Politik
Dutzende sterben, die Polizei schaut zu: Jazenjuk verspricht eine unabhängige Aufklärung.
Dutzende sterben, die Polizei schaut zu: Jazenjuk verspricht eine unabhängige Aufklärung.(Foto: picture alliance / dpa)

Tödlicher Brand in Odessa: Jazenjuk macht Polizei verantwortlich

Der ukrainische Ministerpräsident Jazenjuk findet klare Worte zu dem verheerenden Brand in Odessa. Verantwortlich seien die "ineffizienten" Sicherheitskräfte, die geltendes Recht verletzt hätten. Er will die Führung entlassen und verspricht Aufklärung.

Video

Nach dem tödlichen Brand im südukrainischen Odessa macht der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk die Sicherheitskräfte in der Hafenstadt für die Katastrophe verantwortlich. "Diese Sicherheitskräfte sind ineffizient und haben das Recht verletzt", sagte er der BBC. "Höchstpersönlich beschuldige ich die Sicherheitskräfte und die Polizei, nichts dagegen getan zu haben." Wenn die Polizei richtig arbeiten würde, hätte sie die Lage rechtzeitig entschärft, sagte er bei einem Besuch in der Millionenstadt am Schwarzen Meer. Die komplette Führung der örtlichen Miliz werde entlassen.

Eine Sonderkommission der Generalstaatsanwaltschaft soll den Vorfall genau untersuchen, sagte der Politiker. Jazenjuk versprach eine "umfassende und unabhängige Untersuchung" der Straßenschlachten und des Brandes in einem Gewerkschaftshaus. Prorussischen Demonstranten warf er allerdings vor, die Gewalt "provoziert" zu haben.

CIA und FBI beraten Kiew

Derweil wurde bekannt, dass die Übergangsregierung in Kiew von Dutzenden Spezialisten des US-Geheimdienstes CIA und der US-Bundespolizei FBI beraten wird. Die Beamten sollten im Auftrag der US-Regierung dabei helfen, die Rebellion im Osten des Landes zu beenden und eine funktionsfähige Sicherheitsstruktur aufzubauen, berichtet die "Bild am Sonntag" unter Berufung auf deutsche Sicherheitskreise.

Die Agenten seien nicht direkt an den Kämpfen mit den prorussischen Milizen in der Ost-Ukraine beteiligt, heißt es. Ihre Tätigkeit beschränke sich auf die Hauptstadt Kiew. Die FBI-Agenten sollten der Übergangsregierung zudem dabei helfen, die organisierte Kriminalität im Lande zu bekämpfen. Zudem suche eine Gruppe von Finanzermittlern des FBI nach dem Vermögen des früheren ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch.

"Anti-Terror"-Aktion geht weiter

Kiew setzt derzeit die "Anti-Terror-Einsätze" fort. Mit Kampfhubschraubern und gepanzerten Fahrzeugen sind ukrainische Sicherheitskräfte weiter gegen Separatisten vorgegangen. In der Großstadt Lugansk im Osten des Landes starb bei Schusswechseln mindestens ein Aktivist, zwei weitere wurden verletzt. Das teilte Innenminister Arsen Awakow mit.

In Mariupol begannen die Regierungseinheiten mit dem Sturm auf ein besetztes Verwaltungsgebäude. "Sie haben uns fünf Minuten gegeben, um das Haus zu verlassen, und danach das Feuer eröffnet", sagte Separatistensprecher Michail Krutko.

In Konstantinowka wurden mehrere Angehörige der Sicherheitskräfte beim Kampf um einen wichtigen Fernsehturm verletzt. "Die Terroristen verwenden schwere Waffen. Aber wir halten die Stellung", teilte Minister Awakow mit. Aus Kramatorsk und aus Slawjansk wurden vereinzelte Schüsse gemeldet. "Wir werden weiter gegen Extremisten und Terroristen vorgehen, die Gesetze ignorieren und das Leben der Bürger gefährden", sagte Awakow. Viele der moskautreuen Aktivisten fordern mehr Autonomie für die Regionen im Osten der früheren Sowjetrepublik.

Die internationalen Militärbeobachter sind derweil außer Landes gebracht worden. Nach ihrer Geiselhaft in Slawjansk wurden die Inspekteure in die Obhut der OSZE und eines Unterstützungsteams der Bundesregierung gegeben. Das deutsche Team ist mittlerweile in der Heimat angekommen.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen