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Kardinal Lehmann sieht die katholische Kirche auf dem richtigen Weg.
Kardinal Lehmann sieht die katholische Kirche auf dem richtigen Weg.(Foto: picture alliance / dpa)

Sexueller Missbrauch in der Kirche: Kardinal verweist auf andere Grauzonen

Der Missbrauchsskandal hält die katholische Kirche seit Jahren fest im Griff. Jetzt verweist Kardinal Lehmann auf hohe Dunkelziffern auch in Sport, Familie und Therapie - ablenken wolle er damit aber nicht.

In der Debatte über sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche hat der Mainzer Kardinal Karl Lehmann auf hohe Dunkelziffern auch an anderer Stelle hingewiesen. "Mich hat natürlich auch von Anfang an geärgert, dass es ganze Bereiche von sexuellem Missbrauch gibt, die in der Öffentlichkeit viel weniger Aufmerksamkeit finden", sagte der Bischof. "Es gibt eine hohe Dunkelziffer im Sport, es gibt ungeheure Zahlen von Missbrauch in den Familien, es gibt auch Missbrauch, wo man es nicht vermutet, etwa im Beratungswesen und in der Therapie. Lehmann betonte aber auch: "Das darf für uns keine Entschuldigung sein."

Er glaube jedoch, dass sich die Kirche inzwischen mit ihren Regeln zur Prävention und mit der Schulung sehr vieler Mitarbeiter - besonders in den Schulen und der Jugendarbeit - wirklich sehen lassen könne. "Da bin ich ganz froh, dass wir mit ziemlicher Energie vorgegangen sind, weil es uns auch mächtig geschadet hat mit unserem Anspruch der Sexualethik der Kirche", sagte Lehmann. "Wenn es dann trotzdem Missbrauch gibt, ist der Fall viel tiefer, da darf man sich nicht wundern."

Transparenz oder Mediengeilheit?

Der Kardinal nahm auch Stellung zur Neuausschreibung einer wissenschaftlichen Studie zur Aufarbeitung des jahrzehntelangen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen in der Kirche. Anfang des Jahres war die Zusammenarbeit mit dem Kriminologen Christian Pfeiffer gescheitert. Die deutschen Bischöfe hatten sich mit dem Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen vor allem über die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen gestritten.

Lehmann fand Pfeiffers Beauftragung nach eigenen Worten von Anfang an ein bisschen schwierig. "Transparenz ist eine Sache, Mediengeilheit ist eine andere Sache. Ich habe bei Herrn Pfeiffer immer wieder festgestellt, dass er eine ganz besondere Vorliebe hat, seine Erkenntnisse möglichst schnell in der Öffentlichkeit zu präsentieren, auch mit den entsprechenden Akzenten."

Mit dem Datenschutz bei Geheim- und Personalakten müsse sehr sorgfältig umgegangen werden, sagte der Mainzer Bischof. "Nicht um den Eindruck zu erwecken, wir haben etwas zu vertuschen, sondern um Tätern, die vielleicht nur einmal eine Dummheit gemacht haben, überhaupt eine Chance zu geben weiterzuleben." Das sei zuerst alles nicht so gut überlegt worden. "Deswegen bin ich ganz froh, dass wir die Studie neu ausgeschrieben haben", ergänzte Lehmann. Doch auch dieser Schritt könne noch zu Konflikten führen.

Quelle: n-tv.de

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