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Als von Armut bedroht gilt, wer über weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens verfügt, sich normale Alltagsgüter nicht leisten kann, oder in einem Haushalt lebt, in dem auch Personen im Erwerbsalter nicht arbeiten.
Als von Armut bedroht gilt, wer über weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens verfügt, sich normale Alltagsgüter nicht leisten kann, oder in einem Haushalt lebt, in dem auch Personen im Erwerbsalter nicht arbeiten.(Foto: picture alliance / dpa)
Mittwoch, 08. Februar 2017

Altersarmut nimmt stark zu: Jeder Fünfte über 55 von Armut bedroht

Die Zahl der älteren Menschen, denen Armut und soziale Ausgrenzung droht, steigt deutlich. Die Debatte über das Rentenniveau hält die Chefin der Deutschen Rentenversicherung dennoch für verfehlt. Das Problem, sagt sie, liege woanders.

Die Zahl der von Armut oder Ausgrenzung bedrohten älteren Menschen in Deutschland ist in den vergangenen Jahren auf fast sechs Millionen gestiegen. Waren 2010 noch 4,9 Millionen Menschen im Alter von 55 und älter betroffen, stieg deren Zahl seither kontinuierlich auf zuletzt 5,7 Millionen. Dies geht aus aktuellen Daten des Europäischen Statistikamts Eurostat hervor, auf die die Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann (Linke) aufmerksam machte.

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Damit waren 2015 20,8 Prozent aller Menschen im Alter von 55 und älter von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. 2006 waren es noch 18,2 Prozent. EU-weit liegt der Anteil mit 20,7 Prozent leicht unter dem in Deutschland. Daten für 2016 liegen noch nicht vor.

Betroffen ist, wer mit einem Einkommen von weniger als 60 Prozent des Durchschnitts auskommen muss, wer sich normale Alltagsgüter oft nicht leisten kann oder wer in Haushalten lebt, in denen die Bewohner im arbeitsfähigen Alter kaum arbeiten.

Insgesamt ist nach dieser Definition laut Eurostat jeder Fünfte in Deutschland von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Dieser Wert schwankte seit 2010 zwischen 19,6 und 20,6 Prozent.

Risikogruppe Geringverdiener

Die Linken-Vizefraktionschefin Zimmermann sagte: "In der zunehmenden Armut Älterer spiegelt sich die gesamte Problemlage im Bereich Arbeit und Soziales: Hoher Anteil von Niedriglöhnen am deutschen Arbeitsmarkt, hohe Erwerbslosigkeit von Älteren und immer öfter Armutsrenten." Ältere Erwerbslose dürften nicht länger abgeschrieben, sondern müssten besser unterstützt werden.

Die neue Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung, Gundula Roßbach, warnte dagegen davor, beim Thema Altersarmut "pauschale Horrorszenarien" zu entwerfen. Auch wenn das Rentenniveau im kommenden Jahrzehnt sinke, heiße das noch lange nicht, "dass wir eine massenhafte Altersarmut in Zukunft befürchten müssen", sagte Roßbach der "Süddeutschen Zeitung".

Sie mahnte, bei den Menschen mit einem besonders hohen Risiko anzusetzen. Dazu zählte sie Erwerbsminderungsrentner, Soloselbstständige mit unsteten Erwerbsbiografien und Langzeitarbeitslose. Auch für Menschen, die über lange Zeit Geringverdiener waren und nicht zusätzlich fürs Alter vorsorgten, könne es schwierig werden.

"Wir können fehlende oder nur geringe Beiträge nicht komplett ausgleichen", sagte Roßbach. Ein höheres Rentenniveau sei für die Probleme dieser Risikogruppen "kein Allheilmittel".

Quelle: n-tv.de

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