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Präzendenzfall Griechenland?: Ifo-Chef: "Geld ist zum Fenster rausgeschmissen"

Mit drastischen Worten warnt Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn erneut, dass der Kurs der Euro-Länder nicht zielführend sei. Zudem fürchtet der Ökonom, dass die EU mit Griechenland einen Musterfall für andere Länder schaffe. Die Perspektive: Es werde immer so weitergehen wie bisher.

Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn betont erneut, dass er ein drittes Hilfspaket für Griechenland für grundfalsch hält - das Geld, dass die Euro-Staaten an Athen überweisen, sei letztlich wirkungslos. Der "Passauer Neuen Presse" sagte Sinn: "Die 2000 Euro, die Deutschland jedem griechischen Bürger zahlt, sind zum Fenster hinausgeschmissen." Sinn befürchtet zudem, dass es schon bald auch andere Kandidaten für ein Rettungspaket geben könnte. "Es wird jetzt nicht bei Griechenland bleiben. Auch andere Länder werden an die Tür klopfen und einen Schuldenerlass fordern."

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Niemand, den man halbwegs ernst nehmen könne, würde noch behaupten, dass es keine finanziellen Belastungen für den Bundeshaushalt und die deutschen Steuerzahler geben wird, so Sinn weiter. "Jeder weiß: Die Milliardenhilfen an Griechenland kommen nicht mehr zurück." Der Bundestag hatte am Freitag mit nahezu Zweidrittel-Mehrheit Verhandlungen über ein drittes Hilfspaket gebilligt. Fast 160 Abgeordnete stimmten allerdings mit Nein oder enthielten sich.

Neue Hilfen würden den Lebensstandard der Griechen zwar erst einmal sichern, sagte der Präsident des ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung. Die Krise werde aber nur aufgeschoben. "Der Lebensstandard der Griechen ist im Vergleich zur Produktivität ihres Landes total überzogen. Deswegen ist das Land zu teuer. Die neuen Hilfen perpetuieren diesen Zustand und verlangen anschließend ein viertes Hilfspaket."

Draghi ist zuversichtlich

Derweil steht Griechenland vor einer weiteren milliardenschweren Belastung: Am Montag muss Athen 3,5 Milliarden Euro Staatsanleihen tilgen, die von der Europäischen Zentralbank (EZB) gehalten werden. Während die Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras beim Internationalen Währungsfonds (IWF) bereits mit gut 2 Milliarden Euro im Zahlungsrückstand ist, rechnet EZB-Präsident Mario Draghi fest mit einer fristgerechten Überweisung.

"Was die Rückzahlung am 20. Juli betrifft, deuten alle meine Informationen darauf hin, dass wir ausbezahlt werden", sagte Draghi. Dasselbe gelte für den IFW. "Damit ist dieses Thema vom Tisch." Am 30. Juni hatte Griechenland eine anstehende IWF-Rate von knapp 1,6 Milliarden Euro nicht entrichtet, Mitte Juli kamen 456 Millionen Euro hinzu.

Draghi begründete seine Zuversicht unter anderem mit der Einigung der Eurogruppe auf eine Brückenfinanzierung. Für die Zwischenfinanzierung sollen zunächst sieben Milliarden Euro aus dem EU-Rettungstopf EFSM kommen. Die Nicht-Euroländer sollen von den Risiken freigestellt werden. Dazu sollen Gewinne der EZB aus früheren Anleihekäufen (SMP) benutzt werden.

Für Griechenland ist die Brückenfinanzierung überlebenswichtig: Denn das dritte Hilfspaket dürfte erst in einigen Wochen stehen und ohne die frischen Milliarden hätte das Land das Geld für die EZB kaum aufbringen können. In diesem Fall müsste die Notenbank vermutlich ihre Ela-Notkredite an die klammen griechischen Banken einstellen, das labile Finanzsystem des Landes würde dann wohl kollabieren.

Quelle: n-tv.de

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