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Stellt sich gegen die Entscheidung des AfD-Bundesvorstandes: Thüringens Landeschef Björn Höcke.
Stellt sich gegen die Entscheidung des AfD-Bundesvorstandes: Thüringens Landeschef Björn Höcke.(Foto: picture alliance / dpa)

Gelöschter Facebook-Post: Höcke springt rechtem AfD-Verband bei

Er vertritt den rechten Parteiflügel und ist selbst in der AfD umstritten. Nun sorgt Björn Höcke erneut für Aufsehen. Der thüringische AfD-Chef kritisiert die Auflösung des NPD-nahen saarländischen Landesverbandes.

In der AfD-Spitze gibt es offenbar Streit um die Auflösung des saarländischen Landesverbandes am vergangenen Donnerstag. "Eine Partei, die einen Landesverband auflöst, scheint mir den Kinderschuhen doch noch nicht ganz entwachsen zu sein", erklärte der thüringische AfD-Landeschef Björn Höcke in einem Beitrag auf der Facebook-Seite der rechten Parteiströmung "Der Flügel". Der Post soll inzwischen wieder gelöscht worden sein. Es gibt jedoch Screenshots, die seine Existenz belegen.

Der AfD-Bundesvorstand, dem Höcke nicht angehört, hatte den Saar-Verband in der vergangenen Woche aufgelöst. Wegen schwerwiegender "Verstöße gegen die politische Zielsetzung und innere Ordnung der Partei", wie es offiziell hieß. Der "Stern" hatte zuvor berichtet, die Spitze der Landespartei um den Vorsitzenden Josef Dörr und seinen Stellvertreter Lutz Hecker habe enge Kontakte zu Rechtsextremen gepflegt, in diesem Fall zu dem früheren Landesvizechef der rheinland-pfälzischen NPD und Mitgliedern einer der rechtsextremen Partei nahestehenden Organisation.

"Einen sicheren Platz auf der NPD-Liste"

Der abgesetzte AfD-Landeschef Dörr will gegen die Auflösung des saarländischen AfD-Verbandes kämpfen und kündigte bereits an, das Bundesschiedsgericht einschalten zu wollen. Möglicherweise könnte er dann auf die Unterstützung von Höcke und seinem rechten Parteiflügel zählen. André Poggenburg, Mitinitiator des Flügels und Vorsitzender der neuen AfD-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt, ist Mitglied im Bundesvorstand.

Verschiedenen Berichten zufolge pflegt auch Höcke selbst Verbindungen in die rechte Szene. So soll er unter einem Pseudonym Artikel in rechtsextremen Zeitschriften veröffentlicht haben. Der frühere AfD-Chef Bernd Lucke hatte Höcke deshalb vor einem Jahr zum Parteiaustritt aufgefordert. Die neue Parteispitze um Frauke Petry und Alexander Gauland stellte das Verfahren gegen Höcke schließlich ein. Im Dezember geriet Höcke erneut in die Schlagzeilen und in die Kritik, nachdem er in einem Vortrag über biologische Reproduktionsstrategien und den "lebensbejahenden aufrikanischen Ausbreitungstyp" referiert hatte - wieder blieb der Vorfall ohne Folgen.

Der Mann, dem Höcke nun beispringt, der abgesetzte Saar-Landeschef Dörr, hätte im Fall einer tatsächlichen Auflösung aber offenbar Aussichten, bei der NPD unterzukommen. Die "FAZ" zitiert den hiesigen NPD-Landesvorsitzenden Peter Marx folgendermaßen: Für den Fall, dass es bei der Auflösung des AfD-Landesverbands bleibt, würde er ihm "einen sicheren Platz auf der NPD-Liste für die Landtagswahl anbieten". Er halte Dörr für einen "ordentlichen, integren Mann" und es gebe "sehr großen Schnittmengen" zwischen beiden Parteien.

Quelle: n-tv.de

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