Politik
Kretschmann und Merkel verstehen sich gut. Zu gut? Dieses Bild entstand 2012 beim Sommerfest des Landes Baden-Württemberg in Berlin.
Kretschmann und Merkel verstehen sich gut. Zu gut? Dieses Bild entstand 2012 beim Sommerfest des Landes Baden-Württemberg in Berlin.(Foto: picture alliance / dpa)

Grüner Merkel-Wahlkampf: Junge Union ätzt gegen den CDU-Schreck

Von Christian Rothenberg

Vor der Wahl in Baden-Württemberg sind die Umfragewerte der CDU schlecht. Ministerpräsident Kretschmann steht gut da, auch weil er ständig die Kanzlerin lobt. Die Junge Union bläst mit eigenen Plakaten zur Attacke gegen den Grünen.

Nur, dass es keine Missverständnisse gibt. Die Junge Union Baden-Württemberg will eineinhalb Wochen vor den Landtagswahlen eine Sache mal klarstellen. "Kretschmann redet wie Angela Merkel, aber er handelt anders. Lassen Sie sich nicht täuschen", steht auf den druckfrischen Plakaten für den Landtagswahlkampf.

Angela Merkel ist CDU-Chefin, Winfried Kretschmann erster grüner Ministerpräsident – das weiß eigentlich jeder. Dennoch konnte man in den vergangenen Wochen manchmal auch einen anderen Eindruck haben. Kretschmann schmiegt sich im Wahlkampf im Ländle rhetorisch eng an die Kanzlerin. Wie andere Grüne lobt er Merkels Flüchtlingspolitik überschwänglich. Dem "Tagesspiegel" erklärte Kretschmann Anfang Februar gar, er bete jeden Tag dafür, dass die Kanzlerin gesund bleibe.

Der Ministerpräsident tut das nicht ganz uneigennützig: Er versucht, der CDU Wähler abzujagen. Der Grüne gibt sich so schwarz, dass die Wähler das Gefühl haben könnten, es mache keinen Unterschied, ob sie CDU oder Grüne wählen. Damit ist Kretschmann durchaus erfolgreich. In mehreren Umfragen lagen die Grünen zuletzt sogar vor der CDU, die zurzeit nur auf 30 Prozent kommt. Gibt es in Baden-Württemberg am Ende eine grün-schwarze Landesregierung? Gut möglich. Juniorpartner in ihrem einstigen Stammland – für die CDU wäre es eine Katastrophe.

"Der Kretschmann stalkt Merkel"

Spitzenkandidat Guido Wolf, der zuletzt auf Distanz zu Merkels Flüchtlingspolitik ging, sieht Kretschmann-Kuschelkurs mit großem Unbehagen. In einer internen Sitzung soll er vor kurzem gefordert haben, dass Merkel sich klar von dem Grünen distanzieren müsse. "Der Kretschmann stalkt Merkel doch geradezu. Das darf sie sich nicht länger bieten lassen", sagte ein Mitglied aus dem CDU-Landesvorstand laut der "Welt". Und Merkel? Die sagte am Sonntag bei ihrem Auftritt bei Anne Will vielsagend: "Der Ministerpräsident unterstützt mich, und ich freue mich darüber. Wer mich aber wirklich unterstützen will, der sollte CDU wählen." Wolf hätte sich wahrscheinlich ein deutlicheres Signal gewünscht.

Doch immerhin bleibt ihm zumindest eine Demütigung erspart: Eine Woche vor der Wahl wird es an diesem Freitag keinen gemeinsamen Termin von Merkel und Kretschmann geben. Die Kanzlerin sagte einen geplanten Besuch beim Waiblinger Sägenhersteller Stihl kurzfristig ab. Gerüchten zufolge hatte die Landes-CDU intern auf eine Absage gedrungen. Es wird deshalb keine gemeinsamen Bilder von Merkel und dem Grünen-Ministerpräsidenten geben.

Dennoch will die Junge Union in der heißen Phase des Wahlkampfes nochmal nachhelfen. Ab 3. März werden 4000 Plakate im DinA1-Format und 50 Großflächenplakate verteilt. Zusätzlich fährt ein Transporter bis zum Wahltag mit den verschiedenen Motiven durch das Land. "Kretschmann wählen bedeutet Özdemir bekommen", "Kretschmann wählen, bedeutet generelles Tempolimit", "Grün wählen? Nein danke!", steht auf weiteren Plakaten der Jugendorganisation. Diese sind übrigens grün. Unten am Rand steht jedoch der Hinweis auf die Junge Union Baden-Württemberg. Nur, dass es keine Missverständnisse gibt.

Quelle: n-tv.de

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