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Flüchtlinge warten auf die Weiterfahrt zum "Hotspot" Moria auf Lesbos
Flüchtlinge warten auf die Weiterfahrt zum "Hotspot" Moria auf Lesbos(Foto: dpa)

Folgen des Flüchtlingspakts: Helfer beenden humanitäre Arbeit

Die Vereinbarung der EU mit der Türkei über den Umgang mit Flüchtlingen hat Konsequenzen für die Hilfe vor Ort. Gleich zwei internationale Organisationen - darunter auch Ärzte ohne Grenzen - stellen aus Protest ihre Arbeit auf Lesbos ein.

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Kaum ist der EU-Türkei-Flüchtlingspakt in trockenen Tüchern, hagelt es massive Kritik von internationalen Helfern. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hat ihre Arbeit im Aufnahmelager Moria, dem sogenannten "Hotspot" auf der griechischen Insel Lesbos, eingestellt. In diesem Lager, einem ehemaligen Gefängnis, werden seit Inkrafttreten des Flüchtlingspakts am Sonntag alle neu ankommenden Migranten festgehalten. "Frauen, Kinder, ganze Familien dürfen dort nun nicht mal mehr ihre Baracken verlassen. Wenn das keine Haftanstalt ist, was ist es dann?", sagte ein Sprecher der Organisation. Bisher hatten die Teams von Ärzte ohne Grenzen in dem Auffanglager die hygienische und medizinische Versorgung übernommen.

Auch die Vertreter des UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) auf Lesbos teilen die Kritik - sie sind bereits seit Montag im Ausstand. Zwar leisten UNHCR-Mitarbeiter im "Hotspot" weiterhin rechtliche Beratung für die Migranten, aber sie übernehmen nicht mehr den Transport der Menschen dorthin, wie es zuvor üblich war, wenn von der Türkei kommende Flüchtlingsboote an den Ufern von Lesbos strandeten.

Nach den Worten von Regierungschef Alexis Tsipras braucht Griechenland für die Umsetzung des EU-Türkei-Flüchtlingspaktes dringend Personal. Das habe Tsipras in einem Telefonat mit Kanzlerin Angela Merkel bekräftigt, wie die griechische Regierungssprecherin Olga Gerovasili sagte. Tsipras hatte kürzlich gesagt, sein Land brauche mindestens 2300 Experten, darunter Dolmetscher, Sicherheitsleute und Asylexperten.

Deutschland will 100 Asylentscheider schicken

Deutschland will in den nächsten Tagen die ersten Asylentscheider nach Griechenland schicken. Sie sollen die Behörden dort bei den Einzelfallprüfungen für Flüchtlinge unterstützen, erklärte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Insgesamt will das Amt 100 Asylentscheider und Sekretariatskräfte entsenden.

Die Zahl der nach Bayern eingereisten Flüchtlinge ging derweil im März stark zurück. In diesem Monat kamen bisher 5280 Asylsuchende neu im Freistaat an, wie eine Sprecherin des bayerischen Sozialministeriums mitteilte. "Die Entwicklung der vergangenen Monate, dass wir immer weniger Zugänge von Flüchtlingen verzeichnen, setzt sich damit fort", sagte sie.

Zum Vergleich: Im Januar wurden noch 74.677 eingereiste Flüchtlinge gezählt, im Februar 41.600. Ein Grund für den Rückgang dürfte die faktische Schließung der Balkanroute sein. Aus Protest gegen die Schließung der Balkanroute übergoss sich am Dienstag ein Migrant im Flüchtlingslager von Idomeni mit Benzin und zündete sich an. Der Mann wurde leicht verletzt in eine Klinik gebracht. In Idomeni harren nach Schätzungen aus Athen 13.000 Menschen aus. Sie hoffen auf eine Öffnung der Grenze zu Mazedonien.

Quelle: n-tv.de

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