Politik
Die Hauptstadt Tokio ist von der Knappheit besonders betroffen.
Die Hauptstadt Tokio ist von der Knappheit besonders betroffen.(Foto: picture alliance / dpa)

Noch ein AKW vom Netz: In Japan wird der Strom knapp

Nachdem ein weiteres Atomkraftwerk nach einer Panne abgeschaltet wird, wird in Teilen Japans der Strom knapp. Nur noch 16 von 54 Reaktoren sind seit dem Erdbeben am Netz. Firmen müssen bereits Strom sparen, wegen des Sommers könnte sich die Situation weiter verschärfen. In Fukushima arbeiten Helfer derweil weiter gegen die Zeit.

Nach einer weiteren Panne in einem Atomkraftwerk in Westjapan wird noch ein Reaktor abgeschaltet. Dadurch verschärft sich die Stromknappheit nach der Atomkatastrophe von Fukushima in Japan deutlich. "Das Stromangebot war von vornherein recht knapp", sagte Atomminister Goshi Hosono. Das Problem in dem Reaktor in Ohi verschlimmere nun die Situation im Westen Japans. Ziel sei, die Einschränkungen für Firmen und Verbraucher so klein wie möglich zu halten. "Aber es ist völlig klar, dass die Situation jetzt sehr ernst geworden ist", betonte Hosono.

Bei der Störung im AKW Ohi 350 Kilometer westlich von Tokio sei keine Radioaktivität ausgetreten, teilte der Energieversorger Kansai Electric Power mit. Nach einem Druckabfall in einem Tank mit Borsäure soll der Reaktor nun überprüft werden. Damit sind ab kommender Woche nur noch 16 der 54 Reaktoren in Japan in Betrieb.

Firmen müssen Strom sparen

In Japan stammt rund ein Drittel des Stroms aus Atomkraftwerken. Um Engpässe zu vermeiden, müssen Firmen mit hohem Energiebedarf in den von Erdbeben und Tsunami betroffenen Gebieten ihren Stromverbrauch im Sommer zurückfahren. In der Region Tokio und im Norden Japans fordert die Regierung schon eine Reduzierung um 15 Prozent. Wegen Sicherheitsbedenken nach dem Atomdesaster in Fukushima blieben mehrere Reaktoren nach Wartungsarbeiten vom Netz. Wegen der starken Nutzung von Klimaanlagen wird das Stromnetz im Sommer besonders belastet.

Das AKW Ohi wurde sicherheitshalber vom Netz genommen.
Das AKW Ohi wurde sicherheitshalber vom Netz genommen.(Foto: REUTERS)

Kansai Electric hat bislang seine Kunden nur zu freiwilligen Stromeinsparungen aufgefordert. Der Energiekonzern versorgt etwa die Stadt Osaka. Zu den Kunden gehören die Elektronikriesen Panasonic und Sharp. Am Freitag hatte Kansai bereits angekündigt, für geplante Inspektionen zwei Reaktoren vom Netz zu nehmen. Dies werde im August und September die Stromversorgung in der Region weiter einschränken. Japanische Konzerne sehen die drohende Knappheit bei der Stromversorgung als gravierendes Risiko für ihren Geschäftsverlauf.

Fukushima bleibt außer Kontrolle

Noch immer versuchen Helfer, das Atomkraftwerk Fukushima unter Kontrolle zu bringen. Japans Ministerpräsident Naoto Kan sagte, die Arbeiten schritten gut voran. Ziel sei, die geplante Stabilisierung der Reaktoren schon vor dem anvisierten Termin im Januar zu erreichen. Fukushima-Betreiber Tokyo Electric will am Dienstag über die Arbeiten an dem havarierten Atomkraftwerk informieren.

Premier Kan versucht vorsichtigen Optimismus zu verbreiten.
Premier Kan versucht vorsichtigen Optimismus zu verbreiten.(Foto: dpa)

Die japanische Regierung rechnet unterdessen für den Wiederaufbau nach der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe offenbar mit Kosten von umgerechnet rund 100 Milliarden Euro. Ein Plan zur Behebung der Schäden gehe in den kommenden fünf Jahren von Summen zwischen umgerechnet 90 und 107 Milliarden Euro aus, berichtete die Zeitung "Asahi". In den betroffenen Gebieten sollen einige von Japans größten Solar- und Windkraftanlagen entstehen. Nach dem Super-Gau von Fukushima will die japanische Regierung stärker auf alternative Energien setzten.

Bewerbung für Olympia

Wegen der erzielten Fortschritte prüft die Regierung nun, die aus der Unglücksregion in Sicherheit gebrachten Bewohner wieder in evakuierten Gebieten außerhalb des 20-Kilometer-Radius anzusiedeln. Ein Zeitplan wurde nicht bekannt. Die Zeitung berichtete, dass sich die Situation so weit verbessert habe, dass die Regierung erwäge, die Evakuierungszone im August zu verkleinern.

Als Symbol der Entschlossenheit nach der Katastrophenserie gab Tokio seine Bewerbung zur Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele 2020 bekannt. "Japan muss sich von der schweren Erdbebenkatastrophe erholen", sagte der Präsident des japanischen Olympischen Komitees (JOC), Tsunekazu Takeda. "Wir wollen die Olympischen Spiele 2020 zum Symbol unserer Heilung machen." Der Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Jacques Rogge, nannte die Bewerbung Tokios "großartig". Er zeigte sich überzeugt, dass sich Japan nach der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe mit rund 22.000 Toten und Vermissten wieder aufrichten werde.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen