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Die US-Botschaft in Sanaa im Jemen - die Amerikaner sorgen sich, ihre Einrichtungen könnten Ziele für Terroranschläge sein.
Die US-Botschaft in Sanaa im Jemen - die Amerikaner sorgen sich, ihre Einrichtungen könnten Ziele für Terroranschläge sein.(Foto: dpa)

Inhaftierte Extremisten geflohen: Interpol warnt vor Terrorgefahr

Hunderte Terroristen entkommen in kurzer Zeit aus Gefängnissen. Interpol vermutet, die Ausbrüche könnten koordiniert worden sein und gibt eine weltweite Sicherheitswarnung heraus. Die möglichen Drahtzieher hat die Polizeiorganisation auch schon im Visier.

Nach der von den USA herausgegebenen weltweiten Reisewarnung schlägt nun auch Interpol Alarm. Die Internationale Polizeiorganisation warnte vor einer erhöhten terroristischen Gefahr. Demnach wird al-Kaida verdächtigt, in eine Reihe von Gefängnisausbrüchen involviert zu sein.

Allein im vergangenen Monat seien in neun Interpol-Mitgliedsstaaten hunderte inhaftierte Terroristen und andere Kriminelle entkommen. Betroffen seien unter anderem Irak, Libyen und Pakistan. Interpol erinnerte zudem daran, dass sich mehrere terroristische Attacken im Monat August jährten.

Ende Juli hatten Taliban-Kämpfer ein Gefängnis in Pakistan gestürmt. Im Irak waren zuvor 500 Häftlinge aus der Anstalt Abu Ghraib befreit worden, darunter viele hochrangige Mitglieder der Extremistenorganisation Al-Kaida, die sich auch zu der Aktion bekannte. Am 27. Juli waren aus einem Gefängnis im libyschen Benghasi 1100 Häftlingen ausgebrochen.

Die Organisation forderte Unterstützung von ihren 190 Mitgliedsstaaten, um herauszufinden, ob die Ausbrüche aus den Gefängnissen miteinander im Zusammenhang stünden oder gar koordiniert wurden. Sollte einer der geflohenen Extremisten gesichtet werden, müsse das betroffene Land und Interpol informiert werden. Auch Hinweise zu geplanten Terroranschlägen sollten an die Organisation übermittelt werden.

USA geben Reisewarnung heraus

Zuvor hatte das US-Außenministerium Amerikaner gewarnt, im August insbesondere auf Reisen wachsam zu sein. Es bestehe weltweit Terrorgefahr, speziell in Nahost und in Nordafrika. Diese könnten von der Arabischen Halbinsel ausgehen.

Präsident Barack Obama habe angeordnet, "alle nötigen Maßnahmen zum Schutz der US-Bürger" zu ergreifen, hieß es aus dem Weißen Haus. So sollten 21 US-Botschaften und Konsulate am Sonntag schließen. Auch Deutschland, Großbritannien und Frankreich entschlossen sich aus Sicherheitsgründen, ihre Vertretungen im Jemen an diesem Sonntag und Montag nicht zu öffnen.

Worauf genau der Terrorverdacht fußte, teilte das US-Außenministerium zunächst nicht mit. Nun wurde jedoch bekannt, dass die USA angeblich geheime Kommunikationen zwischen hochrangigen Al-Kaida-Mitgliedern abgefangen haben. Darin soll es um Terroranschläge auf amerikanische Einrichtungen gegangen sein, berichtete die "New York Times" unter Berufung auf US-Regierungsbeamte. Der Zeitung zufolge diskutierten die Terroristen Attacken gegen Einrichtungen im Nahen Osten und Nordafrika.

Es sei sehr ungewöhnlich, dass Kommunikationen zwischen höherrangigen Al-Kaida-Angehörigen über die Planung von Operationen aufgefangen würden - sei es durch die Überwachung von E-Mails oder das Abhören von Handy-Gesprächen. Aus diesem Grund hätten Experten des Geheimdienstes CIA, das Außenministerium und das Weiße Haus sofort begriffen, worum es gehe. Auch Kongressmitglieder seien informiert worden.

Al-Kaida-Chef wütend über Mursis Entmachtung

Al-Kaida-Chef Aiman al-Sawahiri warf den USA in einer angeblich von ihm stammenden Audiobotschaft ein Komplott gegen den Anfang Juli gestürzten ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi vor. "Kreuzfahrer, Säkulare und die amerikanisierte (ägyptische) Armee haben sich verabredet (...), um mit dem Geld der Golfstaaten und amerikanischem Intrigenspiel die Regierung von Mohammed Mursi zu stürzen", hieß es in der Botschaft, die in islamistischen Internet-Foren auftauchte.

Der Terrorchef, der aus Ägypten stammt und in Pakistan vermutet wird, bezeichnete den Sturz Mursis durch das ägyptische Militär als "besten Beweis für das Scheitern demokratischer Methoden bei der Schaffung einer islamischen Regierung". Hinter der Entmachtung Mursis stehe das "Bestreben der Kreuzritter, im Süden von Ägypten einen (christlich-)koptischen Staat zu errichten."

Die Echtheit der 14 Minuten langen Botschaft konnte zunächst nicht bestätigt werden. Tonfall und Diktion deuten aber darauf hin, dass sie vom ehemaligen Stellvertreter Osama bin Ladens stammt. Bin Laden war 2011 von den Amerikanern in Pakistan getötet worden. Al-Sawahiri folgte ihm an der Spitze des Terrornetzwerks Al-Kaida nach.

Quelle: n-tv.de

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