Politik

Halbnackter Protest in Minsk: KGB entführte Frauen

Drei Aktivistinnen werden in Weißrussland vom KGB entführt, misshandelt, mit dem Tode bedroht und nackt in einem Wald ausgesetzt. Sie hatten in Minsk gegen das Lukaschenko-Regime protestiert und die Freilassung von politischen Gefangenen gefordert.

Nach einer Protestaktion gegen den weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko sind drei ukrainische Feministinnen nach Angaben ihrer Gruppe von weißrussischen Geheimdienstagenten misshandelt worden.

Alexandra Nemtschinowa (M.), Inna Schewtschenko und Oxana Saschko vor dem KGB-Hauptquartier in Minsk.
Alexandra Nemtschinowa (M.), Inna Schewtschenko und Oxana Saschko vor dem KGB-Hauptquartier in Minsk.(Foto: dpa)

Die drei Aktivistinnen der Organisationen Femen hatten am Montag vor der Zentrale des Geheimdienstes KGB gegen die umstrittene Wiederwahl Lukaschenkos vor einem Jahr protestiert und die Freilassung der politischen Gefangenen des Landes gefordert. Wie bei Femen-Aktionen üblich, traten die Frauen teilweise unbekleidet auf. Eine von ihnen hatte sich dabei eine Lukaschenko-Glatze rasiert. (Hier ein Video der Aktion.)

Der russischen Nachrichtenagentur Ria Novosti zufolge wurde auch die Fotografin der Gruppe, die australische Journalistin Kitti Green, festgenommen. Sie wurde bereits am Montag nach Litauen ausgewiesen.

Verschleppt, misshandelt, ausgesetzt

Am selben Tag wurden Inna Schewtschenko, Oxana Saschko und Alexandra Nemtschinowa an einem Bahnhof in Minsk gekidnappt. Sie wurden dann Femen zufolge über Nacht mit verbundenen Augen aus Minsk rund 320 Kilometer weit in die Region Gomel verschleppt.

Weißrusslands Präsident Lukaschenko gilt als "letzter Diktator" Europas.
Weißrusslands Präsident Lukaschenko gilt als "letzter Diktator" Europas.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Entführer drohten den Frauen, sie in Brand zu setzen, nachdem sie sie mit Öl übergossen hatten. Auch hätten sie die drei Frauen mit einem Messer bedroht, mit dem sie ihnen später die Haare abschnitten. Die Agenten hielten demnach ihre Taten mit einer Videokamera fest. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt setzten die KGB-Leute die Frauen nackt in einem Wald aus. Die Frauen konnten sich zu Fuß in die Ortschaft Beki im Südosten des Landes retten.

KGB sagt nichts

Die ukrainische Botschaft in Minsk konnte zunächst nichts über den Verbleib der Frauen erfahren. Bei den Nachforschungen seien die Diplomaten auf eine "Mauer" gestoßen, sagte ein Mitarbeiter der Botschaft. Laut Ria Novosti ist die Botschaft mittlerweile dabei, die Rückreise der drei Frauen in die Ukraine zu organisieren.

Der KGB wollte sich nicht zu den Vorfällen äußeren. Sein Sprecher Alexander Antonowitsch hatte vor der Entführung gesagt, der Protest sei eine "Provokation" gewesen.

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning, forderte unterdessen die Freilassung aller Oppositionellen, die nach blutigen Protesten vor einem Jahr immer noch in Haft sitzen. "Ich fordere Belarus erneut dazu auf, alle Verfahren unverzüglich einzustellen und die Verurteilten zu rehabilitieren", teilte Löning in Berlin mit. Er erwarte von Minsk ein Ende der Repressionen gegen Andersdenkende.

Quelle: n-tv.de

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