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Nach dem Absturz von MH17: Jazenjuk: Separatisten behindern Helfer

Nach dem Absturz der Boeing der Malaysia Airlines im Osten der Ukraine stellen sich viele Fragen. Wurde die Maschine wirklich abgeschossen und wenn ja, von wem? Das soll eine Untersuchung klären - doch die wird laut Kiew von den Separatisten behindert.

Der ukrainische Regierungschef Arseni Jazenjuk hat den Separatisten eine massive Behinderung der Helfer an der Absturzstelle des malaysischen Passagierflugzeugs vorgeworfen. "Diese Banditen lassen eine Untersuchung der Tragödie durch unsere Leute nicht zu", sagte Jazenjuk. Die Behörden sowie Vertreter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) würden nun Druck auf die Aufständischen ausüben, um zur Absturzstelle zu gelangen. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko warf den Separatisten vor, Beweise zu vertuschen. Darauf deute die Ankündigung hin, den Flugschreiber (Black Box) zunächst nach Moskau zu schicken.

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Zuvor hatten die prorussischen Separatisten eine zwei- bis viertägige Waffenruhe zur Untersuchung der Ursache angekündigt. Die Feuerpause solle bei Konsultationen der internationalen Kontaktgruppe um 11 Uhr vereinbart werden, teilte Separatistenführer Andrej Purgin mit. Es gilt als sicher, dass die Boeing mit 298 Menschen an Bord abgeschossen wurde. Durch die Waffenruhe sollten internationale Experten in das Gebiet Donbass gelassen werden, um die Absturzursache aufzuklären. Purgin sagte, dass die Leichen in einem Radius von zwölf Kilometern verstreut seien. 600 Kräfte der nicht anerkannten "Volksrepublik" Donezk seien an Ort und Stelle im Einsatz, um die Leichen und Wrackteile zu sichern. Im Liveticker berichtet n-tv.de laufend über aktuelle Entwicklungen.

Poroschenko spricht von Terror-Akt

Poroschenko warf den prorussischen Separatisten vor, die Boeing mit einer Rakete abgeschossen zu haben - wie zuletzt mehrere ukrainische Militärflugzeuge. Davon gehen auch die USA aus, wie die "New York Times" berichtet. Das Flugzeug sei auf einer Höhe von 9100 Metern geflogen, hieß es unter Berufung auf Daten eines Spionagesatelliten der US-Streitkräfte. Der Satellit liefere aber keine Informationen, wo genau die Rakete abgefeuert wurde. Experten von Militär und Geheimdienst seien aber dabei, mit Hilfe von mathematischen Formeln und Computern, den genauen Ursprungsort der Rakete zu ermitteln.

Der Kreml meldete derweil, dass eine "Radaraktivität" zum Zeitpunkt des Absturzes registriert worden sei. Diese gehöre zur ukrainischen Radarstation Kupol, die zur Zielerfassung für das mit Raketen ausgestattete Flugabwehrsystem Buk-M1 diene. Die Radarstation befindet sich demnach etwa 30 Kilometer südlich der Millionenstadt Donezk. In der Nähe stürzte die Boeing ab.

Putin beschuldigt Kiew

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte der Ukraine schon zuvor indirekt die Schuld an dem Unglück gegeben. Die schreckliche Tragödie wäre nicht passiert, wenn es in der Ostukraine keinen Krieg gebe, sagte der Kremlchef.

Die ukrainische Luftwaffe hat nach den Worten Poroschenkos mit der Tragödie aber nichts zu tun. Dies wiederum wurde von russischer Seite infrage gestellt. Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, es sei angesichts der schweren Gefechte in der Region für die ukrainische Führung unmöglich, in so kurzer Zeit den eigenen Einsatz von Raketen glaubhaft auszuschließen.

Washington sieht dagegen Russland in der Mitverantwortung für die Tragödie: "Der Vorfall ereignete sich im Kontext einer Krise in der Ukraine, die von russischer Unterstützung für die Separatisten mit Waffen, Material und Ausbildung angeheizt wird", erklärte das Weiße Haus.

Obama fordert Untersuchung

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US-Präsident Barack Obama forderte eine internationale Untersuchung der Ursache für den Absturz. In einem Telefonat mit Poroschenko sagte Obama, am Ort des Absturzes dürfe nichts verändert werden, bis internationale Experten "alle Aspekte der Tragödie" untersuchen können. Zugleich sicherte er sofortige Hilfe von US-Experten zu. Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier, die EU und die Nato verlangten eine internationale Untersuchung.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen will sich in einer eilig einberufenen Sondersitzung mit dem Flugzeugabsturz in der Ukraine befassen. Das mächtigste UN-Gremium werde um 10 Uhr (Ortszeit, 16 Uhr deutscher Zeit) zusammentreten, hieß es aus Diplomatenkreisen. Auch der ukrainische Botschafter Juri Sergejew soll an der voraussichtlich offenen Sitzung teilnehmen. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass irgendwelche Beschlüsse gefasst werden.

Luftraum über Ostukraine gesperrt

Der Luftraum über der Ostukraine wurde nach dem Absturz nahe Donezk gesperrt. Das hätten die ukrainischen Behörden kurz nach dem Absturz nahe Donezk beschlossen, teilte die europäische Organisation für die Luftverkehrskontrolle, Eurocontrol, in Brüssel mit. Die Maßnahme gelte vorerst unbefristet.

Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich schockiert und forderte eine umgehende und unabhängige Untersuchung. Merkel trauere um die Opfer des Absturzes der malaysischen Passagiermaschine, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit. "Sollte sich diese Nachricht (vom Abschuss) bestätigen, so stelle sie eine weitere, tragische Eskalation des Konfliktes im Osten der Ukraine dar."

Die Separatisten hatten zuletzt mehrfach zugegeben, ukrainische Kampfjets, Transportmaschinen und mehrere Hubschrauber abgeschossen zu haben. Nach unbestätigten Berichten haben die Separatisten behauptet, ein Buk-Flugabwehrsystem im Verlauf der Kämpfe erbeutet zu haben. Das in den 1980er-Jahren von der sowjetischen Militärindustrie entwickelte Lenkwaffen-System Buk (Buche) kann Ziele in Höhen bis zu 25.000 Metern treffen. Bisher setzten sie vor allem schultergestützte Raketenwerfer ein. Doch nach Angaben der ukrainischen Regierung hat Russland immer schlagkräftigere Waffen in die Ostukraine geschleust, um die Rebellen in ihrem Unabhängigkeitskampf zu unterstützen.

Viele der Opfer waren Aids-Aktivisten. Sie befanden sich auf dem Weg zum Welt-Aids-Kongress im australischen Melbourne, wie die International Aids Society mitteilte. Es sei davon auszugehen, dass von den 283 Passagieren insgesamt 108 Delegierte und deren Familienangehörige gewesen seien. Zu den Opfern gehört auch der führende niederländische Aids-Forscher und frühere Vorsitzende der Internationalen Aids-Gesellschaft, Joep Lange.

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Quelle: n-tv.de

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