Politik
Für die Angehörigen der NSU-Mordopfer ist das Auftreten Zschäpes eine Provokation.
Für die Angehörigen der NSU-Mordopfer ist das Auftreten Zschäpes eine Provokation.(Foto: AP)

Mithäftling berichtet aus Stadelheim: Im Knast ist Zschäpe die "kleine Königin"

Von Johannes Graf

Über kaum eine mutmaßliche Verbrecherin ist in den vergangenen Monaten mehr geschrieben worden als über Beate Zschäpe. Im Verhältnis dazu ist das, was man über die aktuelle Verfassung der letzten Verbliebenen des NSU-Trios weiß, spärlich. Was eine Mitgefangene jetzt von ihr berichtet, hilft, ihr lässig-arrogantes Auftreten vor Gericht einzuordnen.

Da steht sie: in weißer Bluse, schickem schwarzem Hosenanzug. Wer nicht weiß, dass diese Frau Beate Zschäpe heißt und wohl eine der maliziösesten Terroristinnen der vergangenen Jahrzehnte ist, könnte sie glatt für eine seriöse Geschäftsfrau halten. Ihre Züge sind fest. In den ersten öffentlichen Augenblicken nach Jahren im Untergrund und in Untersuchungshaft strahlt sie Selbstsicherheit aus.

Video

Woher das kommt, erklärt in Teilen das, was jetzt Monika M. über Zschäpe berichtet. M. ist 31 Jahre alt und Kleinkriminelle. Sie saß gemeinsam mit Zschäpe in Trakt F3 AB der Haftanstalt Stadelheim in München ein. Erst vor kurzem endete ihre Zeit im Knast nach abgesessener Strafe wegen eines Diebstahldelikts.

M. erzählt von einer jungen Frau, die in einer Art Parallelwelt zuhause zu sein scheint. In der Welt außerhalb des Knasts ist Zschäpe eine der meistgeächteten Personen der Republik. Im Gefängnis steht sie in der Hackordnung ganz oben. "Sie wird von den anderen wie eine kleine Königin behandelt", sagt M. der "Bild"-Zeitung: Viele tragen sie aus tiefer Bewunderung auf Händen.

Nacktfotos von "Deppen"

Andere huldigen Zschäpe dagegen aus purer Angst. "Eine ausländische Mitgefangene machte ihr einen Kuchen", berichtet M. Ein anderer Häftling, eine Griechin, besorgte ihr Tabak. Alles nur, um die Nazi-Terroristin milde zu stimmen.

Was Zschäpes Hochgefühl noch steigert, sind die vielen Fan-Briefe, die sie offenbar erhält. M. erzählt: "Es kommen jeden Tag mehrere Briefe. Darunter sind auch Heiratsanträge und Nackt-Fotos von Männern." M. schildert, wie Zschäpe einmal einen dieser Liebesbriefe vorzeigte. Sie habe nur lapidar gesagt: "Schaut mal, wieder so ein Depp."

Alleine in der Zelle fließen Tränen

Wenn die Erzählungen aus der Haftanstalt zutreffen, dann ist Zschäpe eine Person, die ihre mutmaßlichen Taten nicht bereut und von ihrer rechten Gesinnung nicht abrückt. Sie höre am liebsten "Bomberpilot" von den Böhsen Onkelz. An der Wand ihrer Zelle hat sie Fotos aufgehängt: von ihrer Familie und ihren langjährigen Weggefährten Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt.

Zweifel kommen Zschäpe offenbar selten. Allenfalls alleine in ihrer Zelle wird die harte Verbrecherin ab und an weich. M. erzählt, dass Zschäpe mit ihr über die einsamen Momente des Knastalltags redete. Dann bekommt es das letzte verbliebene Mitglied des NSU-Trios doch mit der Angst zu tun. "Dann würde sie manchmal weinen", sagt Monika M. Wie sie da so trotzig und frech vor den Angehörigen ihrer Mordopfer steht, mag man es kaum glauben.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen