Politik
Iran schießt eigenen Angaben zufolge erfolgreich neue ballistische Rakete ab. (Screenshot aus Video)
Iran schießt eigenen Angaben zufolge erfolgreich neue ballistische Rakete ab. (Screenshot aus Video)
Samstag, 23. September 2017

"In naher Zukunft einsatzbereit": Iran testet neue ballistische Rakete

US-Präsident Donald Trump droht dem Iran offen mit dem Ende des Atomabkommens. Friedensforscher sehen darin ein Mittel, Teheran zu maßregeln. Doch die Islamische Republik zeigt sich unbeeindruckt - und testet erstmal eine neue mächtige Rakete.

Der Iran hat nach eigenen Angaben eine neue Mittelstreckenrakete "erfolgreich" getestet. Das Staatsfernsehen zeigte Start und Flug der Choramschahr-Rakete, die eine Reichweite von 2000 Kilometern hat und mit Mehrfachsprengköpfen ausgerüstet werden kann. Wann der Test stattfand, blieb offen. Videoaufnahmen, die von der Islamischen Republik ausgestrahlt wurden, zeigten die Rakete, die von einem unbekannten Ort gestartet wurde.

Die Choramschahr-Rakete wurde am Freitag auf einer Militärparade präsentiert.
Die Choramschahr-Rakete wurde am Freitag auf einer Militärparade präsentiert.(Foto: AP)

Präsident Hassan Ruhani hatte am Freitag bei einer Militärparade in Teheran erklärt, dass der Iran trotz der Kritik aus den USA sein Raketenprogramm fortsetzen wolle. "Wir sind für Frieden in der Region und der Welt, aber für die Verteidigung unserer Sicherheit brauchen wir keine Erlaubnis" von den USA, sagte er.

Außenminister Sigmar Gabriel kritisierte den mutmaßlichen Raketentest, verteidigte aber zugleich das Atomabkommen mit Teheran. Sollten entsprechende Berichte zutreffen, sei der Test einer Mittelstreckenrakete "keine kluge Aktion" gewesen, sagte Gabriel in Wolfenbüttel. "Wir brauchen Entspannung und nicht gegenseitiges Aufhetzen", betonte er.

Gabriel sagte, Deutschland und Europa seien weiter dafür, das von US-Präsident Donald Trump abgelehnte Nuklearabkommen aufrecht zu erhalten. Der Iran halte sich bislang strikt an die Verpflichtungen aus dem Vertrag. Der Raketentest verstoße allerdings gegen eine andere Resolution des UN-Sicherheitsrats. Genau wie die USA sei auch Deutschland völlig unzufrieden mit der Rolle Irans im Nahen Osten. "Aber es wird nicht besser, wenn der Iran auch noch eine Atombombe entwickelt."

Als "Provokation" und "Herausforderung der USA und ihrer Verbündeten" bezeichnete Israels Verteidigungsminister Avigdor Lieberman den Raketentest. "Dies ist auch ein weiterer Beweis dafür, dass der Iran eine Weltmacht werden will, die nicht nur die Staaten in Nahost, sondern alle Länder der freien Welt bedroht." Iranische Mittelstreckenraketen können mit ihrer Reichweite jeden Ort in Israel treffen.

"Wirtschaftlich ausgelaugter Schurkenstaat"

US-Präsident Donald Trump hatte in der Generaldebatte der Vereinten Nationen den Iran als "wirtschaftlich ausgelaugten Schurkenstaat" bezeichnet, der Gewalt exportiere, und mit dem Ende des Atomabkommens mit der Islamischen Republik gedroht. Man könne dieses mörderische Regime nicht so weitermachen lassen, erklärte er mit Blick auf die Kriege in Syrien und im Irak, in die sowohl der Iran als auch die USA involviert sind. Der iranische Führer Ajatollah Ali Chamenei hatte Trumps Rede als "billig, hässlich, dumm und unwahr" zurückgewiesen.

Teheran betont immer wieder, dass sein Militär- und Raketenprogramm lediglich der Verteidigung der eigenen Grenzen diene und keine Bedrohung für andere Länder sei. Außerdem seien die Raketen so konstruiert, dass sie keine Atomsprengköpfe tragen könnten. Sein Programm zur Entwicklung von Kernwaffen hat der Iran im Rahmen des internationalen Atomabkommens eingestellt. Dennoch gibt es im Westen, besonders in den USA und Israel, Sorgen wegen der iranischen Mittelstreckenraketen. Mit ihrer Reichweite könnten sie jeden Ort in Israel treffen. Außerdem wird vor allem in Israel befürchtet, dass der Iran sein Atomprogramm wieder aufnehmen könne.

Am Freitag hatte Teheran die Choramschahr bei einer Militärparade der Öffentlichkeit vorgeführt. Dabei wurde hervorgehoben, dass die Rakete kleiner und eher als "taktische Waffe" einzusetzen sei als andere ballistische Raketen, und dass sie mehrere Ziele gleichzeitig angreifen könne. Im Gegensatz zu Lenkraketen fliegen ballistische Raketen nach dem Start ungelenkt auf einer ballistischen Flugbahn.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen