Politik
Samstag, 31. Juli 2010

"Machtdemonstration" Russlands: Kanada fängt Bomber ab

Russland weist alle Vorwürfe von sich, doch Kanada bleibt dabei: So sollen sich russische Langstreckenbomber dem kanadischen Luftraum genähert haben, Kanadas Lufwaffe fing sie ab. Angesichts des schmelzenden Polareises wachsen die Begehrlichkeiten in der Region.

Der Luftraum über der Arktis.
Der Luftraum über der Arktis.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Kanadas Luftwaffe hat vor wenigen Tagen zwei russische Langstreckenbomber abgefangen, die sich dem kanadischen Luftraum nahe der Arktis genähert hatten. Demnach waren die Flugzeuge am Mittwoch in kanadischem Interessengebiet unterwegs, wie Kanadas Verteidigungsministerium erklärte. Ein Sprecher der russischen Botschaft widersprach den Angaben und sagte, die Flugzeuge hätten sich in internationalem Luftraum befunden.

Die beiden russischen Langstreckenbomber des Typs TU-95 seien jedoch ohne weiteren Zwischenfall zu ihrer Basis zurückgekehrt, wie ein Sprecher des kanadischen Verteidigungsministeriums sagte. Demnach befanden sich die russischen Flugzeuge 250 Seemeilen entfernt von der in der Provinz Neufundland gelegenen Goose Bay - und somit in einer kanadischen "Pufferzone". Nach Angaben des kanadischen Verteidigungsministeriums wurden seit 2007 jedes Jahr mehrere russische Flugzeuge von kanadischen Jets abgefangen. Der Sprecher bezeichnete diese Flüge als "Machtdemonstration" Russlands.

Ein Sprecher der russischen Botschaft in Ottawa wies die kanadische Darstellung zurück. "Es ist nichts passiert", sagte er der Zeitung "Toronto Star". Die russischen Flugzeuge hätten sich zudem in internationalem Luftraum befunden.

Begehrlichkeiten wachsen

Die Arktis wird in Zukunft schwer umkämpft sein - mit welchen Mitteln auch immer.
Die Arktis wird in Zukunft schwer umkämpft sein - mit welchen Mitteln auch immer.(Foto: picture alliance / dpa)

Kanada und Russland zählen neben den USA, Dänemark und Norwegen zu den fünf Arktis-Anrainerstaaten. Jedem der Länder steht nach internationalem Recht eine 200-Seemeilen-Zone vor der Küste zur ausschließlichen wirtschaftlichen Nutzung zu. Kanada hatte in der Vergangenheit jedoch eine 300-Seemeilen-Zone beansprucht.

Angesichts des schmelzenden Polareises wachsen die Begehrlichkeiten zur Nutzung der frei werdenden Meeresgebiete in der Region. Immer nördlichere Öl- und Gasfelder könnten erschlossen werden, Fischfangflotten weiter vordringen und die bisher fast immer vom Eis verschlossene Nordost-Passage könnte den Seeweg zwischen Europa und Asien drastisch verkürzen. Wer die unter dem Polareis versteckten Rohstoffe nutzen darf, ist jedoch umstritten.

Zwar steht jedem der Anrainerstaaten die 200-Seemeilen-Zone vor seiner Küste zur wirtschaftlichen Nutzung zu, die Gebietsansprüche für große Teile der Region sind dagegen nicht geregelt. Nach Einschätzung des Geologischen Dienstes der USA (USGS) könnten sich in der Arktis 90 Milliarden Barrel Öl und 30 Prozent der weltweiten Erdgasreserven befinden.

Teure Expedition unterwegs

Russland hat bereits eine Fahne am Meeresboden unter dem Nordpol gesetzt.
Russland hat bereits eine Fahne am Meeresboden unter dem Nordpol gesetzt.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Russland will derweil mit der größten Russland festigt Arktis-Anspruch seit zehn Jahren seinen Anspruch auf Teile der gewaltigen Rohstoffvorkommen dort untermauern. Der Atomeisbrecher "Jamal" sowie das Forschungsschiff "Akademiker Fjodorow" mit 50 Experten an Bord sollen in den kommenden drei Monaten wichtige Daten sammeln. Damit solle bewiesen werden, dass der Meeresboden eine natürliche Verlängerung des russischen Festlandes ist und Moskau daher das Recht habe, dort Rohstoffe abzubauen.

Russland hat immer wieder klargemacht, seine Interessen in der Arktis notfalls auch mit militärischer Gewalt durchzusetzen. Zunächst aber sollten Forscher weiter Argumente sammeln, berichtete erst kürzlich die Zeitung "Wremja Nowostej". An Bord seien jedoch auch Vertreter des Verteidigungsministeriums. Die Ergebnisse dienten als Grundlage für einen Antrag bei den Vereinten Nationen, die Russland, so die Idee in Moskau, den Festlandsockel im Eismeer dann offiziell zuerkennen sollen. 2011 sollen die Unterlagen eingereicht werden, hieß es in einer Mitteilung des Expeditionsteams unter Leitung des Wissenschaftlers Wladimir Sokolow.

Russland will den Pol

Kremlchef Dmitri Medwedew hatte im März erklärt, er rechne mit einer deutlichen Verschärfung der Rivalität um die Rohstoffvorkommen der Arktis. Die "aktiven Versuche" anderer Arktis-Anrainer, Russland den Zugang einzuschränken, seien "unzulässig und ungerecht". Das Abschmelzen der nördlichen Eiskappe als Folge des Klimawandels werde den Streit um den Zugang zur Polarregion vermutlich weiter anfachen, sagte Medwedew.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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