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Die sichergestellten Daten zeugen von der professionellen Führung von Isis.
Die sichergestellten Daten zeugen von der professionellen Führung von Isis.(Foto: AP)
Montag, 16. Juni 2014

Namen der Isis-Rebellen enthüllt: Irak gelingt Daten-Coup gegen Islamisten

Die irakische Armee hat Datenträger sichergestellt, auf denen die Namen der meisten Isis-Kämpfer gespeichert sind. Die Daten zeigen auch, dass sich die Rebellen um Geld keine Sorgen machen müssen.

Die irakische Armee hat offenbar USB-Sticks erbeutet, auf denen sensible Daten der islamistischen Isis-Rebellen gespeichert sind. "Sie haben alles aufgelistet. Bis ins kleinste Detail", sagte ein Geheimdienstmitarbeiter dem "Guardian". Irakische Agenten fanden auf den Sticks die Namen und Kampftitel aller ausländischen Rebellen, die Isis zum Großteil ausmachen.

Außerdem enthüllen die Daten die finanziellen Mittel der Organisation, die ebenfalls minutiös aufgezeichnet sind.  Die Rebellen finanzieren ihren Kampf vor allem durch Ölquellen in Syren, die sie kontrollieren. Außerdem verkauft Isis erbeutete Denkmälern und Antiquitäten.

"Allein in der syrischen al-Nabuk-Region haben sie 36 Millionen Dollar geplündert. Die Antiquitäten sind dort bis zu 8000 Jahre alt.", so der Geheimdienstmitarbeiter. Den großen Coup aber landeten die Isis-Rebellen mit der Eroberung der Metropole Mossul. Vor dem Angriff sollen die Rebellen Bargeld und Ausrüstung im Wert von 875 Millionen US-Dollar besessen haben. In Mossul plünderten sie Banken, eroberten militärische Ausrüstung und stockten so ihre Kriegskasse auf 2,4 Milliarden US-Dollar auf.

"Mossul wird zur Hölle"

Für die irakische Armee sind die Daten von großem Wert, denn eine Herausforderung im Kampf gegen die Rebellen ist, sie überhaupt zu finden. Im Gegensatz zur irakischen Armee hat Isis nur wenige feste Stellungen und Nachschubwege. Viele der gespeicherten Namen sind mit Telefonnummern und Email-Adressen versehen, durch die sich der Geheimdienst jetzt weitere Informationen zum Vorgehen der Rebellen erhofft. 

Außerdem enthalten die Daten Informationen zur Führungsstruktur der Organisation. Die Spitze von Isis besteht demnach aus Veteranen, die teilweise schon vor 10 Jahren gegen die US-Truppen im Irak gekämpft haben. Ihre Identität wird geheim gehalten, selbst Gleichgestellte wissen oft nicht den Namen ihrer Mitstreiter.

Nach Informationen des "Guardian" hat die irakische Armee das Daten-Leak der Gefangennahme eines Boten der Dschihadisten zu verdanken. Nach zweiwöchigen Verhören hat Abu Hajjar demnach den Namen und Aufenthaltsort von Isis-Chefs Abdulrahman al-Bilawi verraten. Die Soldaten zögerten nicht lange – wenige Stunden später war al-Bilawi tot. Bei Abu Hajjar und al-Bilawi fanden die Ermittler insgesamt 160 USB-Sticks, die belegen wie professionell die Organisation "Islamischer Staat im Irak und der Levante" (Isis) geführt wird.

Der Daten-Coup wirft aber auch Fragen auf. Denn offenbar wussten die Sicherheitskräfte  schon vor der Eroberung Mossuls von dem bevorstehenden Angriff. Isis-Bote Abu Hajjar hatte den Ermittlern angekündigt, die Metropole werde bald zur Hölle – zwei Tage später marschierten die Rebellen ein. Die zahlenmäßig weit überlegene irakische Armee traf der Angriff allerdings völlig unvorbereitet. Die Soldaten flohen aus der Stadt und überließen den Rebellen einen Teil ihrer Ausrüstung.

Quelle: n-tv.de

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