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Hier in Sendai ist alles sicher, teilt der Betreiber Kyushu Electric Power mit.
Hier in Sendai ist alles sicher, teilt der Betreiber Kyushu Electric Power mit.(Foto: picture alliance / dpa)

Erster Reaktor geht ans Netz: Japan hält die aufgemöbelten AKW für sicher

Gerade einmal vier Jahre ist es her, dass ein schweres Erdbeben mit anschließendem Tsunami die Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima auslöste. Jetzt will ein Betreiber wieder ein AKW ans Netz bringen. Er hält die Anlagen für sicher.

Vier Jahre nach der Atomkatastrophe in Fukushima hat Japan die Folgen des Unglücks noch immer nicht im Griff. Dennoch will das Land im Juli das erste Atomkraftwerk wieder ans Netz lassen. Dabei war angesichts der andauernden Katastrophe sogar Japans Premierminister Shinzo Abe von seiner Position abgerückt, die Situation in Fukushima sei unter Kontrolle.

"Es gibt einen Berg von Problemen. Hierzu zählen kontaminiertes Wasser, die Stilllegung, die Entschädigungen sowie die Kontamination. Wenn ich an die Opfer denke, die nach vor unter den schwierigen Bedingungen der Evakuierung leben, glaube ich nicht, dass man die Sache als erledigt betrachten kann", sagte Abe Ende Januar 2015 in Tokio.

Jetzt plant ein Kraftwerksbetreiber trotz der bestehenden Erdbebenrisiken, der Bedenken Abes und gegen den breiten Widerstand in der Bevölkerung ein Wiederanfahren der ersten Atomkraftwerke nach dem Unglück. Die beiden Reaktoren des AKW Sendai hätten die neuen Sicherheitsauflagen erfüllt, teilte die Aufsichtsbehörde NRA mit. Die Anlage im Südwesten des Landes, die vom Energiekonzern Kyushu Electric Power betrieben wird, muss zunächst noch Betriebstests durchlaufen. Doch diese dürfte sie ohne Probleme bestehen.

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Die Umweltschutzorganisation Greenpeace bezweifelt das. Die NRA ignoriere wissentlich die Erdbebenrisiken sowie ungelöste Sicherheitsfragen. Dies sei nach allem Vorwissen und den einschlägigen Erfahrungen mit Atomkraft in der erdbebengefährdeten Region unverantwortlich. Dennoch hofft Kyushu Electric, den Reaktor Sendai 1 Ende Juli wieder hochzufahren, Sendai 2 soll Ende September folgen.

Mit diesem atomfreundlichen Kurs widersetzt sich Kyushu Electric dem Willen vieler Menschen in Japan. Sie fürchten einen weiteren GAU in einem der anderen 48 japanischen Atomreaktoren. Doch die Atomindustrie sitzt offenbar am längeren Hebel. "Die japanischen Energieunternehmen und auch die Atomaufsicht ignorieren die wichtigen Lehren aus dem Fukushima-Desaster", sagte Hisayo Takada, Energieexpertin von Greenpeace Japan.

Dabei hat die Zahl der Anlagen für Erneuerbaren Strom in Japan seit 2012 rapide zugenommen. Einen Großteil der zusätzlichen Kraftwerksleistung liefern kleine Photovoltaik-Anlagen. Doch die großen Energieversorger verwehren ihnen mit staatlichem Einverständnis ausreichenden Zugang zum Stromnetz. "Die bisherige Energiepolitik der Regierung verhindert Investitionen in Erneuerbare Energien trotz des großen Wind- und Solarpotentials, das Japan besitzt", kritisiert Takada.

Diese Ansicht vertritt auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, die sich im März bei einem Besuch in Japan kritisch zu den Plänen der Regierung geäußert hatte, demnächst das erste AKW wieder ans Netz zu nehmen.

Noch Nachbeben von 2011

Im AKW Fukushima war es im März 2011 nach einem schweren Erdbeben und einem verheerenden Tsunami zu Explosionen und zur Kernschmelze gekommen. Wegen der freigesetzten radioaktiven Strahlung mussten rund 160.000 Menschen in der Region ihre Häuser verlassen. Es war der schwerste atomare Unfall seit der Explosion im AKW Tschernobyl im Jahr 1986.

Nach der Katastrophe hatte Japan alle Reaktoren im Land abgeschaltet. Einige Konzerne entschieden, ältere Anlagen nicht wieder hochzufahren. Damals hatten sich Unternehmen gerühmt, ihre Kraftwerke seien sicher, würden Flugzeugabstürze und Erdbeben bis einer Stärke von 8 auf der Richterskala überstehen - bis sich 2011 ein Erdbeben der Stärke 9 ereignete.

Die vorerst letzten Erdbeben in Japan haben sich am 11. und 25. Mai dieses Jahres ereignet. Ihre Stärken wurden mit 5,3 und 5,6 angegeben, die Epizentren lagen nördlich von Tokio und im Pazifik vor Honshu, also in der Region, in der 2011 bis zu 18.000 Menschen starben und Hunderttausende ihre Heimat verloren.

Die Meteorologiebehörde geht nach eigenen Angaben davon aus, "dass die neuesten Erdbeben Nachbeben" des Bebens von 2011 gewesen waren. In näherer Zukunft seien weitere schwere Erdbeben möglich, die einen Tsunami auslösen könnten, sagte Behördenvertreter Yohei Hasegawa.

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Quelle: n-tv.de

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