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Am Rande der Demonstrationen gab es offenbar kurze und heftige Zusammenstöße.
Am Rande der Demonstrationen gab es offenbar kurze und heftige Zusammenstöße.(Foto: dpa)

Mehrere Verletzte: Heftige Zusammenstöße am Rande von Pegida-Demo

Fast 20.000 Menschen gehen für Pegida in Dresden auf die Straße, genau so viele protestieren gegen das rechte Bündnis. Zunächst bleibt der Protest weitgehend friedlich, dann mehren sich Berichte von teilweise heftigen Zusammenstößen und regelrechten Jagdszenen.

Die Demonstration des rechten Pegida-Bündnisses und Gegendemonstrationen haben in Dresden mehr als 30.000 Menschen auf die Straßen gebracht. Die unabhängige Studenten-Initiative "Durchgezählt" schätzt, dass auf dem Theaterplatz 15.000 bis 20.000 Menschen an der Kundgebung des fremdenfeindlichen Bündnisses teilgenommen haben. Die unterschiedlichen Gegendemonstrationen mobilisierten demnach ebenfalls 15.000 bis 19.000 Menschen. Die sächsische Polizei ist mit knapp 2000 Beamten aus sechs Bundesländern und mehreren Wasserwerfern im Einsatz.

Im Umfeld der Demonstration kam es zu teilweise heftigen Zusammenstößen, bei denen mehrere Menschen verletzt wurden. Die "Sächsische Zeitung" berichtet, dass Neonazis mehrere Menschen verletzt haben. Nach dem Pegida-Aufmarsch sei es zu regelrechten Jagdszenen seitens der Pegida-Anhänger gekommen - teilweise auf Ausländer. Mehrere Gegendemonstranten seien zusammengeschlagen worden. Auch auf eine Polizistin wurde demnach eingeschlagen.

Bereits vor der Demonstration wurde ein Pegida-Anhänger offenbar von Gegendemonstranten schwer verletzt, drei weitere Demonstranten erlitten leichte Verletzungen. Berichte, nach denen der Mann mit einer Eisenstange geschlagen wurde, dementierte die Polizei.

Pfefferspray und Pyrotechnik

Auch habe es mehrere Angriffe von Gegendemonstranten auf Polizeibeamte gegeben, sagte ein Polizeisprecher. Die Polizisten hätten Pfefferspray eingesetzt. Insbesondere beim Abzug der Pegida-Anhänger ist die Polizei beim Versuch, die Gegendemonstranten zurückzudrängen, angegriffen worden. Dabei wurden nach Beobachtungen eines dpa-Reporters mehrere Böller auf Polizisten geworfen. Ob es Verletzte gab, war zunächst unklar.

Auch wurden Journalisten angegriffen: Ein Reporter der russischen Nachrichtenagentur "Ruptly" wurde nach Darstellung der Agentur selbst zu Boden gedrückt und sechs bis sieben Personen zusammengeschlagen. Die "Sächsische Zeitung" berichtet, ein Reporter der "Deutschen Welle" sei ebenfalls angegriffen worden. Mehrere Pressevertreter besuchten die Demonstration aufgrund vergangener Übergriffe mit Helmen ausgestattet.

Bachmann will Innenminister anzeigen

Lutz Bachmann skandierte während seiner Eröffnunsgrede: "Wir sind gekommen, um zu bleiben. Und wir bleiben, um zu siegen". Außerdem kündigte er an, Bundesinnenminister Thomas De Maizière anzuzeigen. Er habe die Pegida-Anhänger pauschal als Rechtsextreme bezeichnet - für Bachmann ein klarer Fall von Volksverhetzung.

Dieses Plakat wurde von der Polizei beschlagnahmt.
Dieses Plakat wurde von der Polizei beschlagnahmt.(Foto: imago/epd)

Der deutsch-türkische Autor Akif Pirincci sagte bei seiner Rede, die deutschen Politiker agierten zunehmend als "Gauleiter gegen das eigene Volk". Wie die "Sächsische Zeitung" berichtet, verglich er heutige Verhältnisse mit der "Umvolkung" der Nazis, die zum Ziel gehabt habe, die Bevölkerung in den Ostgebieten zu Germanisieren und zu Arisieren. Auch behauptete er, Flüchtlinge bekämen in Deutschland ein "Rundumsorglospaket fürs Sackkratzen". Trotz seiner kruden Thesen forderten die Zuschauer lauthals "Aufhören" - wie der MDR berichtet, musste Pirincci seine Rede unterbrechen.

Vor der Demonstration kontrollierte die Polizei Plakate, Schilder und Transparente der Demonstranten. Ein Pegida-Anhänger wurde dabei kurzzeitig festgesetzt: Er hatte ein Plakat mit einer Fotomontage von Bundeskanzlerin Merkel in Nazi-Uniform dabei. Ein weiterer Demonstrant zeigte bei Twitter stolz einen Mini-Galgen, der an das Exemplar erinnert, das vergangene Woche ein Anhänger des Bündnisses präsentierte und sich damit eine Strafanzeige einhandelte.

Semperoper im Protestmodus

Der sächsische Innenminister Markus Ulbig appellierte vor den Kundgebungen erneut, friedlich und ohne Hass und Gewalt von Meinungs- und Demonstrationsfreiheit Gebrauch zu machen. Mit Blick auf die Gegendemonstrationen sagte Ulbig: "Ich bin froh, dass es viele Menschen gibt, die deutlich machen, dass Dresden ein Herz hat, ein anderes Gesicht hat, und ich hoffe, dass diese Bilder auch klar in die Welt gehen."

Mit einer deutlichen Botschaft gegen Intoleranz hat die Semperoper in Dresden Anhänger von Pegida empfangen. "Wir sind kein Bühnenbild für Fremdenhass", hieß es am Montagabend auf einer elektronischen Leinwand, die an der Semperoper angebracht war. Im Wechsel leuchtete der Satz auf: "Wir sind keine Kulisse für Intoleranz".

Quelle: n-tv.de

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