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Aufregung bei Plasberg: Herrmann nennt Blanco "Neger"

Von Martin Morcinek

Ein Spitzenpolitiker aus Bayern verblüfft mit einer fragwürdigen Wortwahl. In der Talkshow "Hart aber fair" bezeichnet Innenminister Herrmann Schlagerstar Roberto Blanco als "wunderbaren Neger". Die Kritik im Netz fällt verheerend aus.

Mit einem einzigen Satz hat sich Bayerns Innenminister Joachim Herrmann vor laufenden Kameras blamiert, seinen Ruf als erfahrener Politiker aufs Spiel gesetzt und einen Sturm der Entrüstung in den sozialen Medien ausgelöst. Wie konnte das geschehen?

"Ich verwende das Wort Neger sonst überhaupt nicht": Bayerns Innenminister Joachim Herrmann.
"Ich verwende das Wort Neger sonst überhaupt nicht": Bayerns Innenminister Joachim Herrmann.(Foto: picture alliance / dpa)

In der ARD-Sendung "Hart aber Fair" sollte sich eigentlich alles um die Flüchtlingskrise drehen. Das Thema der Sendung lautete "800.000 Flüchtlinge - schafft Deutschland das?". Unter der Leitung von Moderator Frank Plasberg sollten die geladenen Gäste - darunter "Focus"-Chefredakteur Ulrich Reitz, Ranga Yogeshwar und Innenminister Herrmann aus Bayern - eigentlich diskutieren, wie die Bundesrepublik mit dieser Herausforderung umgehen kann. "Reicht dazu der gute Wille der vielen?", heißt es in der Einleitung zur Sendung. "Oder siegt am Ende gar der Hass von wenigen?".

Bayerns Innenminister spricht

Das Gespräch plätscherte zunächst wie üblich vor sich hin, bis den CSU-Mann aus Bayern rund eine Stunde und 13 Minuten nach Beginn der Sendung eine offenbar spontane und wenig überlegte Eingebung überkam. "Focus"-Chefredakteur Reitz zählte gerade Erfolgsgeschichten von Einwanderern auf, als Minister Herrmann dem Journalisten mit einer Äußerung ins Wort fiel, die ihn wohl noch bis ans Ende seiner politischen Karriere begleiten wird: "Roberto Blanco war immer ein wunderbarer Neger, der den meisten Deutschen wunderbar gefallen hat", sagte Herrmann im jovialen Tonfall.

Herrmann wählte die offen beleidigende Formulierung anscheinend in der gut gemeinten Absicht, dem deutschen Fernsehpublikum ein weiteres Beispiel gelungener Integration vor Augen zu führen. Der beleidigende Charakter des Wortes "Neger" war ihm dabei entweder überhaupt nicht bewusst oder der Begriff ist ihm im Eifer der TV-Diskussion schlicht aus sprachlicher Unachtsamkeit entglitten.

"Habe ich mich gerade verhört?"

So oder so: Beides zeugt nicht gerade von einer aufgeklärten Weltsicht oder politischem Talent. In den sozialen Netzwerken setzte bereits wenige Sekunden nach Herrmanns sprachlicher Entgleisung eine Welle ungläubiger Wortmeldungen ein. "Habe ich mich gerade verhört", twitterte ein Zuschauer etwa. Schnell entwickelte sich aus der anfänglichen Verblüffung scharfe Empörung - bis hin zu offenen Rücktrittsforderungen. Herrmann sieht sich nach seinen Aussagen über den Schlagerstar mit dem Vorwurf konfrontiert, eine gesellschaftliche rückständige, latent rassistische Geisteshaltung wie aus Kolonialzeiten zu vertreten.

In welche Richtung Herrmann mit seiner Aussage eigentlich zielen wollte, lässt sich am ehesten noch aus seinen unmittelbar nachfolgenden Äußerungen entnehmen. Fast im selben Atemzug wechselte der Innenminister vom deutschen Schlager in den Sport. "Beim FC Bayern spielen auch eine ganze Menge mit schwarzer Hautfarbe mit", erklärte Herrmann. Und das fänden die Fans von FC Bayern auch gut, fügte er hinzu.

"Mangel an Differenzierung"

Seit der Ausstrahlung am Montagabend wird im Netz und im Freistaat gerätselt: War es ein sprachlicher Fehlgriff nach einem langen Arbeitstag? Oder entlarvt Herrmanns Äußerung einen bedenklichen Grad geistiger Unbeweglichkeit? Was immer Herrmann mit seinen Aussagen zum Ausdruck bringen wollte - durch die beleidigende Wortwahl rückt sich Bayerns Innenminister selbst in wenig schmeichelhaftes Licht. Moderator Plasberg reagierte hilflos. Der ARD-Mann war offenbar so verblüfft, dass er in einer ersten Reaktion nur "Holla!" rufen konnte.

Der von Herrmann in seinen Ausführungen unterbrochene "Focus"-Chefredakteur Reitz versuchte, die Situation peinlich berührt wegzulächeln. Talkshow-Teilnehmer Ranga Yogeshwar, den Plasberg in einem schlecht beratenen Zug schnell als weiteres gelungenes Integrationsbeispiel ins Gespräch bringen wollte, schien als einziger in der Runde die Tragweite der Situation zu überblicken.

"Mich hat man auch schon mal 'Neger' genannt", sagte der Wissenschaftsjournalist mit indischen Wurzeln in klaren, scharf gesetzten Worten. "Wahrscheinlich ist das ein Mangel an Differenzierung", fügte er hinzu - ein Urteil, das einer intellektuellen Demontage des Spitzenpolitikers gleichkommt. "Das kommt aber mit der Zeit", zeigte sich Yogeshwar zuversichtlich.

"Verwende das Wort sonst nicht"

Im Freistaat steht Herrmann seit Herbst 2007 in Regierungsverantwortung. Seit knapp zwei Jahren leitet er das neugebildete Staatsministerium "des Innern, für Bau und Verkehr". Er ist seit 1977 Mitglied der CSU und seit 1994 auch Mitglied des Bayerischen Landtags.

Eine Reaktion von Roberto Blanco steht noch aus. Der prominente Künstler ("Ein bisschen Spaß muss sein") ist unter anderem auch Ehrenmitglied der CSU, obwohl er sich selbst nicht als "politischen Menschen" einschätzt. Mit der Ehrenmitgliedschaft wollten die Christsozialen ihn für sein künstlerisches Lebenswerk" ehren. Die Aufnahme kommentierte der Schlagerstar angeblich mit den Worten: "Wir Schwarzen müssen zusammenhalten."

Mit Humor kann die bayerische Landesregierung den Eklat um Herrmann dagegen nicht nehmen. Am Morgen nach seinem "Roberto Blanco"-Satz im deutschen Fernsehen bemüht sich der bayerische Innenminister , die Wogen zu glätten. Im ZDF-"Morgenmagazin" erklärte er, er habe nur auf die Aussage eines Anrufers reagieren wollen, der "Neger überhaupt nicht haben" wollte.

Das sei, so Herrmann weiter, "völlig inakzeptabel". Nur vor diesem Hintergrund werde es verständlich, wieso er überhaupt das Beispiel Roberto Blanco gewählt habe. "Ich verwende das Wort Neger sonst überhaupt nicht", betonte der bayerische Innenminister.

Quelle: n-tv.de

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