Politik
(Foto: btselem.org)

Video zeigt kaltblütigen Kopfschuss: Israelischer Soldat erschießt Verletzten

Blutiger Zwischenfall im Westjordanland: Nach einer Messerattacke auf israelische Soldaten liegen zwei Angreifer verletzt am Boden. Sanitäter kümmern sich um die Israelis. Ein Soldat zückt sein Waffe und erschießt einen offenbar wehrlosen Palästinenser.

Ein israelischer Soldat hat in Hebron einen verletzten palästinensischen Attentäter mit einem gezielten Kopfschuss getötet. Der Vorfall ist ungewöhnlich gut belegt: Ein Video, das die israelische Menschenrechtsorganisation Btselem veröffentlichte, lassen kaum Raum für Zweifel.

Video

Israels Militär gestand die Vorwürfe gegen den Soldaten indirekt ein und sprach wörtlich von einem "schwerwiegenden Vorfall, der gegen die Werte der israelischen Armee verstößt". Hintergrund des Vorfalls ist ein Messerangriff auf israelische Soldaten: Am Morgen hatten zwei mit Messern bewaffnete Palästinenser in Hebron im südlichen Westjordanland einen Soldaten verletzt. Die Armee teilte kurz darauf mit, beide Angreifer seien erschossen worden.

Kaltblütiger Mord?

Btselem veröffentlichte wenige Stunden nach dem Vorfall ein Video, auf dem zu sehen ist, wie einer der Palästinenser nach der Attacke offensichtlich verletzt und weitgehend reglos auf der Straße liegt. Keiner der Umstehenden leistet erste Hilfe, obwohl der Attentäter noch zu leben scheint. Dann geschieht das Unfassbare: Während der angegriffene israelische Soldat von einem Rettungswagen abtransportiert wird, hebt ein weiterer Soldat sein Sturmgewehr von der Schulter, lädt durch und zielt aus einigen Schritten Entfernung auf den Verletzten.

Dann feuert er einen Schuss ab, der den am Boden liegenden Mann offenbar am Kopf trifft. Die Schussabgabe ist auf den Aufnahmen zweifelsfrei zu erkennen. Das Opfer selbst wird kurzzeitig durch einen vorbeifahrenden Lieferwagen verdeckt. Wenige Sekunden nach dem Schuss breitet sich eine dunkle Blutlache unter dem Kopf des offenbar tödlich getroffenen Mannes aus. Gut ein Dutzend Menschen werden Zeuge der Tat.

Armee startet interne Untersuchung

Hinweise auf eine akute Gefahrenlage, die den Einsatz tödlicher Gewalt aus militärischer Sicht rechtfertigen könnten, sind auf den Aufnahmen nicht zu erkennen. Mehrere Soldaten und Sanitäter stehen in unmittelbarer Nähe des Opfers. Bis zum Todesschuss verhalten sich die Umstehenden ruhig. Hektische Bewegungen sind auf dem fraglichen Video nicht zu erkennen - weder unter den zahlreichen Augenzeugen noch bei dem am Boden liegenden Palästinenser.

Das Militär teilte zu dem Vorfall mit, auf Bitten der zuständigen Kommandeure sei eine interne Untersuchung eingeleitet worden. Der Soldat sei suspendiert worden. Unklar ist, ob der Todesschütze auch mit einer zivilen Anklage wegen Mordes rechnen muss. Hebron liegt rund 25 Kilometer südlich von Jerusalem im israelisch besetzten Westjordanland.

"Widerrechtliche Tötungen sind das direkte Ergebnis von aufhetzerischen Kommentaren von Politikern und einer öffentlichen Atmosphäre der Entmenschlichung", teilte die israelische Menschenrechtsorganisation mit. Btselem setzt sich eigenen Angaben zufolge seit mehr als zwei Jahrzehnten für die Wahrung der Menschenrechte im Westjordanland und dem Gazastreifen ein und wirbt für ein friedliches "Zusammenleben zwischen Israelis und Palästinensern in Freiheit und Würde".

Quelle: n-tv.de

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