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Statt die Flutopfer zu thematisieren, spricht Donald Trump in Texas vor allem von sich und seinen Bemühungen.
Statt die Flutopfer zu thematisieren, spricht Donald Trump in Texas vor allem von sich und seinen Bemühungen.(Foto: REUTERS)
Mittwoch, 30. August 2017

US-Präsident im Hurrikan-Gebiet: In Texas geht es Trump nur um Trump

Von Philip Ziche

Der amerikanische Präsident besucht das von Hurrikan "Harvey" getroffene Texas. Dabei geht es erstaunlich wenig um die Katastrophe und die Flutopfer, sondern vor allem um Eigenlob und Trumps Rolle im Kampf gegen den "epischen" Sturm.

Die Leute jubeln, als die Air Force One am Dienstag im texanischen Corpus Christi landet. "USA! USA!", skandieren sie. "Was für eine Menge", begrüßt US-Präsident Donald Trump seine Anhänger. "Ich möchte nur sagen: Wir lieben euch. Ihr seid besonders."

Präsident Trump mit dem texanischen Gouverneur Greg Abbott und seiner Frau Melania in Corpus Christi.
Präsident Trump mit dem texanischen Gouverneur Greg Abbott und seiner Frau Melania in Corpus Christi.(Foto: AP)

Als Küstenstadt wurde Corpus Christi in den vergangenen Tagen besonders schwer von Hurrikan "Harvey" getroffen. Knapp vier Tage, nachdem das Unwetter die amerikanische Küste erreicht hat, besucht Trump die betroffenen Gebiete. Von den zehntausenden Obdachlosen oder den geschätzt 30 Getöteten ist in Corpus Christi allerdings keine Rede. Lieber lobpreist der amerikanische Präsident die eigenen Bemühungen und die seines Teams, den Sturmschäden entgegenzuwirken. "In fünf oder zehn Jahren soll man zurückblicken und unsere Arbeit als den richtigen Weg erkennen", sagt er. Damit hat Trump es mal wieder geschafft, die Aufmerksamkeit völlig auf sich zu richten.

Sein Lob geht an die "gute Zusammenarbeit" seines Teams mit den texanischen Behörden und an Brock Long, den Chef der Federal Emergency Management Agency. Long sei "ein Mann, der durch das Fernsehen in den letzten Tagen sehr berühmt geworden ist", so Trump. Glückwünsche wolle er aber noch nicht aussprechen. "Wir werden uns alle gegenseitig gratulieren, wenn alles vorbei ist."

Bewunderung first, Bedenken second

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Befremdlich wirkt auch Trumps Bewunderung für die Wucht des Hurrikans. "Wow - Experten nennen Harvey eine Flut, wie sie nur alle 500 Jahre passiert", schrieb er am Sonntag auf Twitter. Es ist einer von fast 40 Tweets, mit denen sich der Präsident in den vergangenen Tagen zu "Harvey" äußerte. Da war von "rekordbrechenden Regenfällen" die Rede und "Winden mit 125 Meilen pro Stunde". Trump kann dem Sturm während seines Aufenthalts in Corpus Christi auf seine Weise sogar etwas Gutes abgewinnen: "Der Hurrikan wird Texas stärken. Und der Wiederaufbau wird etwas wirklich Besonderes sein." Auch erklärt er die Bezeichnungen "episch" oder "historisch" für "Harvey" für zutreffend.

Alyssa Mastromonaco, eine ehemalige Mitarbeiterin von Ex-Präsident Barack Obama, verurteilt diese Ausdrucksweise in der "Washington Post". Der Sturm sei "katastrophal, nicht episch". Zudem sei es noch viel zu früh für lobende Worte, da ein Ende des Hurrikans bisher nicht absehbar sei. Auch andere Kritiker sagen, Trump inszeniere sich durch derartige Formulierungen selbst und verharmlose die eigentliche Katastrophe.

Im Gegensatz dazu findet der Redenschreiber eines ehemaligen US-Gouverneurs, Barton Swaim, dass es in derartigen Situationen keine guten Antworten gäbe. "Immerhin ist der Präsident authentisch. Seine Gegner werden seine Worte immer auf die schlechteste Weise interpretieren, egal, was er sagt", so Swaim.

Texas könne alles bewältigen

Von seinen Äußerungen einmal abgesehen, sorgt Trump noch mit seiner neuen Schirmmütze für Aufregung, die er bei seinem Auftritt trägt. Die weiße Kopfbedeckung mit der Aufschrift "USA" kann man nämlich seit Dienstagabend für 40 Dollar auf der Trump-Homepage erstehen. Einige Kritiker werfen dem Präsidenten nun vor, Profit aus der Naturkatastrophe schlagen zu wollen und den Besuch im Flutgebiet als Werbemaßnahme für seine Produkte zu nutzen.

Vor seiner Abreise lässt der Präsident es sich nicht nehmen, noch den Staat Texas zu loben. "Es ist in Texas passiert. Und Texas kann alles bewältigen", spricht er dem Staat sein Kompliment aus. Schnell lenkt er die Aufmerksamkeit aber wieder auf sich. Es sei "eine Ehre gewesen, mit dem Gouverneur und seinem Team zu arbeiten", sagt er. Bevor er und seine Frau Melania Trump zum nächsten Treffen in Austin aufbrechen, erklimmt Trump noch eine Leiter und wedelt mit der texanischen Flagge - sehr zu Freuden des Publikums.

Quelle: n-tv.de

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