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Ikea ist betroffen ist will selbst recherchieren.
Ikea ist betroffen ist will selbst recherchieren.(Foto: dpa)

Schraubten Zwangsarbeiter am Billy?: Ikea prüft DDR-Auftragsarbeit

Der größte Möbelhersteller der Welt, Ikea, lässt in den 1980er Jahren seine Möbel auch in der damaligen DDR bauen. Unterlagen in Stasi-Archiven sollen jetzt ans Licht gebracht haben, dass politische Häftlinge für die Schweden arbeiten mussten – ohne dass Ikea davon wusste. Der Möbelbauer ist betroffen und will nun selbst nachforschen, was an dem Bericht dran ist.

Die Möbelkette Ikea will mit Hilfe der Stasi-Unterlagenbehörde klären, ob bei Auftragsarbeiten in der früheren DDR politische Gefangene für Zwangsarbeit eingesetzt worden sind. Ein Reporter der Sendung "Uppdrag Granskning" habe Dokumente, die dies belegten, in Stasi-Archiven gefunden, hieß es auf der Internetseite des schwedischen Fernsehsenders SVT. Der Bericht soll am Mittwoch ausgestrahlt werden.

Die zuständige Ikea-Sprecherin Jeanette Skjelmose sagte, Ikea habe bereits mit dem Studium von Unterlagen der Berliner Behörde begonnen. "Wir nehmen diese Angelegenheit äußerst ernst", sagte die Sprecherin im schwedischen Älmhult. Es sei völlig klar, dass der Einsatz von politischen Gefangenen als Zwangsarbeiter für Ikea "total inakzeptabel" wäre.

Ikea hatte seit den 1960er Jahren Möbel unter anderem in Polen sowie in der DDR fertigen lassen. Die Vorwürfe über Zwangsarbeit von politischen Gefangenen beziehen sich nach den Angaben von Skjelmose auf einen Zeitraum von Anfang bis Mitte der 1980er Jahre. "Bisher sieht es so aus, als ob niemand bei Ikea davon wusste", sagte die Sprecherin. Schon im vergangenen Herbst sei nach Berichten in deutschen Medien mit eigenen Nachforschungen begonnen worden.

In der DDR mussten auch viele Häftlinge für Firmen arbeiten. Die Insassen wussten oft nicht, an welche Unternehmen ihre Waren gingen und aus welchem Land die DDR die Aufträge entgegen genommen hatte. Auch politische Häftlinge, die wegen "staatsfeindlicher Hetze" oder "versuchter Republikflucht" einsaßen, mussten solche Arbeiten verrichten.

Das 1943 in Schweden gegründete Familienunternehmen ist der weltgrößte Möbelhersteller.

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Quelle: n-tv.de

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