Sonntag, 30. Oktober 2011
Krise verschärft Ungleichkeiten: ILO warnt vor sozialen Unruhen
Vor allem in Griechenland, Portugal, Spanien, Estland, Frankreich, Slowenien und Irland verstärkt sich nach Ansicht der Internationalen Arbeitsorganisation das Risiko von Unruhen. Um dies zu verhindern, müsse die zunehmende soziale Ungleichheit verringert werden. Und zwar bald.
Im Sommer brannte es in englischen Innenstädten.
(Foto: REUTERS)
Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) warnt vor sozialen Unruhen in den Euro-Staaten. "Die nächsten Monate werden entscheidend dafür sein, einen dramatischen Rückgang der Beschäftigung und eine weitere deutliche Verschärfung sozialer Unruhe zu vermeiden", zitierte der "Focus" aus der neuen jährlichen ILO-Arbeitsmarktanalyse.
Das entsprechende Risiko habe vor allem in den entwickelten westlichen Volkswirtschaften zugenommen. Ohne Gegenmaßnahmen drohe nach ILO-Einschätzung eine Rezession, die ein Jahrzehnt anhalten könne, schreibt das Magazin. Jedoch hätten viele Regierungen wegen anhaltenden Spardrucks kaum Handlungsspielräume.
Die deutlichsten Zeichen wirtschaftlicher Abschwächung sieht die UN-Organisation demnach in den Euroländern. Das Risiko sozialer Unruhen habe sich vor allem in Griechenland, Portugal, Spanien, Estland, Frankreich, Slowenien und Irland verstärkt. Rund 60 Prozent der Griechen und Portugiesen gäben an, ihr Lebensstandard sei gesunken. In Spanien und Slowenien liege diese Zahl bei etwa 50 Prozent. Deutschland billigt der Report den Angaben zufolge eine Sonderrolle zu: Wegen einer anhaltend großen Nachfrage nach Arbeitskräften seien Lohnerhöhungen in der Bundesrepublik vor allem angeraten, um den Konsum zu stärken.
Für ILO hängt alles am Wachstum
Der "World of Work Report 2011" erscheint am 31. Oktober. Laut Vorabbericht auf den Internetseiten der ILO zeigt der Bericht, dass für die Überwindung der "großen Rezession" die sozialen Ungleichheiten verringert werden müssten.
"Wachsende Jugendarbeitslosigkeit, Einkommensunterschiede, die durch steigende Lebensmittel- und Ölpreise noch schlimmer gemacht werden, sowie weitere soziale Ungleichheiten unterminieren die Unterstützung von Wachstumspolitiken", heißt es dort weiter. "Und sie nehmen der Weltwirtschaft das Einkommenswachstum, das nötig ist, um nachhaltige wirtschaftliche Erholung sicherzustellen."
Die ILO ist eine UN-Organisation, an der Staaten, Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter beteiligt sind.
hvo/AFP
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