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In Donezk droht nach Angaben der Separatisten ein "neues Stalingrad".
In Donezk droht nach Angaben der Separatisten ein "neues Stalingrad".(Foto: REUTERS)

"Aussage ohne Taten": Kiew lehnt Waffenruhe mit Separatisten ab

Die ukrainische Armee schlägt ein Angebot der Separatisten zu einer Waffenruhe aus: Am Morgen geht das Artilleriefeuer auf Donezk unvermindert weiter. Auch in anderen Teilen der Ostukraine wird noch immer heftig gekämpft.

In den erbitterten Gefechten in der Ostukraine hat die Armee eine Feuerpause abgelehnt. Die erklärte Bereitschaft der Separatisten zu einer Waffenruhe sei lediglich eine "Aussage ohne Taten", teilte der nationale Sicherheitsrat mit. "Das Hissen der weißen Fahne oder die Abgabe der Waffen: Das sind konkrete Handlungen", sagte Sprecher Andrej Lyssenko. Aber die Aufständischen in der umkämpften Großstadt Donezk würden keine praktischen Schritte unternehmen Separatistensprecher Sergej Kawtaradse forderte die Armee zu Gesprächen auf. "Wir wollen über einen Fluchtkorridor für Zivilisten verhandeln", sagte er.

Die Regierungstruppen beschossen derweil Donezk massiv mit Artillerie. Vom Stadtzentrum aus waren mehr als 20 Explosionen zu hören. Ein Privathaus wurde von einem Geschoss zerstört, auch ein Krankenhaus wurde schwer beschädigt. In der Nähe sei eine Frau verletzt worden, hieß es.

Die Armee habe die Großstadt eingekesselt und ziehe den Ring immer enger, teilten die Aufständischen mit. Die Streitkräfte teilten mit, sie hätten ihre Offensive fortgesetzt, um die prorussischen Separatisten in die Enge zu treiben. Die Angriffe seien auf Stützpunkte der Aufständischen gerichtet gewesen.

Ein Rebellensprecher hatte am Samstag einen Waffenstillstand angeboten. "Wir sind zu einem Waffenstillstand bereit, um die zunehmende humanitäre Katastrophe abzuwenden", erklärte der Regierungschef der selbsterklärten Volksrepublik Donezk, Alexander Sacharschenko. Die Millionenstadt sei von den Streitkräften "eingekesselt" worden und drohe, ein neues "Stalingrad" zu werden. Später relativierten die Separatisten dieses Angebot.

Kämpfe um Verbindung nach Russland

Auch im rund 100 Kilometer entfernten Krasny Lutsch gab es wieder erbitterte Gefechte. Der Sicherheitsrat in Kiew widersprach Berichten, wonach die strategisch wichtige Stadt bereits in den Händen der Armee sei. "Die Kämpfe dauern unvermindert an", sagte Sprecher Andrej Lyssenko.

Die prorussischen Kräfte berichteten von Gebietsgewinnen in den Vororten. Krasny Lutsch liegt zwischen den Separatistenhochburgen Donezk und Lugansk. Wer die Stadt beherrscht, kontrolliert auch eine wichtige Straße zur russischen Grenze.

Im Streit über russische Hilfslieferungen für die Ostukraine berät die Führung in Moskau nach eigenen Angaben mit der Regierung in Kiew, dem Roten Kreuz und den Vereinten Nationen. Es gehe vor allem darum, Einvernehmen über die dringende Notwendigkeit von Hilfslieferungen für die Region um Luhansk und Donezk herzustellen, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow in Sotschi. Die beiden Städte sind die letzten unter der Kontrolle der prorussischen Separatisten.

Der Westen hatte Russland zuvor wiederholt vor einer Invasion in der Ukraine unter dem Deckmantel humanitärer Hilfe gewarnt. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sagte, russische Hilfsgüter sollten "nur mit ausdrücklicher Zustimmung der ukrainischen Regierung geliefert werden dürfen".

MH17-Experten werden ausgeflogen

Nach dem vorläufigen Abbruch der Bergungsarbeiten im Absturzgebiet der malaysischen Passagiermaschine in der Ostukraine wurden unterdessen nahezu alle internationalen Experten in die Niederlande gebracht. Flugzeuge mit rund 200 Fachleuten aus den Niederlanden, Australien und Malaysia landeten am späten Samstagabend in Eindhoven. Zuvor waren 142 Helfer wegen erneuter Kämpfe zwischen Regierungstruppen und prorussischen Rebellen aus der Ostukraine nach Holland ausgeflogen worden.

Gerichtsmediziner haben bis zum Wochenende 65 der 298 Opfer identifiziert, wie das Justizministerium in Den Haag mitteilte. Die Angehörigen seien informiert worden. Die Bemühungen um Zuordnung von Leichen sowie persönlichen Gegenständen würden wahrscheinlich noch mehrere Monate in Anspruch nehmen.

Insgesamt konnten dem damit in einer Kaserne in Hilversum beschäftigten internationalen Team 176 Leichen sowie 527 Leichenteile übergeben werden. Die Bergungsarbeiten im Gebiet des Absturzes der malaysischen Passagiermaschine am 17. Juli werden nach Angaben des niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte fortgesetzt, sobald die Sicherheit der Einsatzkräfte gewährleistet ist.

Quelle: n-tv.de

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