Politik
Video

Hunderte zu Fuß auf der Autobahn: In Ungarn beginnt der große Marsch

Sie wollen nicht in ungarische Aufnahmelager, sie wollen nach Österreich und Deutschland, egal was die Polizei sagt. Hunderte Flüchtlinge laufen gemeinsam Richtung Grenze. Ein Mann aus Syrien ist bei der Flucht ums Leben gekommen.

In Ungarn, wo viele tausend Menschen aus Syrien und anderen Ländern auf die Weiterreise in den Westen hoffen, hat sich die Lage weiter zugespitzt. Von den 3000 Menschen, die vor dem Ostbahnhof in Budapest ausharren, machten sich mehr als tausend Flüchtlinge in einem großen Marsch Richtung Österreich auf. Am Nachmittag erreichten sie den Zubringer zur Autobahn 1 nach Wien, wie ungarische Nachrichtenportale und Fernsehsender berichteten. Von Budapest aus sind es über die Autobahn bis zur Grenze nach Österreich etwa 170 Kilometer. Derweil verschärft das Parlament weiter die Gesetzgebung.

Im ungarischen Fernsehen war zu sehen, wie Autos an den marschierenden Flüchtlingen vorbeifuhren. Angeführt wurden sie von einem Mann mit EU-Flagge. Die Fernsehbilder zeigten neben ihm einen Mann auf Krücken; er hatte ein Bild von Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der Brust. Die Teilnehmer überquerten die Elisabeth-Brücke über die Donau, ohne dass die Polizei eingriff. Viele spreizten die Finger zum Sieges-Zeichen.

Bei Twitter verbreiteten sich unter dem Hashtag #MigrantMarch Bilder und Nachrichten zu dem Flüchtlingsmarsch. "Wir sind so froh, dass endlich etwas passiert", sagte der 23-jährige Osama aus Syrien, der in dem Zug mitmarschierte. "Der nächste Halt ist Österreich. Die Kinder sind sehr müde, Ungarn ist sehr schlecht, wir müssen irgendwo hin."

Migrant kommt in Ungarn ums Leben

Am Bahnhof von Bicske, knapp 40 Kilometer westlich von Budapest, ist ein syrischer Migrant gestorben. Das berichtet unserer Reporter vor Ort Dirk Emmerich.  Der 50-Jährige sei zusammengebrochen, als er mit den anderen Flüchtlingen über die Schienen lief. Er sei an einer Lungenembolie gestorben. Der Syrer war einer der 500 Flüchtlinge, die sich in einem Zug verschanzt hatten, um nicht in ein Lager gebracht zu werden.

Wie Dirk Emmerich berichtet, haben mehrere Gruppen den Zug inzwischen verlassen. Die Flüchtlinge seien in Busse gestiegen, deren Ziel nicht bekannt ist. Die ungarische Nachrichtenagentur MTI berichtete, bis zu 300 Menschen seien am Abend herausgekommen, um dann in den Wald zu rennen.

Die ungarischen Behörden hatten den Zug zunächst Richtung österreichischer Grenze fahren lassen, dann jedoch in Bicske gestoppt. Die Einwanderer sahen sich in eine Falle gelockt.

Parlament verschärft Gesetze

Das Parlament in Budapest hat im Eilverfahren die Gesetze verschärft: Ab dem 15. September gilt illegaler Grenzübertritt nicht mehr nur als Ordnungswidrigkeit, sondern als Straftat. Es drohen bis zu drei Jahre Gefängnis. Beschädigungen des neu errichteten Stacheldrahtzauns an der Grenze zu Serbien sollen ebenfalls unter Strafe gestellt werden. Schlepper drohen bis zu 20 Jahre Haft.

Das insgesamt zehnteilige Gesetzespaket beinhaltet auch die Einrichtung von Transitzonen für Flüchtlinge direkt an der Grenze. Sie sollen zur serbischen Seite hin offen sein und auf der ungarischen Seite geschlossen. Die Transitzonen sind als größere Flächen geplant, auf denen sich Flüchtlinge bis zum Ende ihres Asylverfahrens aufhalten dürfen.

Ob der neue Zaun an der serbischen Grenze wie von der Regierung geplant auch von Soldaten bewacht werden darf, wurde zunächst nicht entschieden. Die links-liberale Opposition hatte eine Abstimmung darüber unter Berufung auf Formalitäten der Parlaments-Hausordnung verhindern können.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen