erdogan hatte zuvor Israels Vorgehen gegen die Palästinenser als Völkermord bezeichnet.

In Istanbul setzte die Polizei Wasserwerfer gegen die Demonstranten ein, in Ankara griff sie nicht ein.
In Istanbul setzte die Polizei Wasserwerfer gegen die Demonstranten ein, in Ankara griff sie nicht ein.(Foto: AP)

Hunderte Demonstranten haben in der Nacht aus Protest gegen die Offensive im Gazastreifen das israelische Generalkonsulat in der türkischen Metropole Istanbul attackiert. Teilnehmer warfen mit Steinen Fenster ein und versuchten auf das Gelände des Konsulats vorzudringen, wie die türkische Nachrichtenagentur Dogan berichtete.

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Laut Dogan schwenkten Demonstranten palästinensische Flaggen und skandierten israelfeindliche Parolen. Die Polizei schritt dem Bericht zufolge mit Wasserwerfern und Tränengas ein, um die Menge auseinander zu treiben. Zu der Demonstration in Istanbul hatten islamistische Organisationen aufgerufen.

In der türkischen Hauptstadt Ankara beteiligten sich am Donnerstagabend Abgeordnete der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP ebenso wie Oppositionsvertreter an einer Demonstration vor der israelischen Botschaft.

Wegen der Ausschreitungen zog Israel Botschaftspersonal ab. Die Vertretungen in der Türkei würden nur noch mit dem absolut notwendigen Personal besetzt, erklärte das israelische Außenministerium. Die türkische Polizei habe die Botschaft in Ankara und das Konsulat in Istanbul nicht ausreichend geschützt. Dies sei ein eklatanter Bruch diplomatischer Vereinbarungen.

Erdogan spricht von Völkermord

Regierungschef Recep Tayyip Erdogan hatte das Vorgehen der israelischen Armee gegen die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas im Gazastreifen zuvor als "Staatsterrorismus" und "Versuch des systematischen Völkermordes" bezeichnet.

Zudem forderte die Türkei eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats. Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu teilte auf Twitter mit, er habe dazu mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon gesprochen. In einem weiteren Telefonat mit US-Außenminister John Kerry habe er die türkische Forderung nach einem "sofortigen Ende der israelischen Angriffe" bekräftigt. Die Türkei beantrage außerdem Dringlichkeitstreffen des UN-Menschenrechtsrats und der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC). "Wir verurteilen die von Israel nach den inhumanen Morden durch Luftangriffe begonnene Bodenoperation in Gaza auf das schärfste."

Auch der Iran verurteilte die israelische Bodenoffensive im Gazastreifen scharf. "Das ist ein neues Kapitel der unmenschlichen Verbrechen des zionistischen Regimes (Israel)", sagte Außenamtssprecherin Marsieh Afcham. Die Bodenoffensive grenze an ein Kriegsverbrechen, sagte die Sprecherin laut der Nachrichtenagentur ISNA.

Zehn Tage nach Beginn seiner Luftangriffe auf den Gazastreifen schickt Israel seit Donnerstagabend auch Bodentruppen in das Palästinensergebiet. Die Gesamtzahl der palästinensischen Todesopfer stieg seit dem Start der Luftangriffe auf rund 260. Palästinensische Islamisten feuerten in den vergangenen Tagen mehr als tausend Geschosse vom Gazastreifen aus auf Israel, wobei ein Mensch getötet wurde. Zudem starb im Zuge der Offensive ein israelischer Soldat.

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Quelle: n-tv.de

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