Politik
Das Privatfoto der Eltern zeigt die 18-jährige Offiziersanwärterin an Bord der Gorch Fock im Hafen von Mürwick.
Das Privatfoto der Eltern zeigt die 18-jährige Offiziersanwärterin an Bord der Gorch Fock im Hafen von Mürwick.(Foto: picture-alliance/ dpa)

"Gorck-Fock"-Unfall wird aufgerollt: Jennys Eltern sehen Unklarheit

2008 war die Kadettin Jenny Böken aus ungeklärten Gründen nachts von Bord des Segelschulschiffs "Gorch Fock" gestürzt. Die Ermittler waren von einem Unfall überzeugt und schlossen die Akten 2009. Jetzt wollen Jennys Eltern den Fall der 18-Jährigen neu aufrollen lassen. Offenbar weist der Obduktionsbericht Widersprüche auf.

Bilderserie

Die Kieler Staatsanwaltschaft prüft derzeit, ob das Ermittlungsverfahren nach dem Tod der -Kadettin Jenny Böken wieder aufgenommen werden muss. Jenny Böken war 2008 aus ungeklärten Gründen nachts von Bord des Segelschulschiffs gestürzt. Ihre Familie erhebt jetzt neue Vorwürfe gegen die Ermittler, die von einem Unfalltod ausgegangen waren und die Akten 2009 geschlossen hatten.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Kiel will die Familie der bei ihrem Tod 18 Jahre alten Kadettin den Fall neu aufrollen lassen. Über die Wiederaufnahme werde frühestens Ende der kommenden Woche entschieden, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Jennys Eltern, Marlis und Uwe Böken aus Aachen, wollen noch einmal klären lassen, ob definitiv kein Fremdverschulden oder Verstöße gegen Dienstvorschriften zum Tod ihrer Tochter führten. Dabei stützen sie sich jetzt laut NDR unter anderem auf mögliche Widersprüche im Obduktionsbericht.

Relevante Unterlagen fehlen

Zu Jennys Beerdigung waren hunderte Menschen gekommen.
Zu Jennys Beerdigung waren hunderte Menschen gekommen.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Unterstützung erhält die Familie unter anderem vom Verteidigungsexperten der Grünen im Bundestag, Omid Nouripur. Er sagte im NDR, die Ermittlungsakten seien lückenhaft, relevante Unterlagen fehlten: "Es ist nicht gründlich gearbeitet worden." Nouripur findet es vor allem "bemerkenswert, was genau alles fehlt, und wer persönlich verstrickt werden kann".

Zwei Jahre nach dem Tod von Jenny Böken war im November 2010 eine weitere junge Offiziersanwärterin auf der "Gorch Fock" zu Tode gekommen. Sie stürzte bei einer Übung aus der Takelage. Der Fall hatte unter anderem für die Absetzung des Kapitäns und eine Neuordnung der Ausbildung auf dem Schulschiff der Marine gesorgt. Die Diskussion um die Führungskultur und die Behandlung von Frauen auf dem Großsegler steht auch im Hintergrund des Wiederaufnahmeantrags im Fall Böken.

Jenny Böken war im September 2008 während einer Nachtwache aus ungeklärten Gründen von Bord des Segelschulschiffs "Gorch Fock" gestürzt. Erst zwei Wochen später wurde ihre Leiche von der Besatzung eines Fischerei-Aufsichtsboots aus dem Wasser geborgen.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen