Samstag, 31. Juli 2010
Bahnhof "Stuttgart 21": Hunderte protestieren
Die Bahn macht ernst: Das Unternehmen will auf der Baustelle des umstrittenen Milliardenprojekts "Stuttgart 21" einen Flügel des historischen Bahnhofs abreißen. Die Gegner des Neubaus wollen das verhindern, Hunderte gehen auf die Straße und blockieren den Verkehr.Mehrere hundert Menschen haben in Stuttgart gegen den Baubeginn des umstrittenen Bahnprojekts Stuttgart 21 demonstriert. Die Bahn hatte am Abend einen Bauzaun am Nordflügel des Stuttgarter Hauptbahnhofs errichten lassen, der in Kürze abgerissen werden soll. Die Polizei schätzte die Zahl der Demonstranten auf rund 500, die zum Teil mit Sitzblockaden protestierten und den Verkehr behinderten. Rund 150 Beamte waren um Einsatz, um gegen mögliche Störer vorzugehen. Ernsthafte Zwischenfälle gab es nicht, wie ein Polizeisprecher sagte.
Nach Angaben der Gegner des Milliardenprojekts wurden auch Container aufgestellt. Außerdem seien Bagger angerollt. Sie forderten den "sofortigen Abbruch aller Arbeiten" und sprachen von einem Skandal. Die Bahn hatte den "Rückbau" des nördlichen Seitenflügels für Anfang August angekündigt. Dabei soll innerhalb von drei Monaten der Gebäudeteil Stockwerk für Stockwerk abgetragen werden.
Demonstranten: Kopfbahnhof soll bleiben
Der offizielle Startschuss für das Großvorhaben, das am Ende des Jahrzehnts fertig werden soll, fiel am 2. Februar. Bei Stuttgart 21 wird der Stuttgarter Hauptbahnhof als Durchgangsstation unter die Erde verlegt und über den Flughafen Stuttgart in Wendlingen im Kreis Esslingen mit der Schnellbahntrasse nach Ulm verbunden. Die Befürworter argumentieren: Wenn Stuttgart 21 nicht gebaut wird, würde die Schnellbahntrasse in Wendlingen im Nichts enden. Und wenn die Schnellbahntrasse nicht gebaut werde, dann sei auch Stuttgart 21 nicht sinnvoll.
Die Gegner wollen den Kopfbahnhof behalten und lehnen das Großprojekt ab. Sie haben vergeblich versucht, das Vorhaben von Gerichten stoppen zu lassen. Auch Peter Dübbers, Enkel des Bahnhofsarchitekten Paul Bonatz, ist bisher mit Klagen gegen Abriss der Flügel des historischen Gebäudes gescheitert.
dpa
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